Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2010 erhält auch das Freiamt bessere Zuganschlüsse. Die Vision von einem ultraschnellen TGV von Bern und Zürich durchs Freiamt ist für die Fachleute nicht realistisch.
Ohne Halt mit 250 km/h durchs Freiamt?

Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2010 erhält auch das Freiamt bessere Zuganschlüsse. Die Vision von einem ultraschnellen TGV von Bern und Zürich durchs Freiamt ist für die Fachleute jedoch nicht realistisch und bleibt eine Vision - vorerst.

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Vision TGV

Vision TGV

JÖRG BAUMANN

«Schweizer TGV - keine Utopie»: So titelte die «NZZ am Sonntag». Die Zeitung machte sich stark für eine neue ultraschnelle TGV-Eisenbahnneubaustrecke zwischen Zürich und Bern. Die Strecke würde südlich von Bremgarten und Wohlen quer durch das Freiamt führen - mit einem schnurgeraden Strich durch die Landschaft. Mit der Neubaustrecke könnte man die Reisezeit zwischen Zürich und Bern auf 30 Minuten verkürzen.

Die ETH als Ideenlieferantin

Hinter der TGV-Vision steht Ulrich Weidmann, Professor für Verkehrssysteme an der ETH Zürich. Mit der Neubaustrecke könnte das dichte Eisenbahnnetz im Kanton Aargau wesentlich entlastet werden, sagt Weidmann. Die «NZZ am Sonntag» habe den Artikel über den TGV aber aus eigenem Antrieb und ohne sein Dazutun publiziert. «Auf der Neubaustrecke könnte man mit Höchstgeschwindigkeit fahren - mit 250 bis 350 km/h», meint Weidmann. «Die Idee vom TGV ist ein Diskussionsbeitrag - nicht mehr, aber auch nicht weniger», sagt der ETH-Professor.

Im Kanton Aargau steht man Weidmanns Vision skeptisch gegenüber. Benno Schmid, Pressesprecher des aargauischen Departementes Bau, Umwelt und Verkehr, glaubt: «Die Schweiz ist für einen TGV mit Reisegeschwindigkeiten bis zu 300 km/h zu klein.» Der TGV würde ohne Halt von Zürich nach Bern fahren. Das würden gerade die Freiämter, die sich ohnehin vernachlässigt fühlen, wohl nicht verstehen. Die Verkehrspolitik im Aargau setzt stattdessen auf schlanke regionale Zuganschlüsse im ganzen Kanton und gute Verbindungen in die Grossagglomerationen.

Netz schrittweise ausbauen

Reto Kobi, Projektleiter für den öffentlichen Verkehr in der kantonalen Abteilung Verkehr, teilt die Meinung von Benno Schmid: «Seit Jahren klagen die Freiämter über die schlechten Zugverbindungen. Das Eisenbahnsystem muss jetzt ausgebaut werden.» Da hat die Vision von einem TGV durch das Mittelland und damit auch quer durch das Freiamt keinen Platz.

Engpässe werden beseitigt

Reto Kobi tritt heute als Referent an der Abgeordnetenversammlung des Regionalplanungsverbandes Unteres Bünztal auf. «Ich bringe den Freiämter Bahnreisenden gute Nachrichten», sagt er. Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember würden auch im Freiamt Engpässe beseitigt. «Die Zugverbindungen werden besser, namentlich
mit der Umfahrung von Lenzburg.»

Kobi wartet gespannt auf die Umsetzung des SBB-Projektes «Bahn 2030». Damit soll das Schweizer Eisenbahnsystem schneller und leistungsfähiger gemacht werden. «Wir wären froh, wenn der zweite Heiterbergtunnel gebaut werden könnte», sagt Kobi. Mit dem Tunnel könnte das überlastete Netz wesentlich entlastet werden. Das Bundesamt für Verkehr teilte gestern mit, dass die Vernehmlassung für die Bahn 2030 voraussichtlich erst im Frühling 2011 eröffnet werde.