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Nur wegen der Kälte die Hände gerieben

Im Zweifelsfalle für den Angeklagten: Limmattaler Buschauffeur wurde freigesprochen.

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Im Zweifelsfalle für den Angeklagten: Limmattaler Buschauffeur wurde freigesprochen.

Bezirksgericht spricht Limmattaler Buschauffeur frei


Laut Anklage soll ein Limmattaler Buschauffeur auf seinem Fahrersitz vor einer 19-jährigen Passagierin onaniert haben. Nein, befand das Bezirksgericht Dietikon und folgte damit der Version des Angeklagten.

Während des Prozesses hatte sich das Gericht wieder einmal gezwungen gesehen, sich mit zwei verschiedenen Wahrheiten zu befassen. Die erste Version schilderte die Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis. Sie stützte sich auf die Belastungen einer 19-jährigen Frau aus Dietikon ab. Diese wartete an einem eiskalten Februarmorgen dieses Jahres beim Busbahnhof in Dietikon auf ihren Bus. Plötzlich wurde sie von einem Chauffeur einer anderen Buslinie angesprochen. Der heute 47-jährige Mann schlug der frierenden Frau während des Gesprächs vor, in seinem geheizten Bus auf ihr Fahrzeug zu warten.

Staatsanwalt: Strafbarer Exhibitionismus

Die junge Frau nahm das Angebot an und setzte sich rechts auf den vordersten Sitz. Kurz darauf erschrak sie. Laut Anklage sah sie, wie der Chauffeur auf dem Fahrersitz den Reissverschluss seiner Hose öffnete und vor ihr zu onanieren begann. Die schockierte Geschädigte verliess sogleich den Bus und vertraute sich unter Tränen einer draussen stehenden Arbeitskollegin und einer Chefin an. Wenig später erstattete sie Strafanzeige.

Die eingeschaltete Staatsanwaltschaft glaubte den Belastungen und erhob im letzten Juni Anklage wegen Exhibitionismus. Sie verlangte für den Angeschuldigten eine bedingte Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu 100 Franken sowie eine Busse in der Höhe von 1500 Franken.

Vollen Freispruch verlangt

Diese Woche, am Dienstag, stand vor dem Bezirksgericht Dietikon nun die zweite Wahrheit im Vordergrund. So beteuerte der beschuldigte Familienvater, dass er an jenem Morgen gar nichts verbrochen habe. Er habe sich nur wegen der grossen Kälte die Hände gerieben. Sicher aber nicht an seinen Genitalien, erklärte er.

Sein Verteidiger verlangte einen vollen Freispruch und lastete der Geschädigten ein widersprüchliches Aussageverhalten an. So habe diese bei einer ersten Einvernahme zu Protokoll gegeben, dass sie das Glied des Angeklagten bei einer unverschlossenen Kabinentüre gesehen habe. Bei einer zweiten Einvernahme erklärte die Zeugin dann jedoch, dass sie das Glied gar nicht gesehen habe.

Im Zweifel für den Angeklagten

Der Buschauffeur hatte Glück: So kam das Gericht nach dem Grundsatz im Zweifel für den Angeklagten zu einem vollen Freispruch. Dem entlasteten Mann wurde nicht nur ein Schmerzensgeld von 1000 Franken, sondern auch eine Prozessentschädigung in der Höhe von knapp 2500 Franken zugesprochen. Der Angeschuldigte zeigte sich nach dem Freispruch erleichtert. Allerdings erklärte er, dass er als Lehre aus dem Ganzen künftig nie wieder höflicherweise eine wartende Person in seinen Bus bitten werde.

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