Ohne Bodenwellen gegen Temposünder

Zwischen acht und neun von zehn Fahrzeugen sind in Oberwynau und am Ortseingang von Wynau Richtung Aarwangen zu schnell unterwegs: Dieses Ergebnis einer Zählung bestätigt den Gemeinderat von Wynau darin, Verkehrsmassnahmen zu ergreifen.

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Solothurner Zeitung

Jürg Rettenmund

Jetzt hat es der Gemeinderat von Wynau schwarz auf weiss: Auf der Aarwangenstrasse wird generell zu schnell gefahren. Sie führt über weite Teile in gestreckter Linienführung über freies Feld. An den Ortseingängen von Oberwynau und Wynau stösst der Automobilist dann unvermittelt auf unübersichtliche Verhältnisse. Zwar ist dort Tempo 50 signalisiert, doch das genügt offensichtlich nicht: 85 Prozent der 1050 Fahrzeuge, die pro Tag durchschnittlich hochgerechnet wurden, sind zu schnell unterwegs.

Dies jedenfalls ist das Ergebnis einer Verkehrsmessung vom 30. März bis 6. April. Mittels Seitenradargeräten wurden an drei Orten das Verkehrsaufkommen, die Verkehrsverteilung und die Geschwindigkeit der Fahrzeuge erhoben. Am schnellsten wurde in Oberwynau gefahren: Dort wurden für die 85 Prozent eine Geschwindigkeit von 63 Stundenkilometer gemessen. Beim «Rössli» in Oberwynau waren es noch 60, in Wynau selbst noch 57.

Baugesuch für Bodenwellen...

Bereits vor dieser Messung hatte der Gemeinderat Verkehrsmassnahmen beschlossen. Im Oktober 2008 reichte er ein Baugesuch für drei «Bodenwellen» ein (wir berichteten). Diese sollten so gestaltet sein, dass sie sich beim Überfahren mit mehr als den erlaubten 50 Stundenkilometern «unangenehm bemerkbar machen», wie der Gemeinderat im Infoblatt schreibt.

Gegen dieses Baugesuch reichten jedoch mehrere Landwirte Einsprachen ein, weil Bodenwellen die Befahrbarkeit mit Landmaschinen massiv einschränkten. Der Gemeinderat lud danach Vertreter von Befürwortern und Gegnern der Schikanen im Februar zu einer Gesprächsrunde ein. Dort wurde vereinbart, das Gesuch für die Bodenwellen zurückzuziehen und stattdessen erst einmal Grundlagen zu erheben - also zum Beispiel den Verkehr zu zählen.

... Kompromiss horizontale Versätze

Anfänglich sollten danach möglichst einfache Massnahmen ergriffen werden, die erst weiter ausgebaut werden, wenn sich die erhoffte Wirkung nicht einstellt.

Inzwischen liegt ein Vorschlag vor, der auch bereits mit den Anwohnern und den Landwirten abgesprochen ist. Dieser sieht an den drei Ortseingängen so genannte horizontale Versätze vor, die in die Fahrbahn hinausreichen und diese optisch verengen. Im Siedlungsgebiet soll zudem auf der nördlichen Seite ein Fussgängerlängsstreifen markiert werden, der rechtlich einem Trottoir entspricht. Schliesslich soll dort auch der Rechtsvortritt der Seitenstrassen mit Mittelstreifen markiert werden.

Die Aarwangenstrasse ist eine beliebte Abkürzung von Aarwangen Richtung Murgenthal, mit der Langenthal umfahren werden kann. Sie wird auch von Lastwagen benützt. Gemäss Verkehrszählung sind es durchschnittlich vier pro Stunde. Der Gemeinderat klärt nun mit dem Strasseninspektorat ab, ob wenigstens für diese ein Fahrverbot (mit Zubringerdienst gestattet) signalisiert werden kann.

Aus Navigationsgeräten «entfernen»

Heute werden Automobilisten und Chauffeure von Navigationsgeräten über die Aarwangenstrasse geleitet, wenn sie den kürzesten Weg suchen. Der Gemeinderat hofft, dass die Strasse mit den vorgeschlagenen Massnahmen aus diesen Geräten herausfällt, weil sie dann als verkehrsberuhigt gilt.

Von der Aarwangenstrasse führt der Weg Richtung Murgenthal über die Birchstrasse in Wynau. Diese wurde bereits 2007 zusammen mit anschliessenden Quartierstrassen in eine Tempo-30-Zone umgestaltet. Auch dort wurden ein Gehweg und die Rechtsvortritte markiert. Dies habe sich bewährt, erklärt Gemeindeschreiber Reto Alt.

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