Petri Heil nur unter Vorbehalt

Petri Heil nur unter Vorbehalt

Petri Heil nur unter Vorbehalt

Für den Normalbürger hat das Fischerfest kaum an Anziehungskraft verloren. Ihn interessieren nur die schmackhaften Zanderfilets. Sportlich hat das Fischerfest eine Attraktion verloren mit dem Verbot von Wettfischen durch das neue kantonale Fischereigesetz.

Kaspar Haupt

Immer am ersten Septemberwochenende zieht es viele Besucherinnen und Besucher an die Gestade der Aare ans Fischerfest. Kultstatus erhielt das Fest für die Gäste durch die frittierten Fischfilets. Für die Sportfischer stand jedoch das Wettfischen im Mittelpunkt, für sie ging es um die Krone eines Fischerkönigs. Auf der bewirtschafteten Enze des Fischereivereins Grenchen-Bettlach wurden die Plätze für die Wettkämpfer am Ufer ausgelost. Das Fischen vom Boot aus war untersagt. Und oftmals genügte ein grosser Fisch, um Fischerkönig zu werden, wenn die Fische keine Lust hatten zum Anbeissen. Gegen Mittag wurde dann die Fangbeute grammgenau ausgewogen und beurteilt.

Kantonsgesetz als Spielverderber

Doch das alles ist Geschichte, weil die Ausgabe der Fischereipatente Sache des Kantons ist und das kantonale Fischereigesetz Wettfischen mit Ranglisten verbietet. Dass man wegen dieser Reglung enttäuscht ist, ist die eine Sache. Die andere Sache ist der grosse Mitgliederschwund bei den Fischereivereinen. Bevor die neue Regelung in Kraft trat, musste man, um ein Fischereipatent zu erwerben, Mitglied eines Fischereivereines sein. Viele Mitglieder des Grenchner Fischereivereines, die das Berner Patent haben, müssen ein zusätzliches Tagespatent lösen, wenn sie mit Kollegen auf Solothurner Gewässer fischen wollen, wo die Aare nicht Kantonsgrenze ist.

Ebenfalls mit dem neuen Fischereigesetz wurden auch die Pachtverträge mit den Enzen aufgelöst. Thomas Baschung, der seit dem Frühjahr den Verein präsidiert, vergleicht die Fischer als heimatlosen Gesellen, gleich einem Sportverein, dem man den Spielplatz weggenommen hat. Laut Baschung macht allen Fischereivereinen der Mitgliederschwund zu schaffen, einige Vereine blicken sorgenvoll in die Zukunft. Der Mitgliederbestand sank von rund 600 Mitgliedern auf 200 Mitglieder, die aus Sympathie zum Verein den Mitgliederbeitrag bezahlen. An der letzten kantonalen DV lancierten die Grenchner einen Vorstoss, wobei Fischer, die nur das Patent lösen, einen Solidaritätsbeitrag zu leisten hätten für Gewässerschutz, Fischaufzucht, Uferreinigung, und Jugendförderung. Eine Eingabe, die bei den Fischern gut ankam und die man beim Kanton einbringen will.

Ehrenamtlichkeit sehr wichtig

Doch als sehr gut betrachtet Baschung im Vereinsgefüge den harten Kern von Idealisten, die sich trotz der Misere im Fischereiwesen noch mit der Fischaufzucht und deren Gewässer beschäftigten. Ohne die ehrenamtlichen Helfer gäbe es zum Beispiel längst keine Forellen mehr. Profit davon schöpfen nicht nur Mitglieder, sondern auch die, die heute nur vom Patent profitieren.

Bekanntlich betreibt der Fischereiverein sein Fischerhaus an den Gestaden der Aare. Die Durchführung des Fischerfestes wird daher angesichts schwindender Mitgliederzahlen zur Notwendigkeit. Das eingemietete Restaurant besitzt einen guten Ruf für Fischgerichte. Während des zweitägigen Fischerfestes führt der Verein Regie und bietet den Gästen die mundenden Zanderfilets an. Natürlich sind auch Grilladen erhältlich. Für das Fest sind wir gut gerüstet, erklärt Markus Bandi: «Das Küchenteam hat 400 Kilo Fisch filettiert, und diese wollen wir umsetzen.» Da auch Fischerpatron Petrus spätsommerliches Wetter beschert, war auch der Besuch entsprechend. Pausenlos war die Fritteuse bis spät am Abend in Betrieb. Vor allem sonntags pilgerten die Besucher scharenweise ans blaue Band der Aare, um dort die herrlichen Fischfilets zu geniessen.

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