Polderhorn sieht es anders

Die tägliche Portion Meiereien aus der Aargauer Zeitung.

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Keystone

JÖRG MEIER

POLDERHORN BETRAT diesmal unauffällig das Multimedia-Center, wie es nun hiess, und setzte sich auf den freien Stuhl neben den Kolumnisten. Der sah leicht fiebrig und ratlos aus. Noch immer trudelten vereinzelt Ofen- und andere Hilfsangebote für Elena im fernen und kalten Russland ein. Obschon er doch klar geschrieben hatte, dass es Elena nicht gibt. Dass die ganze rührselige Geschichte jemand erfunden hatte, der Geld damit machen wollte, und zwar eine ganze Menge. Inzwischen hatten sich ja auch viele Leserinnen und Leser gemeldet, die auch von Elena kontaktiert worden waren. Mit dem gleichen Anliegen.

«SIE SOLLTEN SICH nicht weiter grämen», sagte da Polderhorn unvermittelt und der Kolumnist erschrak, erkannte dann Polderhorn und erschrak gleich ein zweites Mal. «Was wollen Sie», fragte er entnervt, «haben Sie etwa auch noch einen Ofen für Elena?» Doch Polderhorn hörte gar nicht hin und kam sofort zur Sache. «Eigentlich sollten Sie sich ja freuen », sagte Polderhorn. «Wie bitte?», fragte Polderhorn leicht ärgerlich. «Ich schreibe missverständlich und werde deshalb mit Öfen überhäuft. Und da soll ich mich freuen?»

«SIE SOLLTEN das Ganze doch positiv sehen», entgegnete Polderhorn. «Mit Ihrer Geschichte von Elena haben Sie das Mitgefühl von vielen Menschen gerührt. So gerührt, dass die von sich aus helfen wollten. Ist es nicht schön, dass es ringsum so viele hilfsbereite Menschen gibt? Das macht doch Mut: Die Welt ist gar nicht so schlecht. Wenigstens hier. Das ist doch eine richtige, schöne Weihnachtsgeschichte, die Ihnen da passiert ist.»

DAS LEUCHTETE dem Kolumnisten nach und nach ein. Eigentlich war dieser Polderhorn gar kein leider Kerl.

joerg.meier@azag.ch