Pflege ist besser als ihr Ruf

Erfreulich: Die Mehrheit der Pflegefachleute ist mit dem Beruf und dem Arbeitsplatz zufrieden. (zvg)

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Erfreulich: Die Mehrheit der Pflegefachleute ist mit dem Beruf und dem Arbeitsplatz zufrieden. (zvg)

Eine Umfrage am Universitätsspital Basel zeigt erstaunliche Ergebnisse. Die Pflegefachleute sind mit ihrem Beruf zufriedener als erwartet – empfehlen ihn aber nicht unbedingt weiter.

Franz Osswald

«Pflegenotstand» - ein Begriff, der in regelmässigen Abständen in den Medien auftaucht, nicht immer zur Freude jener, die in den Spitälern und Kliniken Leitungsfunktionen einnehmen. Nicht, dass dies für Basel in gewissem Masse auch zutreffen würde, aber dass die Resultate der Mitarbeiterbefragung am Universitätsspital Basel bei allen, die direkt in der Pflege tätig sind (ausser OP und Spezialabteilungen), so gut ausfallen würde, hätten Projektleiterin Jacqueline Martin und die Co-Vorsteherin des Instituts für Pflegewissenschaften der Universität Basel und Leiterin der Klinischen Pflegewissenschaft am Universitätsspital Basel, Rebecca Spirig, nicht erwartet.

Die Befragung zur Arbeits- und Berufszufriedenheit sowie Pflegequalität, zur Pflege- und Führungskompetenz als auch zur Arbeitsumgebungsqualität fiel bei den 959 in Frage kommenden Personen auf fruchtbaren Boden. Der Rücklauf der Fragebogen war mit 70,8 Prozent (679 Personen und 27 Abteilungsleitungen) über Erwarten gross. Beim Bereich «Führungskompetenz» waren es sogar 91 Prozent. Dies mag unter anderem daran liegen, dass die Resultate bis auf Abteilungsleitungsebene als Führungsinstrument rückfliessen werden.

Immer noch Frauenberuf

Zu den Ergebnissen: Pflegeberufe sind immer noch Frauenberufe (81Prozent). Je höher die Funktion, desto geringer ist der Frauenanteil, in Stationsleitungsfunktion arbeiten aber immer noch 67 Prozent. Betrachtet man die Altersstruktur, tut sich ein erstes, ernsthaftes Problem kund: Bei den diplomierten Pflegenden sind 57 Prozent über vierzig Jahre alt, bei den Stationsleitungen alle ausser einer Person. Dies könnte in ein paar Jahren zu einer personellen Verknappung führen, und deshalb sollten bereits jetzt erste Massnahmen ergriffen werden. Einerseits zur Unterstützung von gesundheitserhaltenden Massnahmen älterer Mitarbeiterinnen und anderseits zur Steigerung der beruflichen Attraktivität. Schritte in diese Richtung sind die Einführung eines Berufslaufbahnmodells und die Schaffung guter Arbeitsbedingungen.

Ein Lichtblick dürfte hier sein, dass 83,7 Prozent der Befragten «eher zufrieden» bis «sehr zufrieden» mit Arbeitsort und ihrem Beruf ganz allgemein sind. Das Aber folgt indessen gleich auf dem Fuss: Nur 10,6 Prozent der Pflegefachpersonen würden ihren Beruf

ohne Einschränkungen weiter empfehlen. Die Pflegequalität auf den Abteilungen erhielt ebenfalls ermutigende Resultate. 70,6 Prozent der Pflegefachpersonen beurteilten sie als «gut» (63,3 %) bis «ausgezeichnet» (7,3 %).

Erstaunliche Antwort

Ein Ergebnis, das in einem Punkt erwartet werden durfte, betrifft die Pflegekompetenz. Je häufiger etwas alltagsrelevant ist, desto höher schätzen die Befragten ihre Kompetenz ein. Dazu gehören «unterstützende Aufgaben», Situationsmanagement» und «Beobachtungsaufgaben». Eher weniger kompetent fühlen sich die Pflegefachpersonen bei «Qualitätssicherung» sowie «Schulungs- und Anleitungsaufgaben». Letzteres erstaunt, denn bei stets kürzeren Aufenthaltszeiten in den Spitälern kommt der Anleitung von Patienten ein immer grösserer Stellenwert zu. Hier sollen zusätzliche Weiterbildungsangebote eine Verbesserung herbeiführen.

Bei der Arbeitsumgebungsqualität gab es ein ambivalentes Resultat. Die Angemessenheit der Ressourcen und die vorhandene Autonomie wurde am schlechtesten und die interprofessionelle Zusammenarbeit und Fachkompetenz am besten bewertet. Lediglich 9 Prozent empfanden, dass sie ausreichend Ressourcen zur Verfügung haben und genügend Autonomie besitzen.

Zufrieden mit Resultaten

Mit den Ergebnissen sind Rebecca Spirig und Jacqueline Martin zufrieden. Nun hoffen die beiden, dass aufgrund der Ergebnisse in den Abteilungen entsprechende Aktionen geplant und umgesetzt werden. Geplant ist die nächste Erhebung im 2012, bevor die Kosten nach «Diagnosebezogenen Fallgruppen» (DRG) erhoben werden, und nach deren Einführung.

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