Migrospuff

Parkierer legen eine ganze Strasse lahm

Gedränge: Stauen sich die Fahrzeuge bei der Einfahrt zum Migros-Parkplatz (links), kommt es auf der Freistrasse zu Rückstau. Kaspar Haupt

Gedränge

Gedränge: Stauen sich die Fahrzeuge bei der Einfahrt zum Migros-Parkplatz (links), kommt es auf der Freistrasse zu Rückstau. Kaspar Haupt

Staus gibt es in Grenchen praktisch nie. Dennoch erleidet die Freiestrasse regelmässig den Verkehrsinfarkt. Die Migros-Kunden lassen das Parkhaus links liegen, um vor dem Parkplatz Schlange zu stehen – mit oder ohne Hupkonzert.

Daniela Deck

«Ich habe einmal vorgeschlagen, dass der Migros für die Parkplätze draussen höhere Gebühren verlangen soll als für die drinnen. Aber darauf wollte niemand einsteigen.» Für den Kommandanten der Stadtpolizei, Robert Gerber, ist das Cumuluspunkte bedingte Verkehrspuff eher eine Quelle der Belustigung als ein Ärgernis. Denn die Freiestrasse ist keine Hauptverkehrsachse. Ortskundige können sie via Güterstrasse oder Storchengasse einfach umfahren.

Gewagte Überholmanöver

Das Problem ist nur, dass sie die Notwendigkeit dazu erst sehen, wenn sie schon im Wettstreit um die Parklücken eingeklemmt sind. Das gilt besonders für jene Fahrzeuglenkerinnen und -lenker, die von Westen kommen. Die Folgen sind entnervtes Hupen und gewagte Überholmanöver. Entsprechend neidisch sind die Blicke, mit denen Polizeiautos bedacht werden. Diese parkieren jeweils im Halteverbot bei der Warenanlieferung. «Nicht etwa zum Einkaufen», dementiert der Polizeikommandant Gerüchte. «Das geschieht nur, wenn wir wegen Ladendiebstahls gerufen werden.»

Ein Parkfeld unter freiem Himmel ist mehr wert als zehn gedeckte, sagen Gewerbler. Bekanntlich scheut ein Teil der Bevölkerung Parkhäuser wie der Teufel das Weihwasser. Dabei handelt es sich nicht nur um Klaustrophobiker (Leute, die sich in engen Räumen fürchten), weder bekennende noch verkappte. Denn anders als das Coop-Parkhaus, hat das MigrosParking Tageslicht. Es liegt oberirdisch. Eine echte Chance für Parkhausscheue, sollte man denken. Weit gefehlt.

Wie lässt sich sonst erklären, dass Migros in Grenchen alle paar Tage die Hilfe der Securitas in Anspruch nimmt? Deren Aufgabe besteht aber nicht etwa darin, die Automobilisten von draussen nach drinnen zu scheuchen, sondern vom ersten Stock aus nach oben. «Pure Faulheit», kommentieren Beobachter das Phänomen. Den Autofahrern, die wartenderweise das erste Parkdeck verstopfen, seien die Fussgängerrampen ein Dorn im Auge. Der Lift endet nämlich im ersten Stock. Das Resultat: Im zweiten und dritten Parkdeck gibt es jede Menge Platz.

Anwohner müssen damit leben

Anwohner sind beim Migros dünn gesät. Hauptsächlich betroffen sind zwei Liegenschaften. Gerda Visintini lebt im Haus mit dem schönen Tor gegenüber dem Parkplatz des Grossverteilers. Wenn jemand ihrer Familie tagsüber mit dem Auto aus der Ausfahrt kommt, müsse er sich richtig gehend vortasten, sagt sie. «Sonst wird man auf der Freiestrasse abgeschossen.» Lärm und Abgase seien hingegen das kleinere Übel. «Das Haus steht zum Glück zurückversetzt.» Ärgerlich sei es, wenn Autofahrer direkt vor der Einfahrt warten, während ihre Angehörigen einkaufen, findet Visintini.

Darüber ärgert sich auch ihr Nachbar Marc Kaiser. «Manchmal ist da schon ein Puff. Man hat einfach keine freie Fahrt, wenn man vom Haus weg will.» Die Fahrschule, die Kaiser betreibt, sei vom Parkplatzgschtürm des Grossverteilers nicht betroffen. «In der Fahrschule befahre ich die Freiestrasse nicht», sagt er. Verständlich. Dort könnten die Fahrschüler höchstens lernen, wie man sich im stehenden Verkehr nicht verhalten soll.

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