Orkan als Versuchslabor

Im Habsburgerwald entstanden während des Orkans «Lothar» ungeheure Schäden. Die Fläche wurde jedoch zum Forschungsobjekt umgenutzt.

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Orkan als Versuchslabor

Orkan als Versuchslabor

Peter Belart

Am 26. Dezember 1999 entstanden im Habsburgerwald ungeheure Schäden. Der Orkan «Lothar» fällte innert kürzester Zeit auf einer Fläche von 64 ha Staatswald praktisch jeden Baum. Dies entspricht der Schlagmenge von ungefähr 15 Jahren! Was zunächst als ungeheurer Schaden wahrgenommen wurde, sollte in der Folge zum Forschungs- und Demonstrationsobjekt werden. In dieser Absicht schied der Kanton ein Areal von 30 ha aus. Hier wird während 30 Jahren der Natur freie Hand gelassen. Forstwirtschaftliche Eingriffe sind nicht vorgesehen. Förster Paul Brogli erklärt: «Solange keine sicherheitsrelevanten Situationen auftreten, überlassen wir dieses Waldstück sich selbst.»

Aus «Lothar» lernen

An verschiedenen Orten des ausgeschiedenen Gebiets stehen Informationstafeln, denen zu entnehmen ist, dass die Versuchsfläche von der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft betreut wird. Es handelt sich um eine von sechs vergleichbaren Forschungsflächen; die anderen befinden sich in Sarmenstorf, Messen, Walkringen, Müntschemier/Brüttelen und Châtel-St. Denis. Bisher fehlten weitgehend Informationen darüber, wie sich liegen gelassenes Holz auf die zukünftige Bewirtschaftung des Waldes auswirkt. Auch wusste man noch nicht, welche Konsequenzen solche Voraussetzungen für den weiteren Aufbau des Waldes haben. Im Schweizer Mittelland wurde Holz als wertvoller Rohstoff immer genutzt, und so bot «Lothar» die Chance, zu bis anhin unbekannten Erkenntnissen zu kommen. Man verspricht sich vertiefte Einsichten zur Waldentwicklung und Waldpflege, aber auch zur Durchsetzungskraft einzelner Tier- und Pflanzenarten. Im Moment spriessen Farne und Brombeeren, und dem Schwarzwild scheint es im dichten Unterholz gut zu gefallen...