Ohne zu strampeln wären die Leute erstickt

Im Stadttheater gibt es auch Räume, die nicht unmittelbar mit dem Theaterbetrieb zu tun haben, wie der Übungssaal oder der Zivilschutzkeller. In beiden Räumen steht aber, wie im ganzen Gebäude, die Kultur im Mittelpunkt.

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Solothurner Zeitung

Quentin Schlapbach

Als in Langenthal Anfang des 20. Jahrhunderts über den Bau des Stadttheaters debattiert wurde, stand eine Frage ganz besonders in Zentrum, nämlich ob ein Übungssaal eingebaut werden soll oder eben nicht. Das Hauptproblem waren die Mehrkosten, die durch diesen Zusatzraum verursacht würden. Wie heute bekannt ist, entschied man sich beim Bau für die teurere Variante. Diese fiel mit Gesamtkosten von 420 000 Franken für das gesamte Gebäude aus heutiger Sicht trotzdem recht günstig aus - wenn man bedenkt, was heutzutage ein Bau dieser Grössenordnung kosten würde.

Das Hauptanliegen, einen solchen Übungsraum im Theater einzugliedern, kam vom Männerchor Langenthal, der damals nach einer geeigneten Übungsstätte suchte.

Sitzungen, Proben, Kleinkunst

Auch heute, beinahe hundert Jahre später, kommt der Übungssaal noch im Glanze der alten Tage daher. Denn der wunderschöne Kontrast zwischen dem naturhölzernen Parkettboden und der schneeweissen Decke strahlt immer noch etwas Besonderes aus.

Um den schwarzen Flügel herum stehen Stuhlreihen, die verraten, dass der Raum nach wie vor für Chorproben benutzt wird. Allerdings nicht während Vorstellungen, denn die Mauern zum Theatersaal sind nicht schalldicht. Die Burgergemeinde Langenthal hält zudem regelmässig ihre Sitzungen hier ab. Auch Kleinkunstanlässe finden von Zeit zu Zeit statt. Die Fenster im Übungssaal sind die einzigen im ganzen Gebäude mit Doppelverglasung.

Serie

Das Stadttheater

Es ist unbestritten - das 1916 erbaute Langenthaler Stadttheater ist sanierungsbedürftig. Die meisten Menschen kennen allerdings nur den Eingangsbereich und den Theatersaal. Doch was muss erneuert werden? Wo liegen die Schwierigkeiten für das Personal? Was verbirgt sich sonst noch hinter den Theatermauern? Welche Räume bekommen Besucher nie zu sehen? Im Rahmen einer Serie stellt diese Zeitung in loser Folge das Gebäude und die Räumlichkeiten des Stadttheaters näher vor. (tg)

Der Rest ist alt und marode

Musikalisch hoch zu und her geht es auch im Zivilschutzkeller, der nur von aussen zugänglich ist. Der erste Raum gleich links von der Eingangstür dient als Übungsstätte für die Musikschule Oberaargau. Ein Schlagzeug, mehrere Gitarrenverstärker, ein Xylophon und viele weitere musikalische Hilfsmittel findet man in diesem Raum, der an jedem Tag unter der Arbeitswoche benutzt wird. Allerdings ist dies der einzige Ort der Bunkeranlage, die zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges erbaut wurde, wo noch etwas Leben stattfindet. Der Rest der Anlage ist alt und marode. Dies sieht man hauptsächlich den sanitären Anlagen an, denn diese Dusche hier unten würde heutzutage kein Mensch mehr freiwillig benutzen.

Früher hätten bei einem Notfall drei Personen im Kommandoraum auf einer Art Velo ohne Räder strampeln müssen, um die Lüftungsanlage zu aktivieren, sonst wären die Leute erstickt. Überhaupt wimmelt es da unten nur so von kuriosen Überbleibseln der alten Technik.