Reh

Pilotprojekt im Aargau: Pfeiftöne sollen Rehe retten

Vorsicht Rehe: Viele Zusammenstösse passieren aus purem Leichtsinn. (wal)

Wild

Vorsicht Rehe: Viele Zusammenstösse passieren aus purem Leichtsinn. (wal)

Im Aargau sterben jährlich fast 2500 Wildtiere bei Verkehrsunfällen. Der Jagdschutzverein will die Tiere schützen und installiert im Aargau als einem der ersten Kantone akustische Wildwarngeräte.

Maja Sommerhalder

Man nennt sie die Todesstrasse – die Verbindungsachse zwischen Muri und Lenzburg. Doch nicht nur Menschen verloren auf dieser Strecke ihr Leben, sondern auch viele Wildtiere. Max Koch, Jagdaufseher von Wohlen und Dottikon, kann davon ein Lied singen: «Auf dieser Strasse werden vor allem Füchse überfahren.» Rehe kämen auf Strassen um, die durch Wälder führten, wie zwischen Wohlen und Bremgarten. Etwa 30 Dachse, Marder, Füchse und Rehe verlieren in seinem Jagdrevier pro Jahr im Strassenverkehr ihr Leben. Jagdaufseher Koch wird dann von der Polizei aufgeboten – seine Aufgabe ist es, die Kadaver zu bergen und zu entsorgen. Kein schöner Anblick sei dies: «Viele Tiere sind nicht sofort tot. Ich muss sie dann erlösen.»

«Purer Leichtsinn»

Nicht nur im Jagdrevier von Max Koch sterben Wildtiere auf diese Weise: 2456 waren es im Kanton Aargau im Jagdjahr 2008/2009 – davon 849 Rehe, 81Wildschweine, 51 Feldhasen, 1015Füchse, 308Dachse und 137 Marder; zu Opfern der Eisenbahn wurden 104 Tiere. Diese Zahlen seien in den letzten zehn Jahren etwa gleich geblieben, wie der kantonalen Jagd- und Fischereiverwalter René Altermatt bestätigt: «Die Wildtiere sind die Opfer unserer Mobilität.» Doch nicht nur die Tiere sind bei solchen Kollisionen gefährdet, sondern auch die Menschen. In der Schweiz werden pro Jahr etwa 60 Personen verletzt, im Aargau waren es im Jahr 2008 fünf. Der Sachschaden belief sich im Aargau auf 22515 Franken, wie das Statistische Amt bestätigt. Schweizweit sind es über 25 Millionen Franken.

Erhard Huwyler, Präsident des Aargauischen Jagdschutzvereins, will die Schäden reduzieren. «Diese Kollisionen sind Tragödien für Mensch und Tier», sagt Huwyler, der selbst Jagdaufseher von Beinwil/Freiamt ist. Er muss in seinem Revier etwa 20 tote Tiere im Jahr bergen: «Leider melden viele Autofahrer die Wildtierkollision nicht einmal bei der Polizei, obwohl dies eine gesetzliche Pflicht wäre.» Viele Zusammenstösse passierten aus purem Leichtsinn und Gedankenlosigkeit. «Ein Autofahrer muss in bewaldeten Gebieten das Tempo anpassen, da jederzeit ein Wildtier die Strasse überqueren könnte.»

Pfeiftöne sollen Rehe schützen

Deshalb will der Jagdschutzverein die Autofahrer stärker in die Pflicht nehmen. «Das fängt schon damit an, dass man in der Fahrschule Wildtierkollisionen thematisieren sollte.» Zudem werde an die Aargauer Autofahrer eine Informationsbroschüre abgegeben. Helfen würden auch Wildtierkorridore, damit Tiere sicher die Strasse überqueren könnten. Wildzäune, die die Tiere davon abhalten, auf die Strasse zu gehen, hätten hingegen auch Nachteile, meint Huwyler: «Der Lebensraum der Tiere wird dadurch noch kleiner.»

Er setzt deshalb auf akustische Wildwarngeräte, die im nächsten Frühling auf gefährlichen Aargauer Strassenabschnitten installiert werden sollen: «Das Gerät stösst einen schrillen Pfeifton aus, sobald das Scheinwerferlicht eines Fahrzeuges darauf trifft.» Dadurch würden Tiere abgeschreckt. Der Aargauische Jagdschutzverein nimmt an einem schweizerischen Pilotprojekt teil, so Huwyler: «Bisher haben erst die Kantone Zürich, Schaffhausen und Luzern damit Erfahrungen gemacht.» Diese Schutzmassnahme hat ihren Preis: «Auf einer Strasse muss etwa alle 50 Meter ein Warngerät aufgestellt werden, das etwa 70 Franken kostet.» Dazu kämen die Unterhaltskosten, die Überwachung und die Auswertung. Trotz allen Schutzmassnahmen: Für Huwyler ist klar, dass sich die Kollisionen nie ganz verhindern lassen. «Im Aargau gibt es nur kleine Wälder. Die Tiere müssen nur schon Strassen überqueren, wenn sie flüchten oder sich vermehren wollen.»

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