Noseland

Noseland wird zu Snowland

Bunt: Der Briefkasten von Erich Frensdorff ist ein «Jungbrunnen für fantasielose Sesselfurzer». (wpo)

Bruno Schlatter

Bunt: Der Briefkasten von Erich Frensdorff ist ein «Jungbrunnen für fantasielose Sesselfurzer». (wpo)

König Bruno und seine Minister zeigen im Ruedertal die «schönsten Briefkastenfirmen».

Peter Weingartner

Landart? Wer von der Ruederstrasse 44 ausgangs Schöftland, wo Noseland seinen Briefkasten hat, Richtung Täli hochblickt, wo die gut 2000 Quadratmeter Noseland liegen, sieht auf dem Staatsgebiet, wo Bruno Schlatter, der erste und letzte König, das Sagen hat, ein grosses Holzgebilde. Zeppelin? Nein, ein Wal solls werden auf der Weide. Seit Sonntag ist die erste internationale Weidezaunausstellung offen, Tag und Nacht, bis zum 10. Januar. Und der Zaun soll verhindern, dass die noseländischen Tiermonster - neben dem Wal gibts da noch Schlatters Nasenbären- ausbrechen.

Dabei gehts bei der Ausstellung um die «schönsten Briefkastenfirmen». König Bruno übt sich in seiner Ansprache zur Vernissage in Selbstkritik, habe er doch dummerweise auf der Bauverwaltung in Schöftland in Sachen Bewilligung für eine solche Ausstellung nachgefragt, worauf Aarau angefragt worden sei mit der Konsequenz, dass nach einer Woche ein Nein eingetroffen sei. Ein König aber, das steht fest, ein König weiss sich zu helfen, denn er kann lesen. Zum Beispiel die Bauordnung, wo Artikel 59 besage, dass Weidezäune bis 1,5 Meter Höhe nicht bewilligungspflichtig seien. Voilà. Über die Grösse der Tiere, die innerhalb dieses Zaunes ihr Dasein fristen dürfen, sage das Baugesetz hingegen nichts aus.

Briefkästen sitzen auf den Weidezaunpfosten. Verspielte Gebilde, zuweilen mit sozialkritischer Botschaft: Erich Frensdorff aus Aarau hätte zwar lieber einen Briefkasten als Gesslerhut auf eine grosse Stange gesetzt, doch sein «Jungbrunnen für fantasielose Sesselfurzer» entspricht nicht nur den Grössenvorschriften, sondern verleitet den Betrachter bei näherem Hinsehen zum Schmunzeln. «Grossartig», hört man häufig von den Besuchern. Frensdorffs Briefkasten zeigt kopfloses Volk und sesselfurzendes Rindvieh, alles Plastikfigürchen, und wer genau hinsieht, merkt, dass auch Kultur und Sport von den Mächtigen unter der Sonne vereinnahmt werden. Das alles, wie die Plastiktiere an der Seitenwand des Kastens zeigen, auf dem Buckel der Natur. Und wer ist Gonzo? Agitator oder Sprachrohr des Establishments?

Schneegestöber. Am Sonntagnachmittag wird Noseland im Schüttelreim zu Snowland: Da hilft nur Glühwein. Der Tiefsinn der Briefkasten kann auch im Weglassen liegen. Des Staffelbachers Nik Walthers Objekt zeigt den Rahmen eines Kastens: Es steckt nichts hinter dieser Briefkastenfirma; die Post fällt ins Leere. Und Christian Balke aus Zofingen hat aus Weinkistchen Schliessfächer gebastelt, derweil Claudia Waldner aus Aarau, erste Kulturpreisträgerin Noselands, teilweise aufgebrochene Eier auf Bambusstäbe gesteckt hat, und in der ersten Nummer der NNZ (Neue Noseländische Zeitung) ist zu lesen, dass die Nase im Ei Zeit haben sollte, um zu schlüpfen und damit die Kunst des Fliegens zu erlernen.

Einen Ausflug planen auch die Noseländer: Am 15. März besuchen sie das Bundeshaus, Staatsbesuch sozusagen. Vorgesehen ist gemäss König Bruno auch ein Zusammentreffen mit Politikerinnen aus dem (das Königreich im Ruedertal umgebenden) Kanton Aargau.

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