Petition mit 432 430 Unterschriften für die Kavallerie

Historisch: Auftritt des Vereins «Berner Dragoner 1779». (zvg/www.bernerdragoner.ch)

Dragoner historisch

Historisch: Auftritt des Vereins «Berner Dragoner 1779». (zvg/www.bernerdragoner.ch)

1973 löste die Schweiz als letztes Land in Europa seine berittenen Verbände auf – die Dragoner wurden den Mechanisierten Truppen zugeteilt.

«Obwohl ihre Kavallerie später einen guten Ruf genoss, waren die Schweizer zu Beginn der Eidgenossenschaft kein Reitervolk. Im 15. Jahrhundert beruhte ihre militärische Stärke auf der Infanterie», hält das Historische Lexikon der Schweiz fest. Die eidgenössische Kavallerie spielte auf den Schlachtfeldern keine entscheidende Rolle. Sie erfüllte Aufgaben im Bereich der Aufklärung, des Flankenschutzes und der Verfolgung; sie praktizierte den so genannten Kleinkrieg. Im Kampf hielten sich die Reiter hinter der Infanterie bereit, um sich allenfalls auf die von den Fusssoldaten ins Wanken gebrachte gegnerische Kavallerie zu stürzen.

Im 18. Jahrhundert wurden die kantonalen Reitertruppen zur berittenen Infanterie: Als Dragoner kämpften sie zu Fuss mit dem Karabiner und nutzten ihre Pferde nur zur Verschiebung. Bis 1848 bezahlte jeder Soldat der berittenen Truppen sein Pferd und seine Ausrüstung selbst. Später erhielt er vom Kanton, ab 1874 dann von der Eidgenössischen Pferde-Regieanstalt in Thun ein Pferd zu einem ermässigten Preis.

Für den Unterhalt dieses so genannten «Eidgenossen» mussten die Kavalleristen selber aufkommen. Im Gegenzug durften sie das Pferd ausserhalb der Dienstzeit als Arbeitstier einsetzen. Die Rekrutierung der Schweizer Dragoner beruhte also auf Freiwilligkeit.

Abschaffung schon 1947 ein Thema

Im Ersten Weltkrieg zeigten sich die Probleme der Kavallerie: heftige Detonationen und der Einsatz von Kampfgas stellten den Einsatz von Pferden zunehmend infrage. 1947 sprach sich Generalstabschef Jakob Huber im Gegensatz zu General Henri Guisan für die militärisch sinnvolle, aber politisch heikle Abschaffung der Kavallerie aus. In der Folge kam die Frage der Abschaffung immer wieder zur Sprache, der definitive Entscheid fiel schliesslich 1972 im Parlament, obwohl sich 432 430 Bürger mit einer Petition dagegen wehrten.

Die Schweiz war zu diesem Zeitpunkt das letzte Land in Europa, das noch berittene Kampfeinheiten unterhielt. Die noch dienstpflichtigen Dragoner wurden in die Mechanisierten Truppen eingegliedert.

Seither wird die Dragoner-Tradition in der Schweiz in verschiedenen Vereinen gepflegt, die regelmässig Springkonkurrenzen, Ausritte oder Präsentationen in historischen Uniformen organisieren und durchführen. (fh)

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