Oltingen
Oltingen gräbt Pfarrgarten aus

Als Vorlage dienen Zeichnungen von Emanuel Büchel und dem Landvermesser G.F. Meyer.

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bz Basellandschaftliche Zeitung

Otto Graf

Der Garten ist die Visitenkarte des Hauses, sagt man. Ist das «Haus» eine harmonische Einheit von Kirche und Pfarrhaus, wie das in Oltingen der Fall ist, so kommt dem Garten eine ganz besondere Bedeutung zu.

Noch präsentiert sich das Areal neben dem Pfarrhaus als simple Matte. Doch das wird sich in den kommenden Wochen gründlich ändern. Vor einigen Jahren stiess das Autorenteam der Oltinger Heimatkunde bei ihren Recherchen für die Dorfchronik auf eine Zeichnung von Emanuel Büchel, welche den Garten südwestlich des Pfarrhauses zeigt, wie er im 18. Jahrhundert ausgesehen haben mag. Auch der Landvermesser G.F. Meyer hielt den Garten gegen Ende des 17. Jahrhunderts zeichnerisch fest.

Wo der Herr Pfarrer einst Forellen fischte, Obstbäume pflanzte, Rüben und Kartoffeln anbaute, machte sich mit der Zeit eine ganz gewöhnliche Wiese breit mit einigen Obstbäumen darauf. Mit dem Auffinden der Büchel-Darstellung wurde bald die Vision geboren, den historischen Pfarrgarten zu rekonstruieren. Die Idee fiel bei der reformierten Kirchgemeinde Oltingen-Wenslingen-Anwil und bei der Einwohnergemeinde Oltingen auf fruchtbaren Boden, ebenso beim Verein Erlebnisraum Tafeljura und bei der kantonalen Denkmalpflege.

Reste der Trennmauer gefunden

Beim Röntgen des rund zehn Aren umfassenden Terrains kamen knapp einen Meter unter der Oberfläche tatsächlich die von Büchel festgehaltenen Reste der Trennmauer, die den Garten nutzungsbedingt in zwei Hälften trennte, zum Vorschein. 1826, beim Bau des ersten Schulhauses, wo sich heute der Dorfladen befindet, habe man das Aushubmaterial kurzerhand auf die andere Strassenseite in den Pfarrgarten gekippt, sagte Jürg Gysin, Präsident der Baukommission. Das erklärt auch die Terrainveränderung. Das Projekt sieht vor, den bis jetzt recht profanen Garten in das Gesamtbild von Kirche und Pfarrhaus zu integrieren. «Unsere Philosophie ist es, die Anlage Pfarrgarten aus seinem Dornröschenschlaf zu erwecken», bekräftigte Gysin. Die Baukosten belaufen sich auf rund 360 000 Franken.

Die Finanzierung ist gesichert. Der Kanton beteiligt sich mit 150 000 Franken, der Bund mit 50 000 Franken und die Stiftung Pro Patria mit 45 000 Franken an den Baukosten. Einen Beitrag von 50 000 Franken hat der «Fonds Landschaft Schweiz» in Aussicht gestellt, nachdem sich Vertreter dieses Fonds im vergangenen Herbst vor Ort persönlich vom Sinn des Vorhabens überzeugen liessen. Die Grundeigentümerin, die Stiftung Kirchengut, leistet den gesetzlichen Beitrag von 50 Prozent an die als Unterhalt ausgeschiedenen Kosten.

Schliesslich beteiligen sich auch die Einwohnergemeinden Oltingen, Wenslingen und Anwil finanziell. Der Unterhalt des Gartens geht zulasten der Trägerschaft, die aus der Kirchgemeinde sowie der Einwohnergemeinde Oltingen besteht. Die Bauarbeiten beginnen offiziell am nächsten Montag und werden von der Arbeitsgemeinschaft Samuel Buess, Gartenbau, und Hans Grieder AG, Tiefbau, ausgeführt. Mit von der Partie ist auch das Amt für Archäologie. Dessen Mitarbeitende erhoffen sich dabei den einen oder anderen Fund aus grauer Vorzeit.

Für Öffentlichkeit zugänglich

Auf die Rekonstruktion des Fischweihers wird aus finanziellen Gründen verzichtet. Hingegen sollen drei Gartenhäuschen - heute würde man sie als Pavillons bezeichnen - nach den historischen Vorlagen und in alter Zimmermannskunst durch die Firma PM Mangold Holzbau AG, Ormalingen, nachgebildet werden. Ende Oktober dürften die Bauarbeiten abgeschlossen sein. Neu ist der Oltinger Pfarrgarten mit klassischer Einteilung mit Beeten, die von der Alpenjohannisbeere eingefasst sind, öffentlich und frei zugänglich.

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