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Polizei kämpft um Nachwuchs

Viele Schweizer Kantone klagen über Probleme bei der Rekrutierung neuer Polizisten. In den beiden Basel ist die Situation ähnlich. Die Gründe dafür sind verschieden, zeigen aber klar: Der Polizeiberuf ist nicht mehr so attraktiv wie früher.

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bz Basellandschaftliche Zeitung

Tobias Gfeller

Wer in Basel-Stadt Polizist werden möchte, durchläuft eine vierjährige Ausbildung. Diese beginnt mit der eigentlichen Polizeischule, die exakt ein Jahr dauert. Dann heisst es, praktische Erfahrungen zu sammeln. Nach fünf Monaten Arbeit in einem Ausbildungszug und sieben Monaten in einem Einsatzzug sind die Anwärter rechtlich gesehen «ausgebildete Polizisten», wie es Wendy Monard formuliert. Sie ist für die Personalrekrutierung bei der Polizei im Stadtkanton zuständig. Nach den ersten zwei Jahren Ausbildung folgt ein Jahr auf dem Posten und ein weiteres im Alarmpiket.

Laut Monard ist die Situation in Basel-Stadt weit weniger gravierend als in anderen Gebieten der Schweiz. Dies verdankt die Polizei vor allem der aktuellen Wirtschaftskrise. «Der Staat geniesst in schwierigen Zeiten immer noch einen guten Ruf als Arbeitgeber», sagt Monard. «Die Absicherung bei Problemen ist bei uns hervorragend geregelt. Die Bewerber nennen momentan dieses Argument sehr oft.» Durchschnittlich sind sie «Mitte 20». Die Altersgrenze für die Polizeischule Basel liegt bei 40.

In der Krise hat vor allem die Zahl der «älteren Bewerber um die 30 zugenommen», so Monard. Darunter sind viele, die aufgrund der Krise ihre vorherige Stelle verloren haben. Für sie zählt das Argument des zuverlässigen Arbeitgebers am meisten. Die Zunahme an älteren Bewerbern kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass im Hauptsegment um das 25. Altersjahr Probleme bestehen. Aufgrund einer Umstrukturierung bei der Ausbildung kann Wendy Monard keine exakten Zahlen nennen. Die Tendenz sei aber klar erkennbar.

Gründe dafür zu nennen sei schwierig. Die Attraktivität des Polizeiberufes hat in den vergangenen Jahren stark abgegeben. Für Monard ist unter anderem die zugenommene Gewaltbereitschaft in der Gesellschaft Mitschuld an dieser Entwicklung. «Heut zu Tage wird nicht einmal vor Respektpersonen wie dem Polizisten Halt gemacht.» Die Polizisten werden laut Monard immer öfter mit Gewalt konfrontiert.

Die Wirtschaftskrise hat für die Polizeirekrutierung nicht nur positive Aspekte gebracht. Viele, die aufgrund der Krise ihren Job verloren haben oder aus anderen Gründen im späten Alter zur Polizei wollen, sind für den Polizeiberuf zu wenig ausgebildet. «Es kommt oft vor, dass wir Bewerbern absagen müssen - leider.»

Auch im Kanton Baselland ist ein Rückgang an geeigneten Bewerbern spürbar. Für Polizeisprecher Rolf Wirz liegt dies aber nicht am Polizeiberuf selber, sondern an der demografischen Entwicklung der Gesellschaft, die es jedem Unternehmen schwerer mache, gute, junge Leute zu bekommen. Auch die Wirtschaftskrise kann dieser Entwicklung im Landkanton nicht entgegenwirken. «In einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld wird zuerst den schwächeren Arbeitnehmern gekündigt. Stellenlose Bewerber genügen unseren Anforderungen oftmals nicht.» Während im Jahr 2001 noch 24 Männer und Frauen die Polizeischule besucht hatten, waren es im letzten Jahr nur noch 17 und heuer sogar nur noch 14. Eine Entwicklung, der mittels Marketing entgegengetreten werden soll: «Die Werbung und das Marketing werden laufend überprüft, optimiert und intensiviert», stellt Wirz klar.

Auch ein Grund für den Rückgang an Polizeiaspiranten ist das grosse Angebot an privaten Sicherheitsfirmen. Diese zahlen oftmals gut und verlangen eine weniger aufwändige Ausbildung.

Doch nicht alle Kantone leiden unter dieser negativen Entwicklung. In St. Gallen oder Aargau nimmt die Anzahl Bewerber laufend zu. Wendy Monard weiss, «dass im Kanton Aargau überlegt wird, im nächsten Jahr keine Polizeischule durchzuführen, da man über genügend Personal verfügt».