Operationssaal wird geschlossen

Auslaufmodell: Beim nächsten Besuchstag wird der Operationssaal nur noch Museumscharakter haben. (mt / archiv)

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Auslaufmodell: Beim nächsten Besuchstag wird der Operationssaal nur noch Museumscharakter haben. (mt / archiv)

Das Ende des Akutspitals in Grenchen kommt schneller als erwartet. Ende Januar 2010 wird der Operationssaal still gelegt. Dies, weil der Handchirurg, der als letzter hier operiert, gekündigt hat. Bei der Stadt treibt man derweil die Pläne für eine Teilprivatisierung voran.

Daniela Deck

So weit es die Solothurner Spitäler AG soH betrifft, hat der Standort Grenchen als Akutspital ausgedient. So nimmt die soH die Kündigung des Chirurgen Ulrich Abbühl per Ende Januar zum Anlass, um im Spital Grenchen den Operationssaal zu schliessen. «Wir werden die Handchirurgie wieder besetzen. Aber wir sind daran abzuklären, ob der neue Stelleninhaber oder die Stelleninhaberin nur noch in Solothurn operieren soll», sagt Direktionspräsident Kurt Altermatt. Er wirbt um Verständnis für den Spardruck: «Es ist wahnsinnig teuer, einen Operationssaal zu betreiben. Es braucht dazu ein Anästhesieteam und eine aufwändige Belüftung sowie Reinigung.» Das Aus für den Operationssaal kommt aber auch für Altermatt früher als erwartet. «Die Kündigungsfrist des Arztes beträgt nur drei Monate. Auch für uns ist diese Situation relativ neu.»

Zahl der Betten soll gleich bleiben

Das Spital Grenchen bietet sich aus Sicht der soH für den Abbau an, weil es dort seit dem letzten Jahr keine stationären, chirurgischen Patienten mehr gibt. Die Patienten, die der Handchirurg noch hier operiert, verlassen das Spital am selben Tag. Komplexe Fälle, die einen Aufenthalt im Spital benötigen, kommen schon jetzt im Bürgerspital Solothurn unters Messer. Denn der Handchirurg war an beiden Orten tätig, wie Kurt Altermatt ausführt.

Keine Veränderung gibt es nach seinen Aussagen bei der Anzahl Betten in Grenchen - rund 60 - sowie beim Standbein Medizin. «Wir werden in Grenchen weiterhin die akute medizinische Betreuung gewährleisten. Auch bei den Sprechstunden bleibt alles beim Alten.»

Auf der Homepage von soH wird zwar noch ein Grenchner Belegarzt geführt. Doch dieser hat im Spital Grenchen seit dem letzten Jahr keine Operation mehr gemacht, wie die Nachfrage in seiner Praxis ergibt. Offiziell habe sich der Belegarzt nicht zurückgezogen, sagt Altermatt. «Das hat sich wohl einfach so ergeben.»

Bedingungen für eine Privatisierung

Bei der Stadt fällt die Reaktion auf den Abbau beim Spital Grenchen verhalten aus. Stadtpräsident Boris Banga findet diese Entwicklung «natürlich traurig». Er sei vor mehr als einer Woche von soH informiert worden. «Ich habe schon bei der Geburtenabteilung gesagt, das ist der Anfang vom Ende.»

Der Stadtpräsident blickt in die Zukunft, und da sieht er «Licht am Ende des Tunnels». Der Grund: «Die Pläne für eine Teilprivatisierung des Spitals konkretisieren sich.» Der Kanton habe die Zustimmung zu diesem Projekt an drei Bedingungen geknüpft. Erstens: soH muss einverstanden sein. Zweitens: Das neue Angebot darf ein bestehendes im Kanton nicht direkt konkurrenzieren. Drittens: Wenn möglich soll diese Klinik nicht auf der Spitalliste geführt werden.

Weder Altersheim noch Geburtshaus

Banga: «Für die erste Bedingung habe ich die Zusicherung von Kurt Altermatt praktisch erhalten. An den übrigen Bedingungen arbeiten wir noch. Die Wirtschaftsförderung ist da dran.» Angesichts des steigenden Bedarfs an Altersheimbetten, stellt sich die Frage, ob die Zukunft des Spitals in diesem Bereich liegt. Banga verneint. «Uns schwebt eine Spezialität vor.» Worin diese besteht, will er nicht sagen. Aber: «Es ist sicher nicht Fettabsaugen und Schönheitschirurgie im herkömmlichen Sinn.»

Offenbar soll im Spital auch kein Geburtshaus entstehen. Dafür setzt sich alt Kantonsrätin Barbara Banga seit geraumer Zeit ein. «Diese Pläne liegen momentan auf Eis», erklärt sie auf Anfrage. Mit dem Spital Grenchen habe diese Idee nichts zu tun. Ausserdem sei es für das Geburtshaus dringend nötig, auf die Spitalliste zu kommen.

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