Plätze für Jungbauern gesucht

Mehr Praxis: Lehrling David Derendinger soll Lehrmeister Toni Probst kompetent zur Hand gehen können. (Hanspeter Bärtschi)

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Mehr Praxis: Lehrling David Derendinger soll Lehrmeister Toni Probst kompetent zur Hand gehen können. (Hanspeter Bärtschi)

50 Prozent mehr Ausbildungsplätze werden künftig in der Landwirtschaft benötigt. Dies ist die einschneidendste Neuerung, welche die Anfang Jahr in Kraft getretene neue Bildungsverordnung mit sich bringt, zu der sich Kanton, Ausbildner und Bauernverband gestern äusserten.

Samuel Misteli

Seit Schuljahresbeginn ist Landwirt eine Lehre wie jede andere auch. Im Kanton Solothurn haben die ersten Landwirtschafts-Lehrlinge die neu gestaltete dreijährige Ausbildung in Angriff genommen, die sich nach der Anfang Jahr in Kraft getretenen Bildungsverordnung für die Landwirtschaft richtet. Die Sonderstellung, welche die landwirtschaftliche Ausbildung lange innegehabt hatte, fiel 2004 mit Inkrafttreten des neuen Berufsbildungsgesetzes dahin. Alle Berufe wurden dem Gesetz unterstellt - auch die Landwirtschaft, deren Ausbildungsgrundlagen bis dahin im Landwirtschaftsgesetz geregelt gewesen waren.

Der Einzug unter das gemeinsame Dach gereicht der landwirtschaftlichen Ausbildung zum Vorteil, glaubt Peter Brügger, der Sekretär des Solothurnischen Bauernverbandes: «Die Gleichwertigkeit» - und der damit verbundene Anschluss an die höhere Berufsbildung - «ist der positivste Aspekt des neuen Bildungsmodells».

«Die grösste Herausforderung»

Brügger stellte das neue Modell gestern in Kammersrohr gemeinsam mit Regierungsrätin Esther Gassler und Robert Flückiger, dem Direktoren der kantonalen Landwirtschaftsschule Wallierhof, vor. Der Hof von Bauer und Lehrmeister Toni Probst war als Präsentationsort nicht willkürlich gewählt: Das neue Bildungsmodell bringt mit sich, dass der Bedarf an Ausbildungsstätten, wie der Hof der Familie Probst eine ist, steigt. Die gewichtigste in der neuen Bildungsverordnung enthaltene Neuerung ist, dass die angehenden Landwirte bei Erlangen des Eidgenössischen Fähigkeitszeugnisses (EFZ) drei Jahre auf einem Lehrbetrieb verbracht haben werden. Bisher hatte sich an zwei Jahre auf dem Betrieb ein Jahr in der Landwirtsschaftsschule angeschlossen - das im Kanton Solothurn in zwei Winterkursen absolviert wurde. Der höhere Bedarf an Ausbildungsplätzen entsteht, weil die Landwirtschaftslehrlinge in der Regel jedes Ausbildungsjahr auf einem anderen Betrieb verbringen. Mit der Einführung des zusätzlichen Praxisjahres müssen damit 50 Prozent mehr Lehrstellen geschaffen werden. «Diese zusätzlichen Lehrstellen sind klar die grösste Herausforderung des neuen Bildungsmodells», sagte Wallierhof-Direktor Robert Flückiger.

Die Praxis steht über allem

Eine Herausforderung ist das Schaffen der Ausbildungsplätze für das dritte Jahr unter anderem deshalb, weil die schulbedingten Absenzen auf dem Hof im letzten Jahr besonders häufig sind (880 Lektionen im Unterschied zu je 360 in den beiden ersten Jahren) - was nicht für alle Solothurner Landwirtschaftsbetriebe zumutbar ist. Bauer Probst etwa wird wohl keine Drittlehrjahrstifte beschäftigen können.

Die Einführung des dritten Praxisjahres soll sich indes nicht nur nachteilig auswirken: Den Vorteil des dritten Jahres auf dem Betrieb sieht Bauerverbandssekretär Peter Brügger darin, dass die erlernte Theorie bis zum Ende der Lehre auch gleich in der Praxis angewendet werden kann. Überhaupt soll der Praxisbezug mit dem neuen Bildungsmodell deutlich verbessert werden: Nicht nur die Struktur der Lehre, auch der Inhalt des Schulstoffs wurde dahingehend verändert. Der Unterricht, so Robert Flückiger, sei neu klar handlungsorientiert ausgerichtet.

Damit das neue Bildungsmodell nicht nur praxisorientiert, sondern auch erfolgreich ist, hat der Solothurner Bauernverband sein Engagement in der Berufsbildung verstärkt. Die wichtigste neue Aufgabe des Verbandes wird die Durchführung der überbetrieblichen Kurse sein. Zu ihrer Finanzierung wird künftig von allen Landwirtschaftsbetrieben im Kanton ein Beitrag pro Hektar erhoben - der für einen durchschnittlichen Betrieb im Bereich von 80 bis 100 Franken liegen dürfte. Neben den Kursen kommt der Beitrag auch dem Lehrstellenmarketing zu Gute - und soll mithin gewährleisten, dass die 50 Prozent zusätzlichen Lehrstellen auch tatsächlich geschaffen werden können.

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