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Notwendigkeit oder «ein Luxus»?

Schulsozialarbeit im Limmattal Die Schulsozialarbeit übernimmt eine Scharnierfunktion zwischen Schule und Familie. Sie soll soziale Probleme und persönliche Nöte von Kindern und Jugendlichen, die sich aufs schulische Umfeld auswirken, erfassen und einerseits präventiv wirken, andererseits eine Eskalation verhindern. Im Limmattal haben neben der Schule Dietikon auch die Schulen von Schlieren, Urdorf und Oberengstringen (jeweils Primar- und Sekundarstufe), die Primarschule Oetwil-Geroldswil, die Oberstufenschule der Kreisgemeinde Weiningen (im Bild: Schulsozialarbeiterin Beatrice Naef), die Primarschule Birmensdorf sowie die Sekundarschule Birmensdorf Aesch die Schulsozialarbeit eingeführt. Die Schulen in den Gemeinden Uitikon und Aesch sowie die Primarschulen in Unterengstringen und Weiningen interessieren sich für die Einführung von Schulsozialarbeit mit dem Trägermodell «All-in» des Amts für Jugend und Berufsberatung (siehe Haupttext). (mke)

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Schulsozialarbeit im Limmattal Die Schulsozialarbeit übernimmt eine Scharnierfunktion zwischen Schule und Familie. Sie soll soziale Probleme und persönliche Nöte von Kindern und Jugendlichen, die sich aufs schulische Umfeld auswirken, erfassen und einerseits präventiv wirken, andererseits eine Eskalation verhindern. Im Limmattal haben neben der Schule Dietikon auch die Schulen von Schlieren, Urdorf und Oberengstringen (jeweils Primar- und Sekundarstufe), die Primarschule Oetwil-Geroldswil, die Oberstufenschule der Kreisgemeinde Weiningen (im Bild: Schulsozialarbeiterin Beatrice Naef), die Primarschule Birmensdorf sowie die Sekundarschule Birmensdorf Aesch die Schulsozialarbeit eingeführt. Die Schulen in den Gemeinden Uitikon und Aesch sowie die Primarschulen in Unterengstringen und Weiningen interessieren sich für die Einführung von Schulsozialarbeit mit dem Trägermodell «All-in» des Amts für Jugend und Berufsberatung (siehe Haupttext). (mke)

Die Dietiker Schulpflege will die Schulsozialarbeit definitiv einführen. Opposition dagegen ist kaum auszumachen. Bezüglich des Stellenplans und der Organisation klaffen die Ansichten jedoch weit auseinander – heute Abend befindet nun zunächst das Parlament darüber.

Matthias Kessler

Die Stellenprozente als Streitpunkt: Herumgereicht werden im Zusammenhang mit der definitiven Einfühdung der Schulsozialarbeit an der Schule Dietikon die Zahlen 290, 250 und 380. Hinter diesen Zahlen wiederum stehen finanzielle Verpflichtungen, die von Behörden und Parteien unterschiedlich beurteilt und gewichtet werden.

Im Antrag der Dietiker Schulpflege auf eine definitive Einführung der Schulsozialarbeit, die heute im Parlament diskutiert wird, ist die Rede von 290 Stellenprozenten, die notwendig seien, um den Betrieb zu gewährleisten. Träger der Stelle soll das Amt für Jugend und Berufsberatung (AJB) sein, mit dem ein Angebot «All-in» abgeschlossen werden könne; die Kosten pro Jahr belaufen sich bei dieser Variante auf knapp 445 000 Franken (siehe Ausgabe vom 7, August). Der Verteilschlüssel sieht dabei eine leicht höhere Dotation für die Schuleinheiten mit Oberstufe vor (Zentral: 75 Stellenprozente, Luberzen: 65 Stellenprozente), die drei Primarschuleinheiten Wolfsmatt, Fondli und Steinmürli erhalten demnach je 50 Stellenprozente. Die Schulsozialarbeit war in Dietikon im Jahr 2002 eingeführt worden; von 100 Stellenprozenten wurde der Stellenplan schrittweise auf 200 Prozent zu Beginn des laufenden Jahres erhöht.

Kompromiss mit dem Stadtrat

Für die SVP sind derweil 250 Stellenprozente das Maximum dessen, was das Parlament bewilligen soll. Die Stadt habe kein Geld, meint SVP-Präsident Erich Burri, umso mehr müsse man den Finanzen Sorge tragen. Gerade in einer solchen Situation sei es «absolut unverständlich», wenn man eine Stelle so üppig dotiere: «Das ist ein Luxus», so Burri. Und: Ein Gesetz sei in Ausarbeitung, das regeln solle, wann wo wie viel Schulsozialarbeit angezeigt sei; derzeit existierten lediglich verschiedene Empfehlungen. «Wieso», fragt Burri rhetorisch, «wieso muss Dietikon klar über den Empfehlungen liegen?» Kritisch steht auch die FDP dem Antrag gegenüber. Grundsätzlich sei man für die definitive Einführung der Schulsozialarbeit, sagt Fraktionschef Ueli Bayer. Die Frage sei aber, wie viele Stellenprozente tatsächlich nötig seien.

Dass Dietikon über den Empfehlungen liegt, bestreitet indes Schulpräsident Gaudenz Buchli (CVP). «Die Empfehlung wäre eigentlich viel höher», sagt er. Aufgrund ihrer Struktur, aufgrund der Verteilung der Klassen auf fünf Schulhäuser müsste die Schule Dietikon laut Buchli 350 bis 380 Stellenprozente an Schulsozialarbeit aufwenden. Die Schulpflege habe sich mit dem Stadtrat schliesslich auf einen Kompromiss mit den 290 Stellenprozenten geeinigt, so Buchli.

Nach dem Parlament vors Volk

Dies bestätigt Stadtpräsident Otto Müller (FDP). Man habe im Stadtrat verschiedene Varianten diskutiert und sich dann für eine Unterstützung des Antrags von 290 Stellenprozenten entschieden.

Zu reden habe im Stadtrat, so Müller, aber auch die Organisation der Schulsozialarbeit gegeben: Die Exekutive sei klar der Meinung, «dass die Mitarbeitenden im Bereich Schulsozialarbeit durch die Stadt angestellt sein müssen» und nicht vom AJB gestellt. Als Übergangslösung könne man sich mit einer befristeten Auslagerung, wie von der Schulpflege vorgeschlagen, jedoch einverstanden erklären. Durch die Auslagerung an das AJB könne die Schulsozialarbeit «rasch und unkompliziert per Januar 2010» eingeführt werden, schreibt die Schulpflege in ihrem Antrag zu diesem Punkt.

Ob allerdings bis dahin alle politischen Hürden überwunden sind, bleibt abzuwarten. Nach dem Parlamentsentscheid muss die Vorlage vors Volk - aufgrund der Höhe der geplanten jährlichen Ausgaben untersteht sie dem obligatorischen Referendum.

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