Kleintierhaltung
Platzmanagement für Kaninchen

Als Beleg seiner artgerechten Tierhaltung lässt Samuel Zürcher, Obmann im Zentralvorstand des Schweizerischen Burgunderklubs und zugleich Präsident des Burgunderklubs Gruppe Zentral (Kantone Aargau, Solothurn und Oberaargau) seine Burgunderkaninchenzucht zertifizieren.

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Hasenfamilie

Hasenfamilie

Solothurner Zeitung

Betty Ott-Lamatsch

«Es ist mir ein Anliegen, mit gutem Beispiel voranzugehen», antwortet Samuel Zürcher auf die Frage der Motivation, sich dieser freiwilligen Prüfung zu stellen. Das Zertifikat für vorbildliche Kleintierhaltung zeichnet Verbandsmitglieder von «Kleintier Schweiz» aus, die ein waches Interesse an der fachgerechten, überdurchschnittlichen Fürsorge für die von ihnen gehaltenen Tiere zeigen.

Dass die Zertifizierung nicht nur eine Alibiübung ist, zeigte sich gestern auf eindrückliche Art und Weise. «Die 2007 in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Veterinärwesen erarbeiteten Zertifizierungskriterien müssen kompromisslos eingehalten werden», so Toni von Arb, Zertifizierer des 33 000 Mitglieder zählenden Verbands.

Das Zertifikat verpflichtet unter anderem dazu, dass den Kaninchen mindestens doppelt soviel Platz zur Verfügung steht, wie es das Tierschutzgesetz vorschreibt. Die Grösse der Ställe, deren Helligkeit, die Frischluftzufuhr (auch in den Transportboxen), die Befriedigung des Nagebedürfnisses, Rückzugsmöglichkeiten für alle Kaninchen sowie separate Wurfställe oder Boxen für die Muttertiere sind bei der Prüfung massgebliche Faktoren.

Die Kaninchen werden zudem auf die richtige Pflege (sind die Krallen geschnitten, ist die Ohrmarke auch nicht eingewachsen) und ihre Gesundheit (Milbenbefall) überprüft. Auch muss der Kandidat über die Belange der Kleintierhaltung und -zucht theoretisch Bescheid wissen und das geltende Tierschutzgesetz kennen.

Kaninchenzucht - nicht unbestritten

Nachdem im März Nationalrat Lukas Reimann (SVP/SG) eine Motion für ein Einzelhaltungsverbot von Kaninchen einreichte (wir berichteten), wurde diese im April sogleich wieder zurückgezogen. Die durch dieses Hin -und Her erreichte Verwirrung wirkt jedoch nachhaltig. So ist das Hobby «Kaninchenzucht» in Tierschutzkreisen und oft auch in der Bevölkerung ein rotes Tuch.

Deshalb hofft Zürcher, dass sich ihm viele Züchter anschliessen werden, damit dieses meist ungerechtfertigte Misstrauen widerlegt werden kann. «Mitglieder von ‹Kleintier Schweiz›, ob zertifiziert oder nicht, müssen zwingend bis Ende Jahr mindestens die Anforderungen des Tierschutzgesetzes erfüllt haben, sonst droht ihnen der Ausschluss aus dem Verband», informiert von Arb.

Glückliche Kaninchen in Bleienbach

Nach erfolgreich bestandener Prüfung ist klar: die sechs bis acht Zuchtzibben (Weibchen), zwei Zuchtrammler (Männchen) und jährlich etwa 50 Jungtiere bei Zürchers können sich glücklich schätzen. Sie werden von der ganzen vom «Chüngeli-Virus» befallenen Familie vorbildlich gehegt, gepflegt und gehalten. Die Tiere leben in verschiedenen Stallanlagen, haben erhöhte Liegeflächen und sind mit Durchgängen untereinander verbunden.

Auch im Freilauf-Gehege steht ein Stall.Daneben werden Kräuter gezogen, die für die Hasen gesund sind und diesen ganz besonders munden. Die luftigen Auslaufboxen haben Schatten und Licht auf verschiedenen Etagen und der Laie fragt sich, wie Zürcher die Belegung der Kaninchenställe im Griff hat. «Alles eine Frage der Organisation», meint er verschmitzt und legt einen professionellen «Platzmanagement-Plan» vor.

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