Er versteht die Welt nicht mehr, der Hausbesitzer Torsten Mädel in Herznach: «Vom Kanton erhielt ich eine Broschüre mit dem Hinweis auf doppelte Fördermittel und der Aufforderung, ein Projekt mit Solarzellen zu verwirklichen», betont er. Weil Swissgrid nur noch dieses Jahr die Einspeisung voll vergütet, ging Mädel rasch ans Werk - und sah keinerlei Probleme: «Mein Haus liegt am Rand der Kernzone, das Dach sieht man von keiner Seite, meine direkten Nachbarn haben nichts dagegen und alle haben den Bauantrag unterstützt», argumentiert der Bauherr. Er hat sein Haus im letzten Jahr gekauft und empfindet den 22 Jahre alten Bau nicht als besonders schützenswert. Dank vereinfachtem Verfahren ohne Publikation rechnete Mädel mit einer raschen Bewilligung. Die sieben Module mit 10 Quadratmeter Fläche sollten nur einen Teil des Daches beanspruchen.

Ablehnung durch Gemeinderat
Die eigene Erzeugung des Stromes bleibt für Torsten Mädel ein Traum, denn der Gemeindrat Herznach hat das Gesuch rundweg abgelehnt. Begründung, gestützt auf den Kanton: «Photovoltaikanlagen sind in Dorfkern- und Altstadtzonen nicht bewilligungsfähig, weil sie im Gegensatz zur Warmwassererzeugung oder Heizungsunterstützung nicht gebäudegebunden sind.» Zwar sei das Haus tatsächlich am Rande der Dorfzone, aber halt doch noch in dieser enthalten, betont der Herznacher Gemeindeammann Adrian Weber. «Der Schutz geht bis zur Grenze, wir können keine Rücksicht auf spezielle Wünsche nehmen», sagt er. Je nach Standort könne man das Dach schon sehen, im Winter besser als im Sommer. Und der Kanton sei erst daran, neue Richtlinien auszuarbeiten.

Denkmalpflege ist dagegen
Für eine strenge Haltung gegenüber solchen Photovoltaikanlagen plädiert der oberste Hüter schöner Ortsbilder, der kantonale Denkmalpfleger Markus Sigrist. Grundsätzlich gehe die Ortsbildpflege zwar vom Gemeinderat aus, der sich aber an die kantonalen Vorgaben und Schutzobjekte halten müsse. «Die Kirchgruppe in Herznach hat eine sehr hohe Bedeutung», betont Sigrist zum konkreten Fall im Fricktal. Die Promotoren des Solarstroms witterten ein Geschäft und wollten ihre Ziele auf möglichst einfache Art verwirklichen. Auch die ziegelartigen Produkte hätten einen blauvioletten Farbton und oftmals eine störende Metalleinfassung.
Auf den kleinen Dächern der älteren Dorfkerne «sind solche Solaranlagen ziemlich unvernünftig», sagt der Denkmalpfleger.

Als alternative Standorte schlägt er die viel grösseren Dächer von Turnhallen, Gewerbebauten oder von Bauernhöfen vor. Damit verbessere sich die Wirtschaftlichkeit der neuen Energien deutlich, die in den ineffizienten Kleinanlagen oft nicht gegeben sei. Eine Ausnahme macht Sigrist: «Wenn jemand die Anlagen im Garten aufstellt, wird das Ortsbild nicht gestört - aber man muss es situativ anschauen.»

Grüsse aus dem Schwarzwald
Die Reaktionen mit alternativen Energien zeigen dem Denkmalpfleger, «dass es viele unsensible Leute gibt». Oftmals wollten die Freunde des eigenen Sonnenstroms ihre Solarzellen bewusst gut sichtbar montieren, um der Welt zu zeigen, wie fortschrittlich und umweltverbunden sie sind.
«Schlechte Beispiele können erhebliche Schäden am Landschaftsbild anrichten», meint Sigrist und denkt dabei an Süddeutschland, das in dieser Beziehung einen schlechten Ruf hat. «Es wäre ein Jammer, die gleichen Fehler bei uns auch zu machen», meint der oberste Schützer der Ortsbilder.