Muriel Mercier

Aesch Nord wird weiterentwickelt - und zwar ohne eine Beschränkung der Einkaufsfläche im neuen Gewerbegebiet. An der Gemeindeversammlung vom Mittwochabend lehnte die Bevölkerung den Vorschlag des Gemeinderates ab, die Fläche auf 10 000 Quadratmeter zu beschränken. Dies deutlich mit 856 gegen 76 Stimmen. In der Folge sprach alles dafür, dass das Grossprojekt Oberegg-Park durchgewunken wird. Doch dann die Überraschung: Dessen Bau wurde mit 568 zu 398 Stimmen deutlich abgelehnt.

Grosser Verlierer ist das Aescher Bauunternehmen Rofra, das im Oberegg-Park für Coop ein Einkaufszentrum realisieren wollte. Rofra-Geschäftsführer Remo Franz gibt auf Anfrage der bz keine Auskunft darüber, wie die Zusammenarbeit mit Coop weiter gehen soll. Coop hingegen malt nicht ganz so schwarz: «Wir sind immer noch am Standort Aesch Nord interessiert. Wir müssen jetzt halt mit der Firma Rofra besprechen, wie wir unser Projekt optimieren können», erklärt Stephanie Weiss, Medienbeauftragte von Coop.

Dass es in Aesch Nord keine Verkaufsflächenbegrenzung geben wird, freut den Grossverteiler Migros «ausserordentlich». Wäre der Gemeinderat mit seinem Antrag durchgekommen, so hätten Coop und Landi die gesamte Fläche von 10 000 Quadratmetern für sich alleine in Anspruch genommen - Migros hätte im Dorf bleiben müssen. «Wir sind sehr froh, dass die Bevölkerung den weitsichtigen Entscheid gefällt und den Antrag des Gemeinderates abgelehnt hat», bestätigt Migros-Sprecher Dieter Wullschleger.

Landi fängt bald an zu bauen

Auch die Sorgen der Aescher Detaillisten, ihre Geschäfte schliessen zu müssen, sollte der Oberegg-Park realisiert werden, können vorläufig begraben werden. Noch vor der Versammlung befürchteten sie, die Kaufkraft werde durch Einkaufszentren in Aesch Nord aus dem Dorfkern abwandern und eine Verödung des Dorfzentrums würde stattfinden. Am letzten Samstag zeigten mehr als ein Dutzend Detaillisten ihren Unmut, indem sie ihre Schaufenster mit Packpapier beklebten.

Esther Gutknecht, Inhaberin der Papeterie Gutknecht in Aesch, ist über die eindeutige Niederlage des Oberegg-Parks überrascht. Für sie ist klar, dass der Kampf um die Grossverteiler in Aesch Nord noch nicht ausgestanden ist. «Coop sucht weiter nach einem Ort für ein neues Geschäft. Und auch Migros bleibt dran.» Jetzt habe das Dorf einen Aufschub von drei Jahren erhalten. «Bis dahin haben Bund und Kanton den Vollanschluss genehmigt und ein allfälliges Grossprojekt in Aesch Nord bringt kein Verkehrschaos mehr ins Dorf.» Sieger auf der ganzen Linie ist das Projekt Landi - deren Quartierplan mit 3150 Quadratmetern Ladenfläche wurde von der Bevölkerung ohne Aufsehens angenommen. «Die neue Landi in Aesch Nord sichert unsere Zukunft», sagt Hanspeter Sprecher, Präsident der Genossenschaftskommission Aesch. Für die Bauern sei es wichtig, dass sie ihr Werkzeug in der Nähe ihres Produktionsgebietes kaufen können. Lange lässt Landi mit dem Baubeginn nicht auf sich warten - noch in diesem Jahr wird das Gesuch eingehen. «Wenn alles gut geht, erhalten wir die Bewilligung im Frühling 2010 und können im April oder Mai beginnen.»