Bettina Hamilton-Irvine

Die Haltung der Primarschulpflege Oetwil-Geroldswil ist klar: «Wir nehmen Kritik, wenn sie mit einem Absender versehen ist, sehr ernst», sagt Schulpräsident Peter Lehmann. «Wir haben uns jedoch entschieden, auf anonyme Schreiben nicht mehr einzutreten.»

Anlass zu einer internen Diskussion zu diesem Thema war ein kürzlich erhaltenes anonymes Schreiben, in dem Anschuldigungen gegen eine Lehrperson gemacht worden seien, so Lehmann. Im Zusammenhang mit diesem Schreiben hätten die Schulpflege und die Schulleitungen sich nun über ihre Haltungen in solchen Situationen ausgetauscht und gemeinsam entschieden, in Zukunft auf Kritik ohne Absender nicht einzutreten. Dies wurde auch über die Schulzeitung so kommuniziert.

«Schliesslich kennen wir weder die Motivation hinter dem Schreiben, noch können wir Rückfragen tätigen», sagt Lehmann. Ausserdem könnte es sich beim Verfasser der Schreiben auch um Schüler, ehemalige Schüler oder Eltern handle, die bloss einer Lehrperson «eins auswischen» wollten, mutmasst Lehmann.

Wie der Schulpräsident betont, seien kritische Rückmeldungen durchaus erwünscht - wenn sie mit einem Absender versehen seien. «Wer einen Kritikpunkt hat, soll das Gespräch mit uns suchen, denn Kritik bringt uns auch weiter», so Lehmann. Auf Wunsch sei man auch bereit, Informationen vertraulich zu behandeln.

Dass das Ignorieren von anonymen Schreiben durchaus zum Erfolg führen kann, zeigt das Beispiel Dietikon. Er habe in seiner über 15 Jahre dauernden Amtszeit einige wenige anonymen Anschuldigungen erhalten, sagt Schulpräsident Gaudenz Buchli. Seine Haltung dazu sei jedoch immer klar gewesen: «Wenn jemand etwas zu beanstanden hat, dann möchte ich die entsprechende Person kennen und dann werde ich mich dem Anliegen auch annehmen.»

Deshalb würden anonyme Schreiben bei ihm nichts mehr bewirken - und er habe auch schon lange keine mehr bekommen, so Buchli. «Anonyme Anschuldigungen und Gerüchte schüren nur das Misstrauen. Sie werden von mir nicht weiter verfolgt und wandern in den Papierkorb.»

Ähnlich tönt es in anderen Gemeinden. «Die Schule Oberengstringen nimmt Kritik sehr gerne an, wenn sie mit einem Absender versehen ist», sagt der Oberengstringer Schulpräsident André Bender: «Anonyme Kritik jedoch bringt nichts und wird auch nicht beachtet.»
Dem kann man sich in Schlieren nur anschliessen: «Ein anonymes Schreiben wäre für uns gegenstandslos und würde nicht bearbeitet», sagt Bea Krebs, Präsidentin der Schulpflege. Es sei ihr aber kein entsprechender Schlieremer Fall bekannt.

Rolf Preisig, Präsident der Sekundarschulpflege Birmensdorf-Aesch bringt die Situation auf den Punkt: «Anonyme Anschuldigungen entspringen einem Misstrauensklima. Gingen wir darauf ein, würden wir dieses Klima in unserer Schule weiterverbreiten, was aber diametral zu unserer Überzeugung steht.» Er wolle Vertrauen fördern, nicht Anonymität.