Monti
Papageien, Blech und Palmen

Zwischen Federbetten und Schneckenpfännchen lockt ein Bier spendender Riesenkaktus – Schnäppchenjäger haben im Döttinger «Monti» zurzeit die Qual der Wahl.

Merken
Drucken
Teilen
Papageien, Blech und Palmen

Papageien, Blech und Palmen

Rosmarie Mehlin

Beim Eingang ein Schild «Restaurant heute geschlossen» und auch potenzielle Hotelgäste klopfen derzeit beim «Monti» vergeblich an. Wem jedoch der Sinn nach einem Stapel Teller, einem Fernsehapparat oder einer Fritteuse steht, der ist im stolzen Haus beim Bahnhof Döttingen kurzzeitig an der richtigen Adresse. Nach knapp drei Jahren trennt sich Hausbesitzer Willi Monti von Suzanne Schaub, der Pächterin seines Hotels und Restaurants, weshalb sie ihre «Fahrhabe» gestern, heute und morgen wohlfeil bietet.

Der Weg zum Flohmarkt führt über den Seiteneingang. Drinnen herrscht Tristesse. Birgit Lovrenovic ist den Tränen nahe, denn sie hat als Serviceangestellte gerne hier gearbeitet. Jetzt amtet sie für drei Tage als Verkäuferin in einem Occasionen-Gemischwarenladen. Dass ihr Arbeitsort sich in seine Bestandteile auflöst, tut ihr weh.

Exklusive Bettflaschen

Tja, und was für Bestandteile! Welche Funktion im Gastbetrieb, die zum Verkauf stehenden blauen Skischuhe und die drei Paar Gummistiefel hatten, ist ein Geheimnis. Eher schon erklärlich ist das Angebot an Gummibettflaschen: Wer weiss, vielleicht hatte ja Tony Rominger mal seine Füsse an einer
von ihnen gewärmt, als die TdS Station im Zurzibiet machte. Im Hotel Bahnhof, kurz «Monti», hat schliesslich nicht selten ei-
ne Mannschaft übernachtet und das wird wohl auch in Zukunft so sein. Am Besitzer Willi Monti soll es jedenfalls nicht fehlen: «Da wir das Hotel so schnell wie möglich wieder öffnen wollen, werden meine Frau und ich es wohl vorübergehend wieder selber führen.» Es gebe, so der 68-Jährige weiter, bereits Interessenten auch für die Bar und das Restaurant, doch wolle er nichts überstürzen.

Langenthal oder Ikea

Auch die allermeisten Schnäppchenjägerinnen und -jäger, die pünktlich um 10 Uhr
zur Flohmarkteröffnung auf der Matte stehen, überstürzen nichts. Ausser dem Wirte-Paar aus dem mittleren Surbtal, das sich sehr gezielt mit Geschirr eindeckt. Diesbezüglich ist die Auswahl riesig: Ob Nostalgie mit Langenthal, zeitlos mit Villeroy & Boch oder «leben statt nur wohnen» mit Ikea – ganze Türme von Tellern und Berge von Tassen sind wohlfeil. Mengenmässig konkurrenziert wird das Porzellan nur durch Glas: Bierhumpen, Stangen, Milch-, Rivella-, Henniez-, Sekt-, Wein-, Coupegläser, so weit das Auge reicht.

Viel Platz nimmt ein Riesenkaktus aus Blech mit integrierten Zapfhähnen ein. Gestapelt warten hoffnungslos veraltete Stühle auf neue Benutzer. Auf langen Tischen und am Boden tun dies ein Humidor, zwei Tiefkühltruhen bekannter Glaceproduzenten, eine Filterkaffeemaschine, Fonduecaquelons und -rechauds, Lautsprecherboxen, Schachteln voller Plastiklöffeli, ein Dutzend Servietten mit Weihnachtsmotiven, Boccalini, ein Hiestand-Bretzelhalter aus Holz, Metzgerbleche aus Alu und aus Chromstahl, Fernsehapparate, ein einsamer Toaster, Flaschenkühler und gar so manches mehr oder weniger Brauchbare mehr, vieles davon schmuddelig und verbeult.

Fische und Papageien

Je länger der Morgen, desto bunter wird das Angebot. Helfer karren aus Keller und Estrich grosse Schachteln voller Dekomaterial herbei: farbenprächtige Papageien und schillernde Fische aus Styropor, Fasnachtslarven, Masken aus Gips – «echt brasilianisch», wie Suzanne Schaub betont –, Bananenstauden aus Gummi und Weihnachtsgirlanden aus Plastik. Kaum zu glauben, was ein Hotel und Restaurant so alles in sich birgt und hat.