Daten

Polderhorn will Daten verkaufen

Die tägliche Portion Meiereien aus der Aargauer Zeitung.

Jörg Meier

POLDERHORN KAM diesmal leise. Geradezu unverschämt leise. Der Redaktor erschrak heftig, als Polderhorn plötzlich neben ihm stand und zu flüstern begann: «Ich habe da was für Sie. Aber mein Name muss geheim bleiben.» «Was haben Sie?, fragte der Redaktor unwirsch, «und reden Sie bitte etwas lauter.» «Ich werde mich hüten», flüsterte Polderhorn, «die Sache ist zu heiss.» Er kam noch näher und der Redaktor spürte den Atem am Ohr. «Ich habe Daten, die ich Ihnen verkaufen möchte. Brisante Daten. Wenn Sie die weiterverkaufen, sind Sie ein gemachter Mann. Davon wird die ganze Schweiz» reden», hauchte Polderhorn und legte ein Päcklein aufs Pult.

«WAS IST DENN das?», fragte der Redaktor. «Auf dieser CD-ROM sind die Namen von mindestens 99 Prozent aller Schweizer, die Steuern hinterziehen», sagte Polderhorn stolz. «Für eine Million können Sie die CD mit sämtlichen Daten haben.» Der Redaktor schüttelte unwillig den Kopf. «Blödsinn», sagte er, «das ist unmöglich. Wenn Sie diese Namen hätten, dann würden Sie sie wohl kaum ausgerechnet mir anbieten. Und eine Million wäre ja geradezu ein Spottpreis. Lassen Sie mich in Ruhe!»

JETZT WAR POLDERHORN beleidigt. «Ich geben Ihnen mein Wort: Auf dieser CD sind praktisch alle Schweizer Steuersünder aufgeführt. Ich komme zu Ihnen, weil Sie mir bisher sympathisch waren. Und der günstige Preis ist nur deshalb, weil auf der CD auch noch ein paar andere Namen sind. Aber wenn Sie nicht wollen, dann lassen wir es halt.» Polderhorn ging grusslos. IN SEINER WUT hatte Polerhorn das Päcklein vergessen. Der Redaktor öffnete es und fand darin drei CDs. Polderhorn hatte die Wahrheit gesagt. Es war das Twixtel-Telefonbuch Schweiz.

joerg.meier@azag.ch

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