Sandra Frischknecht, Corinne Rufli

Bisher war die Suche nach dem geeigneten Pflege- oder Altersheim ein mühevoller Prozess, denn eine Gesamtübersicht für die Region fehlte. Seit knapp drei Wochen soll nun alles schneller gehen.

Der Kanton Aargau bietet im Internet auf der Seite www.ag.ch/gesundheitsversorgung ein Instrument an, mit dem sich die Pflegeheim-Kosten vergleichen lassen. Der Grund: Das neue kantonale Pflegegesetz verpflichtet den Kanton dazu, für die Veröffentlichung der Tarife und Taxen von stationären Pflegeeinrichtungen zu sorgen.

Ungenaue Angaben über Taxen

Die aktuellen Daten für den Online-Vergleich müssen die Pflegeheime selbstständig im Internet eingeben. «Es geht in erster Linie darum, dass sich Interessierte einen Überblick über das Angebot im Kanton machen können», erklärt Balz Bruder, Mediensprecher des Departements für Gesundheit und Soziales des Kanton Aargau (DGS). Wer in einem bestimmten Einzugsgebiet einen Pflegeplatz suche, könne sich über das Wichtigste informieren.

«Dazu gehört auch der Vergleich der Taxen. Wobei zu berücksichtigen ist, dass die effektiven Kosten je nach individuellen Bedürfnissen stark variieren können.» Also alles ganz einfach? Nicht wirklich. Minimalpreis, Maximalpreis, Durchschnittspreis - der Benutzer des Internet-Vergleichs erfährt es nicht. Die Preise werden zwar in Rappen genau aufgelistet, aber was dahintersteckt, ist nicht ersichtlich.

Kostenübersicht ist gut

Das wird auch vom Leitungspersonal vieler Pflegeheime bemängelt. Jeanette Esslen, Pflegedienstleiterin im Regionalen Altersheim Döttingen, sagt: «Ich finde die Idee grundsätzlich gut. Auf einer einzigen Seite sind die wichtigsten Kriterien aufgeführt. Aber für eine realistische und detaillierte Kostenberechnung muss man mit dem Pflegeheim Rücksprache halten.»

Dieser Meinung ist auch Marc Pfirter, Direktor des Regionalen Pflegezentrums Baden: «Eine Übersicht über die Pflegheime zu haben, ist vom Grundsatz her begrüssenswert.» Er bemängelt aber die fehlenden Suchkriterien auf der Homepage und fragt sich, ob die bestehenden Kriterien überhaupt für die potenziellen Nutzniesser der Heime gedacht sind.

Denn: Die Pflegestufen seien sehr schwierig selber einzuschätzen, da es verschiedene Pflegemodelle gebe, sagt Pfirter. «Man muss Gleiches mit Gleichem vergleichen», sagt er. Es bringe nichts, die Heime über die Kosten zu vergleichen und die Suchmaschine setze den Fokus zu stark darauf. Wichtiger seien zum Beispiel Therapieangebote.

Laut DGS verrechnen einige Heime zusätzlich zu den Pflegekosten noch den Betreuungsaufwand. Andere weisen Pflege und Betreuung kombiniert unter Pflegekosten aus. Grundsätzlich sind den Leistungen Taxpunkte hinterlegt. Wobei diese von den Heimen individuell festgelegt werden können.

Hinzu kommt eine grosse Vielfalt bei der Trägerschaft von Altersheimen - privat, öffentlich, profit, non-profit . . . Brigitte Rauber vom Alterszentrum Brugg fände es gut, wenn die Pflegeheime ihre einzelnen Taxpunkte aufführen würden: «Dann wüsste man wirklich, wie viel ein Aufenthalt im Pflegeheim kosten wird.»

«Ich halte nicht viel davon»

Alfons Egloff, Verwaltungsdirektor des Alters- und Pflegeheims St.Bernhard in Wettingen sagt, dass er Mühe mit dieser Online-Suche habe: «Das könnte zu einem Pflegeheim-Tourismus führen, die Leute gingen dorthin, wo es am billigsten ist.» Wichtiger als die Heimkosten seien die Organisation des Heims und der Ort. Und am besten schaue man sich das Pflegeheim selber an, sagt er.

«Ich halte nicht viel davon», sagt auch Willi Keller, Leiter des Alterszentrums Mellingen-Wohlenschwil über den Online-Vergleich. «Ich sehe den Nutzen für den Kunden nicht, es ist eher verwirrend.» Man könne zwar die Preise anschauen, aussagekräftig seien sie aber nicht. Für die Wahl des Pflegeheims seien die Nähe zur Verwandtschaft und die Umgebung entscheidend.

Er bestätigt aber, dass die Kosten ebenfalls eine grosse Rolle spielen. Die Leistungsbezüger, die Krankenkassen und der Kanton Aargau sind die Kostenträger für einen Aufenthalt im Alters- oder Pflegeheim. Aktuell übernehmen vor allem die Leistungsbezüger und die Krankenkassen die Kosten. Die Krankenkassen leisten ausschliesslich an die Pflegekosten einen Beitrag.

Bei Personen, die ihren Aufenthalt nicht finanzieren können, beteiligt sich, laut Balz Bruder, der Kanton an den Kosten. Die Ergänzungsleistungen sind abhängig von Einkommen und Vermögen. Bei der Hilflosenentschädigung ist ausschliesslich der Grad der Hilfsbedürftigkeit massgebend. Grundsätzlich soll mit den in der Pflegeverordnung neu festgelegten Tagestaxen von 150 Franken im Rahmen der Ergänzungsleistungen keine Sozialhilfebedürftigkeit mehr möglich sein, so Bruder.

Wie wichtig sind denn nun die Kosten als Auswahlkriterium für ein Alters- oder Pflegeheim? Brigitte Rauber meint: «Unseren Patienten ist wichtig, dass sie in der gewohnten Umgebung bleiben können.»

Ebenfalls wichtige Kriterien seien die Aussicht auf ein Einzelzimmer, welche Aktivitäten angeboten werden, ob Physiotherapie verfügbar sei wie auch Tag- und Nachtpflege. «Den Leuten ist wichtig, dass sie nicht abgeschoben werden, wenn die Pflege intensiver wird oder sie im Sterben liegen», sagt Brigitte Rauber.

Falls Angehörige oder Pflegebedürftige doch eher aufs Portemonnaie statt auf Lage und Leistung des Pflegeheims achten müssen, bietet ihnen das neue Online-Instrument des Kantons zumindest eine gewisse Orientierung - damit das Instrument künftig zum zuverlässigen Hilfsmittel wird, muss aber noch kräftig an den Details gefeilt werden.