Peter Siegrist

Mit Brief vom 10. August hat die Pelletwerk Mittelland AG in Schöftland ihren Aktionären die Aufgabe ihrer Geschäftstätigkeit verkündet. «Das Werk ist heute leider insolvent – ein gangbarer Weg konnte nicht gefunden werden.» Die Firma Erdgas Zürich AG habe zwar bis zum 23. Juni glaubhaft aufgezeigt, dass sie als neue Hauptaktionärin das Unternehmen in eine sichere Zukunft führen wolle», schreibt das Pelletwerk, dann aber die nötigen Verträge nicht abgeschlossen. Finanzielle und technische Probleme sowie ein fehlender Investor hätten den Verwaltungsrat bewogen, den Konkurs zu beantragen.

Die Sicht der Polymill

Die Schöftler Polymill, auf deren Gelände das Pelletwerk steht, ist mit 34 Prozent und einem Teil ihrer Liegenschaft am Werk beteiligt. In einem Papier, welches der AZ vorliegt, lässt die Polymill durchblicken, dass sie den schwarzen Peter zum Teil der Erdgas Zürich zuschiebt.

Bis kurz vor der geplatzten Vertragsunterzeichnung zur Übernahme des Pelletwerks durch die Erdgas Zürich seien beide Seiten überzeugt gewesen, den Sanierungsplan umsetzen zu können. Die Polymill ist der Meinung, es werde jetzt nicht nur ihr Firmenruf ruiniert (siehe Ausriss oben), sondern auch ein «Werk des Waldes kaputt gemacht.» Sie bestreitet den von den Zürchern geäusserten Vorwurf, laufend höhere Forderungen gestellt zu haben. Für sie ist klar: «Alle Forderungen der Erdgas Zürich für ein Investment wurden erfüllt.» Die Erdgas habe die Weiterführung des Werks versprochen und «wir hatten keinen Anlass, am gegebenen Wort zu zweifeln.»

Holzqualität war zu tief

Bisher wurden vom Pelletwerk vor allem technische Gründe für das Scheitern angegeben. Aber auch Fehleinschätzungen werden zugegeben. So war das gelieferte frische Waldholz viel feuchter als angenommen.

Der Grobzerhacker und die neue Trocknungsanlage brachten die geforderte Leistung nicht. Das Werk hat in seinem ersten Betriebsjahr seinen Businessplan bei weitem nicht einhalten können. Produktion und Verkauf von Pellets blieben unter den Erwartungen.

Die geforderte Qualität für Pellets war höher als angenommen. Dies hat zum Beispiel die Gemeinde Muhen dazu bewogen, ihre Beteiligung von 30000 Franken zurückzuziehen. «Das Pelletwerk hat nachträglich die Qualitätsanforderungen an das zu liefernde Holz geändert», schreibt der Gemeindeschreiber von Muhen.

«Wir wollten eigentlich helfen»

Peter Dietiker, Bereichsleiter Erneuerbare Energien der Erdgas Zürich, hat die Verhandlungen mit dem Pelletwerk geführt. Er kennt die Sicht der Polymill, weist aber den schwarzen Peter konsequent zurück. «Das Defizit entstand nicht mit uns», sagt er gegenüber der AZ. Zur Zeit der Anfrage durch das Pelletwerk sei die Situation schon defizitär gewesen. «Wir wollten helfen, sind aber gescheitert.» Ihre Abklärungen hätten gezeigt, dass das Werk bereits im Februar ein Sanierungsfall war und der Einschuss der veranschlagten 6 Mio. Franken nicht ausgereicht hätte.

Wichtig sei der Holzpreis. «Wir hätten besseres und damit teureres Holz einkaufen müssen, Zweit- und Drittqualität, wie ursprünglich vorgesehen, reicht nicht.» Trotz weiterer Zugeständnisse konnte im Businessplan kein positives Ergebnis ausgewiesen werden.

Für Dietiker ist klar: «Die Verantwortung liegt bei der Polymill.» Für die Erdgas Zürich gehe es jetzt darum, als Pellets-Lieferant die Kunden zu beliefern und die fixierten Preise einzuhalten.