Politiker kritisieren Schweizer Kirche wegen Missbrauchsfällen

Als zu passiv kritisieren Politiker aller Parteien die Praxis der katholischen Kirche , den Entscheid über eine Anzeige dem Opfer zu überlassen. Die Kirche soll in Missbrauchsfällen selbst Anzeige erstatten, so die Forderung.

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Kirchenbänke bleiben leer

Kirchenbänke bleiben leer

Karen Schärer

«Es braucht ein hartes Durchgreifen», sagt Natalie Rickli (SVP/ZH). Sie hält die gängige Praxis der Kirche , bei Missbrauchsfällen nicht selbst Anzeige zu erstatten, sondern den Entscheid dem Opfer zu überlassen, für falsch. Rickli reagiert damit auf Äusserungen von Abt Martin Werlen in dieser Zeitung.

Doch nicht nur bekannte Hardliner wie Rickli fordern von der Kirche eine aktivere Rolle. So sagt Christa Markwalder (FDP/BE): «Die Kirche soll den Tätern gegenüber nicht mehr protegierend auftreten.»

Auch die beiden Nationalräte und Anwälte Carlo Sommaruga (SP/GE) und Daniel Vischer (Grüne/ZH) würden es begrüssen, wenn die Kirche selbst Anzeige erstattet. CVP-Kommunikationschefin Marianne Binder sagt: «Es sollte im Interesse der Kirche sein, so dem Vorwurf der mangelnden Transparenz endlich zu entgehen.»

Nicht aus Verantwortung stehlen

Formell kann man der Kirche zwar nichts vorwerfen: Sie ist juristisch nicht verpflichtet, bei Missbrauchsfällen Anzeige zu erstatten. Trotzdem kann sich die Kirche nicht komplett aus der Verantwortung stehlen, wie Strafrechtsprofessor Marcel Niggli von der Universität Freiburg sagt: Nach einem Missbrauchsfall stehe die Kirche in der Pflicht, alles zu unternehmen, dass ein solches Geschehnis nicht wieder vorkomme. Andernfalls könne sie nach Artikel 102 Strafgesetzbuch belangt werden.

In Deutschland hat man es mit der Prävention nicht immer so genau genommen, wie der Fall eines Kaplans zeigt, der 1979 einen elfjährigen Buben missbrauchte. Die Kirche wusste vom Vorfall › trotzdem hat der Priester auch seither Jugendliche missbraucht. Der Fall bringt auch Papst Benedikt XVI. in Bedrängnis.

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