Urs Byland

Plötzlich fehlt ein Kind in der Schule - für immer. Mit dieser Situation wurde in der vergangenen Woche die Bezirksschule Grenchen konfrontiert. Der tragische Todesfall eines 13-jährigen Schülers kurz nach den Ferien hat Schülerinnen, Schüler und Lehrpersonen zutiefst beschäftigt. Speziell gefordert war Schulleiter Rolf Glaus. Wie geht die Schule in diesem Fall vor?

«Das Erste und Wichtigste ist es, sich Zeit zu nehmen und das Vorgehen zu planen», erklärt Rolf Glaus. Wird man

während der Unterrichtszeit von einem solch tragischen Vorfall in Kenntnis gesetzt, müsse man in Kauf nehmen, dass die zu unterrichtenden Schüler für eine kurze Zeit still beschäftigt werden. «Mit entsprechenden fachlichen Unterlagen macht man sich kundig.»

Krisenstab einberufen

So rasch als möglich wird ein Treffen des Krisenstabs organisiert. «Dort werden verschiedene Überlegungen bezüglich Mitschülern, Lehrpersonen, Elternkontakt, Betreuung, Information und Kommunikation angestellt.» Die Klasse des Schülers oder der Schülerin erhalte ein besonderes Augenmerk. «Der Krisenstab sucht nach Möglichkeiten, wie die Schülerinnen und Schüler ihren Gedanken und Gefühlen Ausdruck geben können, etwa in Form eines Gedenktisches oder mit Kerzen. Solch symbolische Handlungen sind sehr wichtig.» Ebenso wichtig sei es, Zeit für Gespräche zur Verfügung zu stellen. «In solchen Momenten gibt es viele persönliche Kontakte. Dafür müssen die Lehrpersonen sensibilisiert werden.» Denn jedes Kind reagiere anders. «Darauf muss man achten.»

Fachliche Unterstützung nötig

Der Krisenstab organisiert auch den Kontakt mit den betroffenen Eltern, insbesondere mit den Eltern des verstorbenen Schülers oder der verstorbenen Schülerin. Und er bemüht sich, die betroffenen Lehrkräfte bei Problemen zu unterstützen. Im Fachlehrersystem wie an der Bezirksschule hatten ja viele Lehrkräfte einen Bezug zum verstorbenen Schulkind.

Weiter wird Kontakt aufgenommen mit Fachdiensten. «Man darf nicht vergessen, für solche Situationen sind die Lehrpersonen nicht ausgebildet und brauchen professionelle Unterstützung, sei es von Pfarrpersonen, vom Schulpsychologischen Dienst oder von den Schulsozialarbeitern.» Des Weiteren bestehe auch die Möglichkeit, ein Care-Team anzufordern.

Nicht zuletzt bemühe sich der Krisenstab um eine einheitliche Sprachregelung. «Es ist wichtig, alle Nichtinformierten gleich zu informieren. Diese Information muss mit der Polizei und mit den Eltern, deren Wünsche respektiert werden, abgesprochen sein.» Und sie müssen möglichst gleichlautend weitergegeben werden, damit deswegen nicht Unruhe aufkommt.

Sofort reagieren

Die Information des Lehrerkollegiums erfolgt an einer ausserordentlichen Sitzung. Ziel sei es, den Unterricht so weit als möglich aufrechtzuerhalten, «und so rasch als möglich wieder zu normalisieren». «Es ist eine grosse Herausforderung für die Lehrkräfte, in solch einem Fall vor die Klasse zu treten, darauf müssen sie vorbereitet werden.» Besondere Beachtung erhält im Weiteren die Entwicklung bei Schülern. «Wir achten auf Veränderungen und reagieren, wenn etwas nicht gut läuft.»

Die Schulleitung sei stark gefordert, erklärt Glaus. Dank der Zusammenarbeit mit den Lehrpersonen und der Unterstützung durch Fachstellen gelinge es, auch angepasste Massnahmen zu treffen.