Oeschgen

Halil Hilmi Akinci pachtete in Oeschgen ein Schlacht-Lokal, erschlich sich das Vertrauen der Viehbesitzer, schlachtete hunderte von Tieren im Akkord und setzte sich ab, ohne das Schlachtvieh zu bezahlen.

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«Und einmal mehr bin ich der Geprellte», sagt der Oeschger Landwirt Erhard Wächter. Sein Vertrauen sei von diesem Mann missbraucht worden und dabei habe er ihm sogar noch beim Schlachten geholfen.

«Dieser Mann» heisst Halil Hilmi Akinci, ist türkischer Abstammung, offensichtlich Metzger von Beruf und in dieser Eigenschaft schon im vergangenen Jahr in der Ostschweiz negativ aufgefallen. Halil Hilmi Akinci kam Ende des vergangenen Jahres ins Fricktal und pachtete den kleinen Schlachthof, den Erhard Wächter 2003 auf dem Hof für seinen Sohn hat einrichten lassen. «Ich hatte den Schlachthof im Internet zum Verkauf ausgeschrieben. Mein Sohn hat mit Schlachten aufgehört und im vergangenen Jahr hat mich ein Mieter versekelt. Halil Hilmi hat auf mich einen guten Eindruck gemacht und wir haben einen Mietvertrag per 1. Januar unterzeichnet.»

Der Mietzins hielt sich im Rahmen. Für den vollständig und gut eingerichteten Schlachthof mit den entsprechenden Sanitäreinrichtungen sowie einer kleinen Wohnung verlangte Wächter 2500 Franken im Monat: «Im ersten halben Jahr hätte er sogar nur 2000 Franken bezahlen müssen und wenn er den Schlachthof später gekauft hätte, wäre ihm die bisher bezahlte Miete angerechnet worden. Ich bin Halil so weit wie möglich entgegen gekommen», erklärt der Besitzer.

Bei Bauern gut eingeführt

Erhard Wächter tat für seinen neuen Mieter noch weit mehr. Er führte ihn bei den Bauern der Umgebung ein und verschaffte dem türkischen Metzger die ersten Aufträge. «Er hat bald im Akkord geschlachtet und ist dabei von verschiedenen Kollegen unterstützt worden. Einige davon waren Türken, zwei waren wohl Pakistaner. Einer davon hat englisch und französisch gesprochen, der andere konnte ein bisschen deutsch.»

Halil Hilmi Akinci machte auch den Bauern im Fricktal einen guten Eindruck: «Ich habe gehört, dass er sofort und gut zahlt und ihm deshalb auch eine Kuh gebracht», erklärt Landwirt Rolf Ehrsam. Von seinem bisherigen Viehhändler hätte er für die Kuh allerdings sogar noch etwas mehr bekommen, «aber», habe er sich gedacht, «wenn wir schon wieder einen Metzger im Dorf haben, geben ich dem auch mal ein Tier. Vielleicht bin ich dann auch einmal um ihn froh, wenn es um eine Notschlachtung geht.»

Seit Samstag verschwunden

Auf die per Handschlag abgemachten 1950 Franken für seine am 11. Februar geschlachtete Kuh wartet Ehrsam allerdings bis heute. Der Metzger hat sich am vergangenen Sasmtag aus dem Staub gemacht. Nur eine Rindsleber hängt noch im Kühlraum. «Ich weiss nicht, ob er das von Anfang an so geplant hat», sagt Erhard Wächter.

Der hat fast Tag und Nacht geschlachtet wie verrückt, manchmal 100 Tiere am Tag und einmal sogar 50 Schafe. Das Fleisch hat er jedoch nie im Kühlraum abhängen lassen, sondern jeden Abend abtransportiert.» Er habe Kunden in Aarau, Zürich und St. Gallen und in Biel sogar einen eigenen Laden, hätte Halil Hilmi erklärt.

Anfänglich, so erfährt man bei den Oeschger Bauern, hat der türkische Metzger das Schlachtvieh auch umgehend bezahlt und das zu sehr guten Preisen. «Damit», vermutet Erhard Wächter im Nachhinein, «hat er die Bauern geködert.» Der Köder hat Wirkung gezeigt. Ein Schafzüchter aus einem Nachbarkanton lieferte vorerst ein paar Dutzend Schafe, kassierte gut und brachte eine nächste, grössere Lieferung. Diese hat Halil Hilmi nicht mehr bezahlt.

Laut Angaben der Kantonspolizei sind bisher über ein Dutzend Anzeigen von geprellten Bauern eingegangen. Die offenen Rechnungen des verschwundenen Metzgers belaufen sich offenbar gesamthaft auf über 100 000 Franken. (mz/to/aen)