Seit Wochen, vielleicht sogar seit Monaten warten Fussballfanatiker darauf. Gespannt, wer es dieses Mal ins Heft geschafft hat und wer nicht. Oder welche Mannschaft wohl als erste komplett wird. Wenn Kinderaugen beim Vorbeigehen an Kiosken glänzen und die Finger wund sind vom Bildlieinkleben, dann ist Panini-Zeit. Die Zeit, die endgültig das WM-Fieber einläutet, in der das Aufreissen eines Papier-Päcklis den Puls in die Höhe schiessen lässt.

Die Zeit die den scheinbar nicht enden wollenden Countdown bis zum Start der WM in Brasilien am 12. Juni etwas versüsst. Für Sammler der beliebten Bilder ist es die schönste Jahreszeit – abgesehen von der WM selbst. Ab heute grassiert das Sammelfieber.

In der Schweiz gibt es auch dieses Jahr wieder eine Sonderedition, die den Namen «Special Platinum Edition» trägt. Dominic Stöcklin von der Valora Holding AG verrät, was das Sonderheft ausmacht: «Neben den 640 Aufklebern im Heft kommt ein Poster mit 20 Superstar-Kickern hinzu. Ausserdem ist neben der Papier- auch die Druckqualität höher.»

Panini-Werbung

Wenn es wieder heisst «Hast du Ronaldo schon? Oder Shaqiri?», dann herrscht bei Valora Hochbetrieb. Die Firma mit Sitz in Muttenz ist Marktführerin im kleinflächigen Hochfrequenz-Einzelhandel und seit Jahren einer der grössten Nutzniesser vom Sammel-Wahn der Schweizer.

Selbst Fussballer wie FC-Basel-Captain Marco Streller sammeln die Bildchen. Damit hat er etwas erreicht, was er auf dem Platz nie erreichen konnte: Wir Schweizer sind Weltmeister! Nicht im Tore schiessen, aber im Bildlikleben.

An der letzten WM in Südafrika 2010 verkaufte Panini zirka 1 Milliarde der begehrten Konterfeis, 300 Millionen davon hierzulande. Die Sammelwut der Schweizer widerspiegelt sich in den Zahlen von Valora. 2010 erzielte die Firma in der Schweiz und in Österreich durch Sammelbilder einen Nettoerlös von 39,5 Millionen Franken.

Sicher, diese Zahl beinhaltet sämtliche Sammelbildchen, nicht nur die der WM-Kicker. Zweifellos machen Letztere aber den mit Abstand grössten Anteil aus. Der Betriebsgewinn beläuft sich auf 6,3 Millionen Franken.

Sammelfieber und Goldrausch

Panini und die Schweiz, das steht nicht nur für gutes Business, sondern für eine Liebesgeschichte. Dieses Jahr dürfte die Euphorie über die jüngsten Erfolge der Nati den Verkauf noch anheizen. Genau diese Begeisterung könnte für Valora Gold wert sein: «Wir glauben auch, dass die Euphorie durch die Teilnahme der Schweiz im Vergleich zur EM 2012 gestiegen ist», so Stöcklin.

Nicht vergessen darf man aber, dass im Oktober 2012 die Valora Austria AG verkauft wurde und somit der Gewinn aus dem östlichen Nachbarland wegfällt. «Die Schweiz ist verglichen mit anderen Ländern ein grosser Markt, das stimmt uns positiv», so Stöcklin.

Die spezielle Verbindung zwischen der Eidgenossenschaft und den Bildli-Herstellern existiert nicht ohne Grund: Die Schweiz war der erste Auslandsmarkt überhaupt von Panini. Angefangen hat alles in der italienischen Stadt Modena. Die Brüder Panini eröffneten 1945 am Corso Duomo einen Zeitungskiosk.

Um das schleppende Geschäft anzukurbeln, bedruckten sie 1961 kleine Bildchen mit den Konterfeis von berühmten Kickern, damals nur aus der Serie A. 1970 war es dann so weit: Der Startschuss zur bis heute andauernden Erfolgsstory fiel mit der ersten Sonderserie für die WM 1970 in Mexico.

Noch heute ist der Konzern in Modena ansässig und produziert einen Grossteil der Bilder auch dort. Die Sammel-Väter Benito, Giuseppe und Franco Cosimo sind schon lange tot, der Vierte im Bunde, Umberto Panini, erlag Ende vergangenen Jahres einer langen Krankheit. Dank des Erfolgs des Konzerns werden aber auch in Zukunft Sammelliebhaber noch fragen können: «Tauscht Du einen Ronaldo gegen fünf Stockers?»