Nur Viktor Röthlin wollte nicht

Nur Viktor Röthlin wollte nicht

Nur Viktor Röthlin wollte nicht

Zum elften Mal und mit elf Kategorien wurde Solothurn dank dem Swiss Walking Event zum Mekka der Schweizer Walking-Begeisterten. Trotz rückläufigen Besucherzahlen bleibt der Walking-Event ein Grossanlass.

Lucien Fluri

Obwohl die Teilnehmerzahl erneut rückläufig war, hinterliess der Grossanlass eindrückliche Spuren: Fast alle Hotelbetten waren laut Solothurn Tourismus belegt, 350 freiwillige Helfer aus regionalen Vereinen waren im Einsatz, und mit jedem einfahrenden Extrazug der SBB füllte sich die Stadt schon früh am Morgen: Im Halbstundentakt bildete sich vom Bahnhof über die Kreuzackerbrücke und den Kronenstutz bis hin zu den mit Garderoben und Sponsorenständen gefüllten HESO-Zelten eine lange Schlange.

Nahmen bei der ersten Austragung im Jahr 2000 nur 1600 Teilnehmer teil, steigerte sich die Teilnehmerzahl mit fast 6800 Teilnehmern im Jahr 2005 zu einem Rekordhoch. Seither ist sie rückläufig. Mit 4430 Walkerinnen und Walkern standen dieses Jahr 900 weniger als im Vorjahr am Start. Simone Weber, Presseverantwortliche beim Organisator Ryffel Running, begründet dies mit allgemein mehr Laufveranstaltungen und dem Jubiläum im letzten Jahr: «Oft gehen die Anmeldungen nach einem Jubiläum im Folgejahr zurück.» Unverändert ist dagegen die Aufteilung zwischen den Geschlechtern: Auch dieses Jahr lag der Event mit 81 Prozent fest in Frauenhand.

Keine Rangliste

Obwohl es sich um einen sportlichen Grossanlass mit professioneller Zeitmessung handelt, gibt es keine Rangliste: «Walking ist kein Spitzen-, sondern ein Breitensport, bei dem das Mitmachen und die Gesundheit im Zentrum stehen», begründet Weber die fehlende Rangliste. Zudem wolle man verhindern, dass einige Teilnehmer aus übertriebenem Ehrgeiz zu joggen beginnen und so die Resultate verfälschen.

Die fehlende Rangliste stört die Ostschweizerin Silvia Wernli, die zum dritten Mal den Halbmarathon bestreitet, nicht: «Ich trainiere für mich, der Lauf in Solothurn ist mein Jahresziel.» Ihre Trainingskollegin dagegen kann sich mit der fehlenden Rangliste nicht anfreunden: «Ich wünsche mir mehr Konkurrenz. Walkerinnen sind zu nett», sagt sie und erzählt, dass sie jedes Jahr die Zeiten aus der Finisherliste herausschreibe und dann ihre eigene Rangliste zusammenstelle.

Prominente Gäste

Einen Hauch Spitzensport brachte Viktor Röthlin nach Solothurn. Allerdings kam er nur zur Autogrammstunde: «Mehr als 2 Stunden und 15 Minuten kann ich mich nicht anstrengen», begründete der Spitzensportler sein Fehlen auf der Solothurner Marathonstrecke und kokettierte damit mit seiner kürzlich gelaufenen Bestzeit bei der Europameisterschaft in Barcelona. Auf die Strecke wagte sich dagegen alt Bundesrat Samuel Schmid. Wie die meisten Teilnehmer startete er über 10,5 km. «Solothurn ist der einzige Wettkampf, an dem ich teilnehme», sagte der ehemalige Sportminister, der dieses Jahr offizieller Botschafter des Grossanlasses ist.

Im Gegensatz zum alt Bundesrat sind die meisten Teilnehmer Wiederholungstäter: Zum zehnten Mal ist Barbara Wilmering dabei. Dieses Jahr absolvierte sie den 17,2 km langen Panoramatrail, der bis auf die Röti geht – 976 Meter hinauf, 1192 Meter hinunter: «Ich bin mit mir zufrieden», freut sie sich. Andere nehmen es gemütlicher: «Wir wollen etwas als Familie tun», sagt Veronika Heiniger aus Dürrenroth, die mit ihren beiden Kindern am Start zum Familienplausch steht.

Die ersten Teilnehmer treffen kurz nach Mittag im Ziel ein. Nicht wenige kühlen ihre Füsse nach der Anstrengung in einem der Altstadtbrunnen ab. Gut, dass es auch davon elf gibt.

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