Piraten

Piraten stechen von Messen in See

Grundausbildung: Die Kinder lernen an diesem Posten, mit einem Paddel umzugehen. Olivier Messerli

Piraten

Grundausbildung: Die Kinder lernen an diesem Posten, mit einem Paddel umzugehen. Olivier Messerli

«Du bist als gefürchteter Pirat angeheuert.» Über 100 Kinder erhielten am Sonntag auf dem Spielplatz «DriffDi» in Messen vom Kapitän die begehrte Urkunde.

Agnes Portmann-Leupi

Pirat zu werden, ist gar nicht einfach. Unglaublich viel gilt es zu wissen oder mit den Muskeln zu vollbringen. Die Ausbildung ist hart. Unter der gleissenden Sonne auf dem DriffDi-Spielplatz in Messen jedenfalls rinnt der Schweiss. An über 20 ausgeklügelten Stationen trainieren die jungen Anwärter, erkennbar in ihren Kopftüchern, zerrissenen T-Shirts und abgeschnittenen Hosen sowie den gefürchteten eingekerbten Hiebwaffen.

Um in See zu stechen, gehört der Umgang mit Fernrohr und Kompass dazu. Wo etwa ist Norden, Süden, Osten und Westen? Die Jungpiraten üben Seemannsknoten und flicken mit grossen Nadelstichen ein Segel. Wenn alles «Bäägge» nichts mehr nützt, kommt die gelernte Flaggensprache zum Einsatz. Selbst das Putzen der Planken erledigen die Anwärter mit grossem Eifer.

Sauerkraut und Ananas

Körperlich heisst es fit zu sein. Anstrengung pur bedeutet es, zum Läuten der Schiffsglocke die Stange hochzuklettern, die Holzfässer an den richtigen Platz zu rollen und die Strickleiter zu erklimmen. Nicht weniger schweisstreibend ist es, das Wasser aus dem untergehenden Schiff zu schöpfen, das Meerungeheuer mit scharfen Messern zu bekämpfen und den Kanonenschuss ins Ziel zu treffen.

Solch intensive Arbeit verlangt eine entsprechende Seemannskost. Sauerkraut, Weinbeeren, Kokosnuss und Ananas sind genau das Richtige. Viele Grosseltern der Jungpiraten haben es sichtlich gemütlicher. Sie sitzen im Gras unter den Hochstammbäumen oder auf den robusten Bänken und Holzrugeln und verfolgen die Fortschritte ihrer Piratenenkel und -enkelinnen. Aber auch diese gönnen sich zwischendurch ein Fussbad im Brunnen oder eine Abkühlung bei der Wasserpumpe.

Persönlicher Empfang

Für jeden erfolgreich absolvierten Posten erhalten die Jungpiraten von den gestandenen Seemännern eine Trophäe. Dann kommt der grosse Augenblick: sich mit den Auszeichnungen vom allerhöchsten Kapitän anheuern zu lassen. Auf einem Holzfass sitzend, in Piratenmontur, den Säbel nebenan in die Erde gesteckt, unterschreibt dieser mit schwarzer Tinte jede einzelne Urkunde. «Du bist als gefürchteter ‹DriffDi-Pirat› angeheuert und erhältst als Vorschuss einen goldenen Taler», begrüsst er seinen von Eifer beseelten Nachwuchs. Nun heisst es, mit dem selbstgemalten Segel in See zu stechen.

Hinter dem Kapitän versteckt sich der Präsident der Interessengemeinschaft, Martin Zahnd (siehe Kasten). 100 Urkunden hat er bis am Abend ausgefüllt. «Begeisterung war von Anfang bis Schluss zu spüren», sagt er, selber fasziniert. Der Anlass bedeute für die Organisatoren und Helfer wohl viel Arbeit, aber auch grosse Freude. Ausgebrochen ist das Piraten-Fieber in Messen bereits am Samstag mit der Piraten-Werkstatt, dem Znacht in der «DriffDi-Spelunke», dem Piraten-Rockkonzert in der Pfarrschüür und einer Flammenspiel-Show mit Feuerjonglieren und Feuerspucken. Am Sonntagmorgen haben sich die angehenden Seefahrer mit dem Familiengottesdienst und dem Piraten-Brunch auf ihre «Ausbildung» eingestimmt.

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