Blumen

«Ohne Blumen wäre die Welt trist»

Auch wenn heute kaum jemand mehr die Blumensprache versteht, kann man mit Blumen viel ausdrücken. Karl Käser aus Langenthal ist Florist und würde seinen Beruf auch nach bald 50 Jahren wieder wählen.

Von Andreas Toggweiler

Gelbe Blumen bedeuten Hass, weisse Rosen platonische Liebe, je eine rote und eine weisse Rose bedeuten Krieg. Den Code der Blumensprache, der vor 150 Jahren die Ausdrucksform für das Unaussprechliche war, versteht heute kaum jemand mehr. Er wird auch nicht mehr beachtet. «Das bedaure ich ganz und gar nicht, denn so besteht auch keine Gefahr, dass unabsichtlich eine vermeintliche Botschaft ausgesendet wird, die gar nicht beabsichtigt ist», erklärt Karl Käser (66) aus Langenthal. «Die Blumen sollen unbefangen für sich selber sprechen», erklärt der Florist, der seit nunmehr 40 Jahren an der Aarwangenstrasse einen Blumenladen führt. Und weil die Arbeit ihm gefällt, denkt er im Moment auch noch nicht gleich ans Aufhören.

Karl Käser hatte zeitlebens mit Blumen und Pflanzen zu tun. Sein Vater war Gärtner, sein Bruder ebenfalls, erklärt er. Und so war es nichts Aussergewöhnliches, dass auch er 1960 in Zürich die dreijährige Lehre als Florist absolvierte. Danach arbeitete er als Angestellter in Blumengeschäften in Biel und Bern. In Biel lernte er seine Frau kennen. Wenn er erzählt, hört man Käser nicht an, dass er schon seit Jahrzehnten im Kanton Bern wohnt. Der Ostschweizer Dialekt ist ein Markenzeichen des Schaffhausers geblieben.

1969 bot sich die Gelegenheit, selbstständig zu werden und das Geschäft an der Aarwangenstrasse in Langenthal vis-à-vis der damaligen Post zu übernehmen. 1972 legte Käser noch die Meisterprüfung zum eidg. dipl. Floristen ab. «Das Berufsleben war mir immer wichtig, und deshalb habe ich mich auch stark in der Verbandsarbeit engagiert.» Insgesamt 22 Jahre lang, bis 2002, präsidierte er den «Floristenverein Bern-Solothurn und angrenzende Gebiete», nach insgesamt 32 Jahren als Verbandsfunktionär wurde er dessen erster Ehrenpräsident. Seit nunmehr bald 28 Jahren ist er auch noch Obmann für die Lehrabschlussprüfungen. Verbandsarbeit scheint Karl Käser zuzusagen. Ehrenpräsident ist er nämlich auch noch beim FC Langenthal, dem er ebenfalls 13 Jahre lang vorstand.

Zurück zu den Blumen: Sie sind schön, aber nicht zeitlos. Das sieht man beispielsweise bei den Nelken. «Früher habe ich davon bis zu 500 Stück pro Woche verkauft. Heute keine einzige mehr.» Die Blume sei schlicht aus der Mode gekommen. Wieso weiss Käser auch nicht. Ähnlich erging es der Gerbera. Dafür gebe es viele neue, oft exotische Sorten, die vor 40 Jahren noch unbekannt waren. «Heute kann man zu jeder Jahreszeit jede Blume besorgen», erklärt er weiter. So führe der Grossist zurzeit auch Tulpen oder Meierisli.

Für manche Kunden mag das reizvoll sein. Käser findet das aber gar nicht so toll. «Blumen sind ein Spiegel der Jahreszeit. Die Sonnenblumen sind verblüht. Jetzt ist beispielsweise Zeit für Chrysanthemen.» Und bald schon werden die ersten Weihnachtssterne und Advents-Arrangements gefragt sein. Was ist übrigens seine Lieblingsblume? - «Die Rose», antwortet Käser ohne zu zögern. «Ohne Blumen, ohne die belebte Natur wäre die Welt doch sehr trist», sinniert er. Blumen begleiten die Höhepunkte und Tiefpunkte des Lebens. Und die liegen manchmal nah beeinander. «Wir sind täglich mit beidem konfrontiert: Blumen sind bei Geburten und Bestattungen gleichermassen gefragt. Einzig bei den Hochzeiten, da ist die Nachfrage eher rückläufig», stellt Käser fest. Es wird weniger geheiratet und wenn, dann immer öfter mit alternativen Zeremonien. Oft genügt auch einfach das Zivilstandsamt. Ungebrochener Beliebtheit erfreue sich dagegen der Blumenversand, z. B. über Fleurop.

Die Konkurrenz habe in den vergangenen Jahren eindeutig zugenommen, stellt Käser fest. Grossverteiler und Tankstellenshops mit ausgedehnten Öffnungszeiten machen den traditionellen Blumengeschäften Marktanteile streitig. Wer das Besondere sucht, kommt aber nur beim ausgebildeten Floristen auf seine Rechnung. Neue Materialien und technische Hilfsmittel erlauben immer raffiniertere Arrangements und Kombinationen. Das Flair für den Umgang mit Blumen scheint dabei weiterhin fast reine Frauensache zu bleiben. «Etwa jedes zweite oder dritte Jahr hatten wir im Verband einen Lehrling; der kam aber meistens aus einer Gärtnersfamilie». Auch im eigenen Geschäft beschäftigt Käser eine angestellte Floristin und eine Lernende.

Die meisten Blumen kommen heute aus dem Ausland, wo die klimatischen Bedingungen besser sind. Daneben sei für das Blumenwachstum auch möglichst viel und lange anhaltendes Tageslicht wichtig. Auch hier sei die Schweiz vor allem im Winterhalbjahr handicappiert. Jeden morgen um sechs Uhr besichtigt Käser das Angebot bei seinem Grossisten in Hägendorf und besorgt sich die Ware für den Tag. Frische sei ein wichtiges Kriterium, wenn nicht das wichtigste, sagt Käser. Dazu kommen Modetrends - wie bei der Haute Couture. Weisse Blumen seien dieses Jahr stark gefragt. Doch das kann schnell ändern. Und dann feiern vielleicht auch die Nelken wieder einmal eine Renaissance. Dauerbrenner sind und bleiben aber die Rosen. Denn wenn rote Rosen verschenkt werden, ist die Botschaft klar - mit oder ohne vorgängigen Kurs in Blumensprache.

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