Ölpest
Ölpest wird Versicherungsbranche bis zu 3 Milliarden kosten

Das Öl aus dem offenen Bohrloch zieht nicht nur im Golf von Mexiko seine Kreise. Die involvierten Firmen sehen sich mit Schadenforderungen von 1,5 bis 3 Milliarden Dollar und Klagen konfrontiert.

Drucken
Teilen
Stahlkuppel auf Schiff

Stahlkuppel auf Schiff

Irina Kisseloff

Die Ölpest im Golf von Mexiko wird die Versicherungsbranche 1,5 bis 3 Milliarden Dollar kosten. Diese Schätzung wagte am Donnerstag der Rückversicherer Swiss Re anlässlich der Veröffentlichung der Quartalszahlen.

Zum Vergleich: Die Schadensumme des Erdbebens in Chile im Februar beläuft sich für die Branche auf 6 bis 8 Milliarden Dollar; für die Verwüstungen des Wintersturms Xynthia in Europa sind es 1 bis 2 Milliarden Euro. «Die Explosion der Ölplattform Deepwater Horizon und die Umweltkatastrophe im Golf von Mexiko sind also ein relativ grosser Schaden für die Versicherungswirtschaft», sagt Stefan Schürmann, Analyst bei der Bank Vontobel. Die Schätzung von Swiss Re zeige aber auch die Unsicherheit darüber, was auf die Versicherer zukommen wird: «1,5 bis 3 Milliarden sind eine riesige Bandbreite.»

Swiss Re selbst rechnet im Zusammenhang mit der Explosion der Bohrinsel mit Kosten von 200 Millionen Dollar. Der Versicherer Zurich Financial Services schätzt den Schaden, für den er aufkommen muss, auf 20 Millionen Dollar. An die in Zug ansässige Firma Transocean, die Betreiberin der Ölplattform, haben die Versicherungen bereits 401 Millionen Dollar für den Verlust der Plattform bezahlt. «Ein Teil dieser Zahlungen stammt wohl auch von Swiss Re», sagt Vontobel-Analyst Schürmann.

Klagen gegen Transocean

Darüber hinaus hat das auf Tiefseebohrungen spezialisierte Unternehmen Transocean eine Versicherungsdeckung von 1 Milliarde Dollar. Ob damit die übrigen Schäden gedeckt werden können, ist noch offen. Bereits ist in den USA eine Vielzahl von Klagen gegen Transocean eingegangen. «Diese stammen von Gruppierungen aus den für die Region wichtigen Industriezweigen Fischerei und Tourismus», sagt Martin Schreiber, Analyst der Zürcher Kantonalbank. Ob diese Klagen Erfolg haben werden, ist schwer abzuschätzen.

Die Ermittlungen in den nächsten Monaten müssen zeigen, bei wem die Verantwortung für das Desaster liegt. Der Ölkonzern BP, der die Bohrinsel von Transocean geleast hatte, versucht zunehmend nicht als einziger Sündenbock dazustehen: «Es geht hier um Ausrüstung, die Transocean gehört und von Transocean betrieben wird», sagte BP-Chef Tony Hayward in einem BBC-Interview.

Der Ölbohrspezialist Transocean geht davon aus, dass sich das Ereignis substanziell auf das Jahresergebnis auswirken wird. Zudem könnten höhere Versicherungsprämien und strengere Gesetze den künftigen Geschäftsgang negativ beeinflussen. An der Schweizer Börse verlor die Aktie von Transocean am Donnerstag erneut an Wert, nachdem zusätzlich Umsatz und Gewinn des Konzerns im ersten Quartal unter den Vorjahreswerten lagen.

Derweil ist am Unglücksort im Golf von Mexiko die riesige Stahlkuppel eingetroffen, die eines der Öllecks in einer Tiefe von 1500 Metern abdecken soll. Es dürften aber noch mehrere Tage vergehen, bis die Kuppel richtig positioniert ist - wenn das Vorhaben überhaupt gelingt. Vorerst strömen weiterhin Millionen von Litern Öl ins Meer.