Transocean

Norweger will Zuger Ölkonzern Transocean kaufen

Die Ölkatastrophe macht Transocean zum Übernahmekandidaten.

Die Ölkatastrophe macht Transocean zum Übernahmekandidaten.

Reeder Jon Fredriksen hat ein Auge auf Transocean geworfen. Dem reichsten Norweger, der sein Firmenimperium selbst aufgebaut hat, gehört die grösste Tankerflotte der Welt. Steuern zahlt er lieber nicht.

Thomas Hug, Oslo

Reeder Jon Fredriksen hat Lust auf einen Zukauf. An einer Branchenkonferenz in Oslo beschrieb Jon Fredriksen die weltweit grösste Bohr- und Ölplattformfirma Transocean als «gutes Unternehmen».

Letzte Woche doppelte er gegenüber dem Nachrichtenbüro TDN Finans nach. «Es sei möglich», dass seine eigene Ölplattformgesellschaft Seadrill Transocean kaufe. «Es wäre sehr spannend, das zu tun», fügte Fredriksen hinzu. Auf die Aussage des norwegischen Schiffsmagnaten hin legte die im SMI gelistete Transocean-Aktie im Wochenverlauf um knapp 5 Prozent zu.

«Gauner mit harten Fäusten»

Transocean dürfte die Ankündigung nicht auf die leichte Schulter nehmen. Denn wenn Jon Fredriksen Appetit auf ein Unternehmen hat, gibt er in der Regel nicht auf, bis er es seinem Imperium einverleibt hat. Dies erlebte 1997 beispielsweise die schwedische Reederei ICB, die sich der der Übernahme durch Fredriksens Tankerreederei Frontline vergeblich widersetzte. Die schwedische Presse ging damals nicht gerade zimperlich mit Fredriksen um. Sie beschrieb ihn als «Gangster mit harten Fäusten».

So war es auch, als Fredriksen 2005 grosse Möglichkeiten im Geschäft mit Ölbohrungen und Plattformen entdeckte. Er lancierte einen Übernahmekampf für das südwestnorwegische Unternehmen Smedvig. Fredriksen unterlag im Kampf gegen das amerikanischen Unternehmen Noble in der ersten Runde.

Doch Fredriksen und seine rechte Hand, Tor Olav Trøim, gaben nicht auf. Sie kauften 51 Prozent der Smedvig-Aktien und zwangen Noble, seinen Smedvig-Anteil zu verkaufen. Damit war Fredriksen mit einem Schlag zum grossen Akteur im Erdölbohrgeschäft avanciert.

Fredriksen stammt aus einfachen Verhältnissen. Geboren 1944 in Oslos, absolvierte er ein Handelsgymnasium und begann in den Sechzigerjahren als Erdölhändler. Mit der Erdölkrise Anfang der Siebzigerjahre machte Fredriksen sich selbstständig und kaufte damals billige Tankertonnage auf. Billig kaufen, viel Risiko eingehen und teuer verkaufen ist noch immer seine Devise.

Fredriksen baute seine Reederei ständig weiter aus. Sein Unternehmen Frontline ist heute mit über 90 Schiffen die grösste Tankreederei der Welt. Alte Kontakte im Nahen Osten halfen ihm beim Aufbau seiner Flotte. So war Fredriksen auch einer der wenigen, die während des Iran-Irak-Kriegs iranisches Öl transportierte.

Grösste Tankerflotte der Welt

Nicht immer ging alles mit rechten Dingen zu. 1986 ging die norwegische Polizei gegen seine damaligen Firmen Marine Management und Sea Team vor. Fredriksen sass vier Mona-
te in Untersuchungshaft. 1990 akzeptierte er eine Busse von umgerechnet rund 290 000 Franken wegen der Verwendung von gefährlichem Rohöl als Treibstoff in seinen Schiffen.

Die Anklagepunkte grober Diebstahl, Versicherungsschwindel und unordentliche Buchführung wurden jedoch fallen gelassen. Zu Fredriksens Imperium gehören heute neben der Tankerreederei Frontline auch Containerschiffe, Trockenlastschiffe, Gasschiffe.

Er ist mit 15 Prozent einer der Grossaktionäre des deutschen TUI-Konzerns, der ausser im Tourismus auch in der Schifffahrt tätig ist. Ausserdem hat sich Fredriksen durch seine Firma Marine Harvest als einer der grössten Fischzüchter der Welt etabliert. Nebenbei ist er auch noch im Inkassogeschäft tätig.

Der 66 Jahre alte Fredriksen hat schon längstens einen zypriotischen Pass und lebt in London. Beides erleichtert seine Steuerlast massiv. Zu seinem Heimatland Norwegen pflegt Fredriksen eine intensive Hassliebe.

Er ist mit einem Vermögen von rund 50 Milliarden Kronen mit Abstand der reichste Norweger. Laut Forbes steht er auf Platz 88 der Reichsten dieser Welt.

Auf die norwegischen Politiker und Behörden ist der Milliardär nicht gut zu sprechen. Seit Jahren kritisiert er die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen des Schifffahrtlandes Norwegen. «Die Bedingungen im maritimen Geschäft ändern ständig, gleichzeitig ändern sich in Norwegen die Rahmenbedingungen.

Ich kann nicht hierbleiben, wenn in Norwegen so grosse Unsicherheiten bestehen», sagte Fredriksen kürzlich zur Boulevardzeitung «Verdens Gang». Noch Ende letzten Jahres hatte er Wirtschaftsminister Trond Giske versprochen, fünf seiner Schiffe wieder unter norwegischer Flagge segeln zu lassen.

Als die Steuerbehörden gleich darauf eine Razzia im Hauptsitz von Seadrill durchführten, widerrief Fredriksen seinen Beschluss sogleich.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1