Der Forensiker Johannes Vermeulen bestätigte im Mordprozess gegen Pistorius am Mittwoch in Pretoria die Darstellung des Angeklagten. "Die Spuren an der Tür stimmen mit der Aussage überein, er habe keine Prothesen angehabt", sagte der Experte.

Die Staatsanwaltschaft hatte zumindest früher behauptet, der Angeklagte habe seine Prothesen zuvor angelegt. Damit hatte sie dem Angeklagten ein überlegtes Handeln unterstellt - und die Mordthese gestützt.

Auch Widersprüche

Allerdings erklärte Vermeulen, seiner Einschätzung nach habe Pistorius beim Einschlagen der Tür, durch die er zuvor geschossen hatte, auch keine Prothesen getragen. Dies ergebe sich aus der niedrigen Höhe der Abdrücke.

Es wäre "sehr unbequem" für den Angeklagten gewesen, auf seinen Prothesen an die niedrige Stelle an der Tür zu gelangen, an der sich die Spuren befinden, sagte Vermeulen, der die Aktion im Gerichtssaal mit der Toilettentür demonstrierte.

Das hatte der Athlet anders dargestellt: Er habe einen Einbrecher in der Toilette vermutet und daher durch die Tür geschossen. Erst als er bemerkt habe, dass sich seine Freundin in der Toilette befand, habe er versucht, die Tür mit dem Schläger aufzubrechen. Zuvor habe er in seinem Zimmer seine Beinprothesen angelegt.

Pistorius muss sich wegen der Tötung seiner Freundin in der Nacht zum Valentinstag 2013 seit Anfang März vor Gericht verantworten. Im Prozess versuchte die Staatsanwaltschaft durch Zeugenaussagen unter anderem zu belegen, dass der Sportler ein Waffennarr sei.

Vermeulen war im vergangenen Jahr als Experte zu den Ermittlungen zur Tötung Steenkamps hinzugezogen worden. Er verfügt über drei Jahrzehnte Erfahrungen in der Kriminaltechnik.