Soliday
Philipp Müller: Soliday soll national werden

Prominente machen es vor: Mit vielen konkreten Taten kommen Mittel zusammen, um von der neuen Armut betroffenen Kindern in der Schweiz zu einem besseren Start ins Leben zu verhelfen.

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Philipp Müller

Philipp Müller

Schweiz am Sonntag

von Mathias Küng

Gestern Samstag fiel sinnbildlich der Startschuss für die 365 Tage laufende «Soliday»-Sammelaktion. Letztes Jahr war sie vom Suhrer Unternehmer Samuel Wehrli im Hinblick auf eine gesamtschweizerische Umsetzung als Pilotprojekt lanciert worden. Jetzt findet sie ihre Wiederholung - in Kooperation mit dem Regierungsrat und mit Unterstützung der Aargauer Wirtschaft und der Gewerkschaften. Mit dem im ersten Jahr gesammelten Geld konnten Kostengutsprachen für 200 Kinder für Plätze in Kindertagesstätten und Spielgruppen geleistet werden. So sollen ihre Chancen für den Start ins Schulleben erhöht werden.

Es gibt viele Möglichkeiten, sich zu engagieren. Zum Beispiel für Kinder, indem sie etwas basteln, backen, Blumen ziehen usw. und dies etwa an einem Basar zugunsten von Soliday verkaufen. Oder Erwachsene können einen Spendenlauf organisieren und den Ertrag Soliday zukommen lassen. Man kann sich auch ein Soliday-Kässeli zukommen lassen und dieses an einem Geburtstagsfest oder Jubiläum aufstellen. Oder Unternehmen können Soliday spenden und dafür auf Weihnachtsgeschenke verzichten usw.

Vor allem ist es noch lange nicht zu spät dafür. Gestern Samstag war nur der Startschuss für die neue Kampagne. Eine Aktion zugunsten von Soliday kann auch heute, morgen oder erst übermorgen erfolgen. Es gilt, den Spendenertrag von stolzen 440 000 Franken, die in der letzten grossen Sammelaktion zusammengekommen sind, zu übertreffen. Wir fragten Prominente, was sie konkret für Soliday tun. Landammann Roland Brogli: «Ich unterstütze seit mehreren Jahren ein internationales, zwei nationale und zwei regionale Hilfswerke, zu denen ich eine persönliche Beziehung habe.

Für Soliday stelle ich als Landammann in der Cafeteria des Departements für Finanzen und Ressourcen morgen Montag, 30. November, ein Kässeli auf und lade die Mitarbeitenden zum Spenden ein. Den gespendeten Betrag werde ich verdoppeln.» Broglis Regierungskollegin, die Vorsteherin des Departements Gesundheit und Soziales, Susanne Hochuli, sagt: «Ich werde am Montag an der Gemeindeversammlung in Reitnau die Laudatio auf den abtretenden Gemeindeammann Werner Steiner halten. Aus diesem Anlass stellen wir ein Soliday-Kässeli auf, damit die Reitnauerinnen und Reitnauer ihren Dank für die Arbeit des Gemeindeammanns auf diesem Weg zum Ausdruck bringen können.»

Auch Ständerätin Christine Egerszegi begnügt sich nicht mit ihrer Funktion als Präsidentin des Soliday-Patronatskomitees Aargau: Am 13. Dezember findet im Kurtheater Baden ein Konzert des Siggenthaler Jugendorchesters statt (mit Beginn um 17.15 Uhr). Egerszegi wird für jedes einzelne für dieses Konzert verkaufte Schülerbillett vier Franken für Soliday spenden. Ein Grund mehr, hinzugehen.

Ein Ziel der Initianten ist, den Soliday auf die nationale Ebene zu heben. Nationalrat Philipp Müller versucht dies mit einer Interpellation zu erwirken, die er morgen Montag einreicht. Er verweist darin auf das Abrutschen vieler Menschen in die neue Armut. Und darauf, dass Kinder darunter besonders leiden, verschlechtert dies doch ihre Bildungs-, Ausbildungs- und Arbeitschancen. Er fragt den Bundesrat an, ob er einen nationalen Soliday-Tag als sichtbaren Ausdruck gemeinsamen Handelns als empfehlenswert sähe. Und ob der Bundesrat bereit sei, sich für einen solchen Solidaritätstag für durch die neue Armut benachteiligte Kinder in der Schweiz zu engagieren. Besonders hilfreich wäre so ein Aufruf gerade auch mit Blick auf 2010, das «Europäische Jahr zur Bekämpfung von Armut».

Soliday – wie spenden?

Soliday bietet Sammelwilligen Hilfe an. Etwa ein kostenlos zu beziehendes Soliday-Kässeli. Oder einen Soliday-Pin (Bild) für 5 Franken, den man verschenken oder weiterverkaufen (und den Ertrag spenden) kann. Zu bestellen unter: soliday@soliday-aargau.ch.

Kontoverbindung: Aargauische Kantonalbank, 5001 Aarau, zugunsten Soliday Stiftung Aargau,
Postcheckkonto 50-6-9

www.soliday-aargau.ch

Müller hat einen eigenen Weg gefunden, um ganz konkret der Entstehung neuer Armut entgegenzuwirken. Er besucht - wenn die Lehrer das wollen - Abschlussklassen von Realschulen. Dort zeigt er den Schülerinnen und Schülern jeweils, wie man beispielsweise bei einem Bewerbungsgespräch auftritt bzw. wie man besser nicht auftreten sollte, um die Chancen zu verbessern. Zusätzlich versucht er, so genannt «hoffnungslose» Fälle in Schnupperlehren zu vermitteln. Dabei erlebt er Hochs und Tiefs. Einmal gelang es ihm, einen jungen Mann «mit den schnellsten Töffli» im Dorf in eine Firma zu vermitteln, in der technische Begabung sehr gefragt war. Dem Chef sagte Müller: «Der kann es, man muss es nur aus ihm herausholen.» Laut Rückmeldung des Chefs sei daraus dann «der beste Stift geworden, den er je hatte».

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