Pädophiler in Kaiseraugst ging gezielt vor

Der Mann suchte vor allem Kontakt zu jungen Burschen, Behörden handelten, als das bekannt wurde.

Drucken
Teilen
block.jpg

block.jpg

Aargauer Zeitung

Toni Widmer

Die verantwortlichen Behörden im Fricktal haben dem Treiben des pädophilen Mannes, der diese Woche für Schlagzeilen aus Kaiseraugst gesorgt hat, keineswegs untätig zugesehen. Das hat der Rheinfelder Untersuchungsrichter Peter Schmid der MZ gegenüber bestätigt.

Offenbar hat der wegen sexuellen Handlungen mit Minderjährigen vorbestrafte G. tatsächlich verschiedentlich Jugendliche in seine Wohnung im Liebrüti-Quartier eingeladen. Das aber nicht so offensiv, wie in Medienberichten behauptet worden ist. G. hat offenbar Kinder nicht auf dem Schulhausplatz oder sonst wo öffentlich angesprochen.

Laut Peter Schmid suchte er vielmehr gezielt und im Geheimen Kontakt zu jungen Burschen im Quartier, die meisten davon knapp unter oder knapp über 16 Jahre alt. Mit diesen kam es dann in der Wohnung von G. zu sexuellen Handlungen. Zum Teil hat er ihnen auch verbotenes pornografisches Material gezeigt. Offenbar hat es sich unter gewissen Jugendlichen herumgesprochen, dass G. für «spezielle Leistungen» bezahlte und so dürfte ihm die Kontaktsuche mit der Zeit einfacher gefallen sein.

Rund ein Dutzend Opfer

Nach dem bisherigen Stand der Ermittlungen haben nicht Dutzende von Jugendlichen bei G. verkehrt, wie in Medienberichten behauptet worden ist: «Wir gehen aufgrund der vorliegenden Fakten von rund einem Dutzend Opfer aus», erklärte Untersuchungsrichter Peter Schmid.

Über welchen Zeitraum G. seine pädophilen Neigungen auf die geschilderte Art auslebte, ist nicht bekannt. Die Justizbehörden bekamen erst vor wenigen Monaten Wind davon und begannen umgehend mit den Ermittlungen: «Es gab Hinweise aus dem Quartier und denen sind wir sofort nachgegangen», sagt Schmid. Man habe aufgrund dieser Hinweise G. nicht einfach sofort verhaften können, sondern vorerst nach erhärteten Fakten suchen müssen.

«Eine Hausdurchsuchung ist eine Zwangsmassnahme und diese setzt einen dringenden Tatverdacht voraus. Dieser dringende Tatverdacht war nach der konkreten Aussage eines der Opfer gegeben und so konnten wir am Montag handeln», erklärte der Untersuchungsrichter das Vorgehen.

Obwohl G. während der Durchsuchung seiner Wohnung unter Beobachtung stand, konnte er offenbar in einer Blitzaktion vom Couch aufstehen, das Fenster zum Balkon öffnen und sich von dort in den Tod stürzen.

Die Ermittlungen laufen weiter. Es wird das gesicherte, offenbar teilweise kinderpornografische Material Wohnung gesichtet und abgeklärt, ob Drittpersonen in die Vergehen von G. involviert waren.