Katastrophe in Haiti

Plünderungen und Schiessereien nach Erdbeben in Port-au-Prince

Gewalt unter den verzweifelten Überlebenden nimmt zu

Gewalt unter den verzweifelten Überlebenden nimmt zu

Sechs Tage nach dem verheerenden Erdbeben macht die zunehmende Gesetzlosigkeit Überlebenden und Hilfsorganisationen in Haiti zu schaffen, vor allem in der Hauptstadt Port-au-Prince. Nun wollen die USA Truppen entsenden.

Nach Polizeiangaben liefern sich Plünderer in der Innenstadt Feuergefechte mit der Polizei. Am Wochenende war es bereits zu ersten Lynchmorden gekommen. Die Regierung Haitis hat den Ausnahmezustand ausgerufen. Sie bat zudem die USA, für die Sicherheit zu sorgen und beim Wiederaufbau zu helfen.

Dazu sollen nun 3500 US-Soldaten die UNO-Truppe sowie die örtliche Polizei verstärken. Insgesamt wollen die USA über 12'000 Militärangehörige im verwüsteten Land stationieren. Auch die EU plant die Entsendung von 140 bis 150 Polizisten. UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon kündigte zudem eine Aufstockung der Blauhelmtruppen um 1500 Polizisten und 2000 Soldaten an.

Kritik gab es an den US-Truppen, die inzwischen den Flughafen kontrollieren. Sie sollen die einzige Piste vor allem für die Evakuierung von US-Bürgern beanspruchen, während Flüge mit Hilfslieferungen auf Nachbarinseln umgeleitet werden. So erhielt etwa eine Maschine mit einem aufblasbaren Spital von der Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" keine Landeerlaubnis.

Dabei fehlt es vor allem in Port-au-Prince noch immer an sauberem Wasser, Nahrung, medizinischer Ausrüstung und Notunterkünften. Retter im Katastrophengebiet berichten von erschütternden Zuständen.

Manchen Verletzten würden zerquetschte Gliedmassen auf offener Strasse amputiert, berichtete ein Mitarbeiter von "Ärzte ohne Grenzen". Tausende Kinder irren ohne Betreuung durch die zerstörte Stadt. Frankreich und die Niederlande haben inzwischen damit begonnen, verletzte Kinder auszufliegen.

Die genaue Zahl der Opfer ist weiter unklar, mittlerweile wird aber mit bis zu 200'000 Toten gerechnet. Rund 70'000 Leichen seien bereits geborgen, sagte Ministerpräsident Jean-Max Bellerive dem US-Fernsehsender ABC. Obwohl es Berichte über Gerettete gibt, sinken die Chancen, die noch verschütteten Opfer lebend zu retten.

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