Ordnungshüter hoch zu Ross

In den nächsten Wochen patrouillieren Berner Kantonspolizisten mit Pferden in der Innenstadt. Der Reiterzug hat Tradition.

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Solothurner Zeitung

Johannes Reichen

Pferde geniessen bei manchen Menschen einen besonderen Stellenwert - bei schnellen Reitern, ehrgeizigen Züchtern oder kleinen Mädchen beispielsweise. Eher unbekannt ist, dass die Tiere auch auf reuige Sünder

eine Wirkung haben können. «Als ich einmal einem Mann eine Busse austeilen musste», sagt Polizistin Monika Angeli, «hat er mir gedankt.» Wäre sie im Streifenwagen oder zu Fuss unterwegs gewesen, es wäre ihr wohl kaum passiert.

Angeli ist eine von elf Berner Kantonspolizisten, die regelmässig hoch zu Ross im Einsatz stehen - in den nächsten zwei Monaten auch in der Berner Innenstadt. Bis 30. September ist da an manchen Tagen eine Zweierpatrouille unterwegs. Gestern stellte Angeli zusammen mit ihrem Kollegen Remo Jaggi im Rosengarten und vor den Medien die Arbeit der Reiterpatrouille vor. Nebst den beiden Polizisten und dem nebenamtlichen Chef des Reiterzugs, Bruno Wüthrich, waren auch die beiden Pferde Irco und Kayus anwesend.

Ungewöhnlich, aber vielseitig

Pferde seien zwar ein eher «ungewöhnliches Einsatzmittel», aber sie könnten sehr vielseitig eingesetzt werden, sagt Wüthrich, der hauptamtlich Leiter der Polizei Bern West ist. «Der Vorteil liegt in der stattlichen Erscheinung.» Je nach Grösse von Pferd und Reiter können Polizistenaugen aus rund 2,7 Metern Höhe herunterblicken. Bei der Bevölkerung sorgten Pferde darum für ein grosses «subjektives Sicherheitsgefühl».

Zwar seien die Polizeireiter auch eine Touristenattraktion, so Wüthrich. Dies sei aber nur ein positiver Nebenaspekt. Bestens geeignet seien Pferde etwa für die Vermisstensuche, für normale Patrouillentätigkeit oder für Repräsentationsaufgaben wie während des Neujahrsempfangs. Und auch bei Grossveranstaltungen wie Fussball- oder Eishockeyspielen oder der Ausstellung BEA erweisen sich Pferde als überaus taugliches Mittel: für die Personenlenkung oder Parkplatzüberwachung.

Erfolgreich auf Verfolgungsjagd

«Während Fussballspielen ist es immer wieder zu Autoeinbrüchen gekommen», erzählt Wüthrich. Seit die Polizisten jedoch mit den Pferden patrouillieren, sei dies nicht mehr vorgekommen. «Auf dem Pferd sieht man problemlos über die Autos hinweg.» Hinzu komme, dass ein Reiterzug mehrere Fusspatrouillen ersetze. Pferde könnten allerdings auch repressiv eingesetzt werden: So habe sich der Reiterzug auch schon mal bei einer Verfolgungsjagd über die Allmend als nützlich erwiesen.

Um Ausschreitungen bei Sportveranstaltungen zu vereiteln, sind die Rosse allerdings nicht geeignet. «Wir haben keinen Schutz für die Pferde, ausserdem würden sie zurückschrecken.»

Pferde werden gemietet

Seit 95 Jahren betreibt die Berner Kantonspolizei eine Reiterpatrouille. Erstmals wurden Pferde an der Landesausstellung in Bern 1914 eingesetzt. Heute kann die Polizei auf 20 Pferde des Nationalen Pferdezentrums Bern (NPZ) zurückgreifen. Die Kapo verfügt lediglich über Sattel- und Zaumzeug sowie die persönliche Ausrüstung. Für die Pferde, die Reithallen und das Gelände des NPZ zahlt die Polizei eine Miete. «Diese Lösung ist ideal und kommt uns sehr günstig zu stehen», sagt Wüthrich.

Voraussetzung für Polizeireiter, die alle der Regionalpolizei Bern angehören, ist das Brevet des Schweizerischen Verbands für Pferdesport. Dazu kommt

eine polizeiinterne Ausbildung, und einmal in der Woche gibt es ein Reittraining - bei dem auch die Pferde für die für sie ungewöhnlichen Einsätze ein bisschen geschult werden.

«Viele Polizisten trainieren auch in der Freizeit», sagt Bruno Wüthrich. Auch Monika Angeli gehört zu ihnen. Sie strahlt, wenn sie über ihre Einsätze bei der Reiterpatrouille spricht. Übers Jahr hindurch leistet sie zahlreiche Einsätze im Reiterzug. «Pferde sind mein Hobby», sagt sie, die Beruf und Hobby im Reiterzug verbinden kann. Und der kommt bei der Bevölkerung an - die Erfahrung beim Bussen- verteilen beweist es. «Auf dem Pferd werden wir sehr positiv aufgenommen.»