Fasnacht
Ohne Kindergärtler kein Fasnachtsumzug

«Wir stehen im Schilf»: Weil die Teilnahme am Dietiker Fasnachtsumzug für Kindergärtler nicht mehr obligatorisch ist, befürchten die Organisatoren ein Ende des Anlasses, der seit 33 Jahren durchgeführt wird. Der Hoffnungsschimmer: Das Schulprogramm, das jede Schuleinheit selber erarbeitet.

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Limmattaler Zeitung

Matthias Kessler

Rund 600 Kinder nahmen in den letzten Jahren jeweils am Dietiker Fasnachtsumzug teil - bei der nächsten Austragung am 30. Januar 2010 sind es nun noch gegen 300 Kinder, wie Pius Baggenstos, Präsident des Organisationskomitees des Umzugs, erklärt. «Damit kommen wir zwar mit einem blauen Auge davon», sagt er. Insgesamt mache die Ungewissheit bezüglich Teilnehmerzahl die Organisation des Anlasses jedoch sehr schwierig, und dies werde in den kommenden Jahren nicht einfacher werden: «Wir stehen im Schilf», so Baggenstos, die Situation aus seiner Sicht zusammenfassend.

Der Hintergrund: Vor 33 Jahren wurde in Dietikon zum ersten Mal, organisiert von Kindergärtnerinnen, ein Fasnachtsumzug abgehalten; mit den Jahren wurde er zur gut besuchten Attraktion. Die Teilnahme daran war für die Kindergartenkinder lange Zeit obligatorisch. Dementsprechend gross war die Basis an Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die, um mehrere Guggen und Erwachsenengruppen ergänzt, für einen ausgelassenen und stimmungsvollen Umzug garantierten.

Ein Aufwand von 25 000 Franken

Doch mit dem neuen Volksschulgesetz, im Juni 2005 angenommen, und der damit verbundenen Überführung der Kindergartenstufe von kommunaler Verantwortung in kantonale Obhut änderte sich dies, wie Schulpräsident Gaudenz Buchli während der Fragestunde im Parlament am letzten Donnerstag auf Anfrage von SVP-Gemeinderat Jörg Datwyler erklärt hatte. Die Schulpflege, so Buchli, habe nicht die Möglichkeit, das Obligatorium wieder einzuführen. Und: Die Schule dürfe in solchen Angelegenheiten nicht «zum Spielball» werden.

Der Umzug 2008 war der letzte gewesen, bei dem dieses Obligatorium noch gegolten hatte. Für den diesjährigen Umzug musste viel an Werbeaktionen und Ermunterungen, insbesondere auch seitens der Schulpflege, vorgenommen werden, um genügend Kinder für eine Teilnahme zu motivieren.

«Bereits für das Jahr 2011 ist die Durchführung nicht mehr sicher», sagt Baggenstos. Denn: Unter den neuen Voraussetzungen stelle sich dem OK irgendwann die Sinnfrage. Immerhin bedeute das Ganze nicht nur einen finanziellen Aufwand von 25 000 Franken - abgedeckt durch Einnahmen aus der Sammelaktion während des Umzugs, durch Sponsoring und Beiträge der Stadt -, sondern auch viel Arbeit. Die Organisatoren begännen gleich nach einem Umzug mit den Arbeiten fürs nächste Jahr. Die Stadthalle, Endpunkt des Umzugs, müsse zudem auf zwei Jahre im Voraus reserviert werden. Man werde nun, so Baggenstos, das Gespräch mit der Schulpflege suchen.

Obligatorisch durch Schulprogramm?

Allerdings ist es nicht die Schulpflege, die in dieser Frage entscheidet. Gemäss Martin Wendelspiess, Chef das kantonalen Volksschulamts, haben die einzelnen Schuleinheiten die Möglichkeit, Aktivitäten wie beispielsweise Kurse und Projektwochen oder allenfalls auch einen Fasnachtsumzug in ihr Schulprogramm aufzunehmen. In einem solchen Fall wäre eine Teilnahme wieder obligatorisch.

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