Hans Lüthi

Auch in Zukunft geht die Post in den Zentren ab, im Osten des Aargaus von Brugg über Baden bis Zürich - ohne Halt an der Kantonsgrenze. Im Westen von Aarau über Olten bis Zofingen, im Norden von Rheinfelden bis Basel. Ohne Raumkonzept für den Kanton droht der Verkehr aus dem Ruder zu laufen - bis er ganz stillsteht. Genau das wollen die Raumplaner vermeiden, indem sie den gewachsenen Gebieten ihre künftige Rolle zuordnen. Konkret: Kernstädte sind die Hauptzentren Aarau und Baden, Regionalzentren Brugg, Lenzburg, Rheinfelden, Wohlen und Zofingen. Dazu kommen die ländlichen Zentren Bad Zurzach, Bremgarten, Frick, Laufenburg, Muri, Reinach und Schöftland. Entwicklungsachsen in den Tälern sorgen dafür, dass der ländliche Raum nicht von den Zentren und Agglomerationen abgenabelt wird.

Schwerpunkte aktiv setzen

Den Agglomerationen geht es um eine Lösung ihrer Probleme, es gibt Stau auf den Zufahrtsachsen, die Luft ist verschmutzt, die Lebensqualität sinkt. «Diese Sorgen haben die Aargauer Landgemeinden nicht, aber ohne gut funktionierende Verbindung in die Zentren werden sie abgenabelt», sagt Kantonsplaner Paul Pfister. Wichtig sei es jetzt, Schwerpunkte für die wirtschaftliche Entwicklung zu schaffen, vorgesehen sind 16 kantonale und 10 regionale Schwerpunkte. Grundsätzlich sollen die Städte und Gemeinden nun definieren, welche Prioritäten sie bei den künftigen Nutzungen setzen wollen.

Es geht darum, zuerst die optimale Lösung zu suchen und dann zu bauen - statt umgekehrt. Ideen hat der Kanton, jetzt präsentiert er sie den Gemeinden und der Bevölkerung. «Nun sind die Gemeinden gefordert, zu sagen, welche Qualitätsanforderungen sie für die künftigen Nutzungen festlegen wollen», betont Paul Pfister. Mit den Agglomerationsprogrammen wird die Welt nicht neu erfunden, denn sie stützen sich auf die längst vom Parlament abgesegneten Strategien Mobilität Aargau, Raumentwicklung Aargau, das Mehrjahresprogramm öffentlicher Verkehr und das neue Baugesetz.

Mit Millionen des Bundes

Wenn die Koordination zwischen Siedlung und Verkehr sowie über die Kantonsgrenzen hinaus stimmt, macht der Bund in den nächsten Jahren Millionen locker. Bei Eingaben der Kantone von 17 Milliarden Franken stehen 2,5 Milliarden Franken in der ersten Tranche wirklich zur Verfügung. Im Vierjahresplan von 2011 bis 2014 kann der Aargau jährlich mit 15 bis 20 Millionen Franken rechnen - sofern er rechtzeitig genug bau- und planungsreife Projekte vorlegen kann. Im Gebiet Aargau Ost geht es um Verbesserungen der Infrastruktur für 55 Millionen, im grenzüberschreitenden Aareland sind es für die ersten vier Jahre 31,5 Millionen Franken.

Planerische Grundlagen nötig

Der Bund verlangt für die Finanzierung und Umsetzung der Agglomerationsprogramme eine verbindliche Planung zur Abstimmung von Siedlung und Verkehr. Für die Bevölkerung ist die Ergänzung des Richtplans kompliziert, was die Beteiligten nicht in Abrede stellen. Sie rechnen während der bis Mitte Januar 2010 dauernden öffentlichen Vernehmlassung vor allem mit Reaktionen von Planungsgruppen und Gemeinden, fordern aber auch Private auf, sich ins Metier zu vertiefen. Denn es geht nicht allein um Siedlungen und Strassen, sondern insgesamt um mehr Lebensqualität. Dazu gehört eine Aufwertung der Lebensräume für Menschen und Tiere, ebenso eine Verankerung des Juraparks und die Erhaltung weiterer Grünflächen durch Aggloparks.

Bedeutung für den Verkehr

Der Schwerpunkt der Neuerungen liege bei den Siedlungen, beim Verkehr dürfe man die Revision nicht überschätzen. «Es geht lediglich darum, die aktuellen Planungen aus den Strategien Mobilität Aargau von 2006 und das öV-Mehrjahresprogramm 2007 umzusetzen», erklärt Christina Spoerry, Leiterin der Abteilung Verkehr im BVU. Für reine Strassenprojekte wie die Umfahrung Mellingen will der Bund kein Geld lockermachen. Unterstützung bekommen Projekte für den öffentlichen Verkehr und den Langsamverkehr, ebenso Massnahmen für ein besseres Verkehrsmanagement und mehr Sicherheit.