Offenes Ohr für Musikunterricht

Der Regierungsrat ist gewillt, den Musikunterricht an der Volksschule aufzuwerten. Er gibt allerdings zu bedenken, dass das nicht billig wird. Und es kann noch ein Weilchen dauern.

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Zwei überparteiliche Vorstösse im Grossen Rat befassen sich mit dem Musikunterricht an der Volksschule. Zum einen wird eine einheitliche Regelung der Organisation der Musikschulen verlangt, zum anderen soll Instrumentalunterricht als Wahlfach auch an der Primarstufe angeboten werden.

Der Regierungsrat zeigt durchaus Musikgehör für die Anliegen. Aus der Stellungnahme zu den Vorstössen lässt sich auch etwas über das anvisierte Reformtempo für die Reform der Schulstrukturen nach dem Scheitern des Kleeblatts herauslesen: Das Thema Musikunterricht soll koordiniert mit der kaum zu umgehenden Anpassung der Primarschuldauer von fünf auf sechs Jahre angegangen werden. Deshalb behält sich der Regierungsrat vor, die geltende Frist von vier Jahren zur Erledigung des Postulats von Trudi Huonder (CVP, Egliswil), Esther Gebhard-Schöni (EVP, Möriken-Wildegg), Kathrin Nadler (SP, Lenzburg), Christoph Brun (Grüne, Brugg) und Maja Wanner (FDP, Würenlos) zu erstrecken.

Eltern an Kosten beteiligen

Sie unterstütze die Ausdehnung des Instrumentalunterrichts an der Primarschule, schreibt die Regierung. Es hätten bereits Abklärungen dazu stattgefunden. Eine Arbeitsgruppe unter Einbezug aller am Instrumentalunterricht beteiligten Verbände und Institutionen hat für eine neue Gesamtorganisation Grundsätze aufgestellt: Es muss eine von den Gemeinden akzeptierte Lösung gefunden werden, die Situation der Lehrkräfte muss verbessert werden, die Systeme anderer Kantone sind einzubeziehen und die Mehrkosten sind möglichst gering zu halten. Hier ist man am springenden Punkt: Der Kanton bezahlt heute für das unentgeltliche Wahlfach Instrumentalunterricht an der Oberstufe rund 15 Millionen. Die Ausdehnung des Unterrichts ab dem dritten Schuljahr dürfte die Kosten um rund 16 Millionen mehr als verdoppeln. Deshalb werde eine «massvolle» Kostenbeteiligung der Eltern zu prüfen sein, kündigt die Regierung an.

Erst wenn die inhaltliche Neuausrichtung des Instrumentalunterrichts feststeht, soll auch die im zweiten Vorstoss angesprochene Organisationsstruktur der Musikschulen angegangen werden. Grundsätzlich teilt der Regierungsrat die Analyse von Trudi Huonder und Mitunterzeichnern: Sie sehen Bedarf für eine Professionalisierung der Musikschulen, was wiederum eine gewisse Mindestgrösse verlangt, wofür man sich am besten an den Schulkreisen der Oberstufe orientiere. Auch hier will der Regierungsrat aber adagio (langsam, ruhig) vorgehen. Vielerorts seien lokale Musikschulen mit viel Idealismus entstanden, für die ehrenamtliche Arbeit geleistet werde. Eine Professionalisierung müsse deshalb für die Betroffenen augenscheinliche Vorteile bringen. (mou)