Oensingen

Alle drei Jahre begeistern der Vogelherd- und der Ravellenclub an der Sonnwendfeier Oensingen aufs Neue mit ihren Feuerwerken. Für Zehntausende von Zuschauern aus der ganzen Schweiz und dem Ausland lohnte sich am Sonntag der Ausflug bei kalten zwei Grad.

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Sonnwendfeier begeistert Zehntausende Zuschauer

Sonnwendfeier begeistert Zehntausende Zuschauer

Autokennzeichen aus der ganzen Schweiz, aus Frankreich, Deutschland, Belgien und Italien. Viele entschliessen sich dazu, irgendwo auf einem Feldweg zu parkieren und das Feuerwerk aus der Ferne zu geniessen. Stau auf der Autobahn Richtung Ausfahrt Oensingen, Gafferstau in der anderen.

Leuchtende Initialen

So extrem viel Verkehr herrscht hier sonst nie. Es dunkelt ein, immer mehr, Kinder fragen ihre Eltern: «Wann gehts endlich los?» Sie blicken auf die Uhr, dann an den Jura, wo die Initialen der Clubs verheissungsvoll leuchten. Pünktlich löschen die letzten Lichter, es folgt die Ansage.

Dieses Jahr beginnt der Vogelherdclub (VCO). Im Gegensatz zu früheren Jahren spielt jeder Club sein Programm – je sechs Bilder – auf einmal durch. Aufgeregt teilen ein paar Zuschauer ihren Bekannten ihre Koordinaten mit. Dumpfes Knallen, jetzt geht es los. Ein Raunen geht durch Oensingen, die zwei Grad Celsius sind vergessen.

Der Zuschauer denkt sich: farbige Fackeln, rotes Funkeln, grün-rote Saturnkörper, die sich in Dunst auflösen, damit neue Sternenregen folgen können. Helle Lichter, die sich in den sternenübersäten Himmel schrauben. Immer wieder riesige Bouquets in allen Farben. Es tost und knallt, in zunehmend kürzeren Abständen. Zehntausende Augenpaare sind in Richtung Himmel fixiert.

Zehntausende auf den Feldern

Organisationskomitee-Präsident Roger Kaufmann schätzt, dass der Anlass 25000 bis 30000 Zuschauer nach Oensingen gelockt hat. In den angrenzenden Feldern um Niederbipp und Kestenholz sind es noch einmal etwa 30000. «Es ist schwierig, einen solchen Anlass bis ins Äusserste zu kalkulieren.»

Auf der Autobahn fahren Autos auf den Pannenstreifen. Die Leute steigen aus und schauen sich das Feuerwerk an. Wissen sie, was heute in Oensingen los ist? An diesem Abend passiert zum Glück kein Unfall. Zwischendurch zückt jemand sein Handy für ein Foto, der Wunsch nach einer Profikamera flackert wie die Blitze des Feuerwerks kurz hoch.

Konfettiregen, farbige Blitze oder Blumenmuster erhellen den Himmel. «Es muss zwingend knallen und brätsche », sagt später ein begeisterter Zuschauer übers Radio, darum geht es. Im Wald ist ein Schwelbrand entstanden, wegen der Bise brennt die obere Laubschicht. Aber die Feuerwehr legte vorher Wasserleitungen und kriegt die Sache schnell in den Griff. Solche Fälle sind einkalkuliert.

Eine Stärkung in der Pause

Dann, nach mehr als einer halben Stunde, eine kurze Pause. Der Moderator merkt an, dass er nun schriftdeutsch reden wird, es habe ja doch zahlreiche Deutsche. Jubel, aber auch Pfiffe. Doch sofort wenden sich die Zuschauer wieder dem Feuerwerk zu, jetzt ist der Ravellenclub (RCO) an der Reihe. Noch schnell eine Bratwurst gekauft und einen Glühwein gekippt, dann gehts weiter.

Mit Salven und Donner eröffnet der RCO den zweiten Teil des Spektakels. Kinder schreien aufgeregt, das Herz hüpft mit, im Takt der Salven. Kaum ist das eine Bild in Dunst aufgegangen, entzündet sich ein Neues: violette Sterne und Konfettiregen, eine Blumenparade in Pink, grüne Doppelringe, weiss-rote Kreise.

Bei einem so langen Feuerwerk kommt niemand zum Staunen heraus. «Du, Papi, machen wir das am 1. August auch so?», schreit ein kleines Mädchen aufgeregt. Vaters Blick wendet sich nicht von der Pracht ab, aber er grinst milde, denn er weiss: Alles ist eine Budgetfrage.

Das Kind erwartet keine Antwort, weil es gebannt zum Himmel blickt. Es weiss noch nichts von den Sorgen der Erwachsenen. Die Nacht vor dem Feuerwerk ist zum Beispiel für die Organisatoren keine leichte, wie OK-Präsident Kaufmann bemerkt. Es könne viel passieren. Doch die Rückmeldungen am Sonntagnachmittag fallen alle positiv aus.

«Rivalität schadet nicht»

Niemand wird eine Skala aus dem Ärmel schütteln und darüber richten, wer besser war: der Vogelherdclub oder der Ravellenclub. Vielleicht die Clubs selber? «Klar sind es Rivalen, natürlich nur, was das Feuerwerk angeht», erklärt Kaufmann. Am gleichen Tag sitzen sie an einem Tisch und geben einander Rückmeldung. Vorbei sind die Zeiten schon lange, als man noch handgreiflich wurde. Das kennt die heutige Generation nicht mehr.

Bis im Juni werden die Clubs nun die Sonnwendfeier 2009 auswerten. «Der Anlass wird laufend optimiert.» Am Sonntag war es aber noch zu früh, um Rückschlüsse zu ziehen. Um 21.20 Uhr glauben sekundenlang alle, das Feuerwerk sei vorbei. Dann zuckt aber doch noch frech ein letzter grüner Blitz auf. Gelächter und Applaus.

Es scheint nun fast so, als würden alle Zuschauer magisch weggezogen. Die Kälte treibt sie zu ihren Autos, in Restaurants, an den Bahnhof. Radio Sonnwendfeier fängt Stimmen ein. Der OK-Präsident am Mikrofon: «Es war sensationell. » Zuschauer pflichten ihm bei. Die Masse bewegt sich weiter. Nach einer Pause wird sich das OK bereits Anfang 2010 an die Planung für die Sonnwendfeier 2012 machen. Und diese soll mindesten so gut gelingen wie die Ausgabe 2009. (mz/ufl)