Spital
Nur mit Hoffnung gibt es keine Riehener Spitalzukunft

Der Riehener Gemeinderat begründet seinen Spitalschliessungs-Entscheid in einem detaillierten Bericht an den Einwohnerrat.

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Schliessung Spital Riehen

Schliessung Spital Riehen

bz Basellandschaftliche Zeitung

«Hoffnungen reichen nicht aus, um verbindlich und mit grossen finanziellen Konsequenzen grünes Licht für eine Spitalzukunft in Riehen zu geben»: Dies hält der Gemeinderat in einem detaillierten Bericht fest, den er gestern veröffentlicht hat. Der Bericht wird an der ausserordentlichen Einwohnerratssitzung vom 28. April zur Debatte stehen.

Bei der Beurteilung der Chancen und Risiken sei es nicht nur um das Hier und Heute des Gemeindespitals gegangen, das wertvolle und von weiten Kreisen der Bevölkerung in Anspruch genommene medizinische Leistungen erbringe, dies dank eines Betriebsbeitrags der Gemeinde in der Höhe von jährlich 8,6 Millionen Franken und grossem Einsatz des Spitalpersonals, wie der Gemeinderat festhält. Vielmehr habe man die sich ab 2012 grundlegend verändernde Spitallandschaft beurteilen müssen, insbesondere wegen der kommenden Fallkostenpauschalen.

Zukunftsstrategien evaluiert

Im Bericht wird detalliert die Entscheidfindung des Gemeinderates aufgelistet. Schon 2006 begannen die Arbeiten für eine Zukunftsstrategie des Spitals, die 2008 in einem Bericht an den Einwohnerrat mündeten: Mit mehr unternehmerischem Freiraum sollte das Riehener Spital auf die sich verändernde Spitalfinanzierung ab 2012 vorbereitet werden. Das Kleinspital sollte deshalb per 2010 in eine gemeinnützige Aktiengesellschaft umgewandelt und unter die Aufsicht einer Stiftung gestellt werden. Für die Gebäudesanierung sollte die Gemeinde 11,5 Millionen Franken aufwenden. Das alles segnete der Einwohnerrat Ende Oktober 2008 ab - der Gemeinderat verkündete hingegen am 2. April, dass er keine Hoffnung mehr sehe und dass das Spital geschlossen werden soll.

Kontakte zerschlugen sich

Im Oktober 2008 hatte der Gemeinderat noch hoffnungsvollen Kontakt zur Crossklinik, zwecks Kooperation, doch die Crossklinik brach die Verhandlungen ab und entschied sich für eine Lösung in der Stadt Basel (ehemalige Josefsklinik).

Parallel dazu wurde mit dem St. Claraspital über ein Kooperationsmodell verhandelt, das allerdings am Schluss lediglich die Bereiche HNO, Augen oder allenfalls Nephrologie als neuen Schwerpunkt in Riehen sah. Dessen Aufbau wäre Riehen überlassen worden - die Erfolgskriterien seien klar nicht erfüllt gewesen, sagt der Gemeinderat.

Mit dem Universitätsspital wurde schliesslich ein Modell diskutiert mit dem Ziel, in Riehen ein chirurgisches Spektrum als Schwerpunkt aufzubauen. Auch dabei wäre die Finanzierung exklusiv dem Gemeindespital geblieben. Der Gemeinderat winkte daher ab.

Festgehalten wird, dass der Kanton, der für die Versorgungssicherheit zuständig ist, mehrfach kundgetan habe, das Riehener Spital sei verzichtbar, mit Hinweis auf die bestehenden Überkapazitäten. Riehen entschied sich darum für die Schliessung und den Aufbau eines ambulanten Gesundheitszentrums sowie ein «Haus der Pflege». Dieses würde circa 25 Betten enthalten und unter dem gleichen Dach wie das Ambulatorium geführt mit dem Ziel, pflegebedürftige Menschen zu betreuen.

Diese Variante wird auch vom Diakonissenhaus, dem das Gemeindespital-Gebäude gehört, favorisiert. Die Kommunität hatte der Gemeinde drei Strategievorschläge unterbreitet. (mv)