Menschen bilden eine Blockade. Wir kennen diese Bilder nicht nur von Anti-AKW-Demos, sondern auch aus der Bundesliga. Doch im Gegensatz zu den Gegnern der Atomkraftwerke ist das Aggressionspotenzial der frustrierten Fussballfans um ein Vielfaches grösser. Glimpflich ist der Ausgang, wenn es nur beim verbalen Zweihänder bleibt. Solche Sorgen müssen sich die Aarauer trotz anhaltender Erfolglosigkeit derzeit nicht machen. Denn die Vereinsführung hat vorgesorgt. Sie hat das kleine Flämmchen der Verzweiflung, das in der Fankurve brodelte, schon vor dem Schicksalsspiel gegen Bellinzona ausgepustet.

Dass sich Präsident Alfred Schmid, Sportchef Fritz Hächler, Vizepräsident Roger Geissberger und Jürg Widmer am Freitag mit Vertretern der acht Fanklubs zum Meinungs- und Informationsaustausch getroffen hat, war ein äusserst cleverer Schachzug. Natürlich hat der sportliche Ausschuss bei der Analyse des Ist-Zustandes seine Sachzwänge wie limitierte Mittel im Vergleich zur Konkurrenz oder die Budgeteinhaltung geltend gemacht. Und er hat es nicht unterlassen, auf die eigenen Verdienste hinzuweisen. Beispielsweise, dass die Lebenserwartung des Klubs maximal zwei Monate betragen hätte, wenn Schmid und Hächler vor zweieinhalb Jahren nicht das Kommando übernommen hätten. Aber auch, dass Schmid und Hächler zuletzt mit persönlichen Beiträgen dafür gesorgt haben, das Loch in der Kasse zu stopfen. «Und sie haben versucht, uns klarzumachen, warum gewisse Spieler den FC Aarau verlassen haben», sagt Thomas Studer, Präsident «Fanclub Aarau 1981». «Sie haben den Eindruck korrigiert, wonach Fritz Hächler in sportlichen Angelegenheiten allein entscheidet. Alfred Schmid hat Hächler gleich zu Beginn der Veranstaltung aus der Schusslinie gezogen.»

Der Anlass sei gut angekommen, sagt Studer. Umso mehr, als die Initiative von der Führungscrew des FC Aarau ausgegangen sei. Aber auch, weil danach noch ein Apéro offeriert wurde. «Es wurde Nähe zwischen den Fans und dem Führungsgremium geschaffen.» Daran hat sich trotz der bitteren 1:2-Niederlage gegen Bellinzona, den wohl einzigen Mitkonkurrenten um den Abstieg, nichts geändert. «Die Führung hat uns versprochen, dass man in der Winterpause über die Bücher gehen und es dabei zu Spieler-Abgängen kommen werde. Mit dem eingesparten Geld würden zwei neue Spieler geholt », sagt Studer.

Aber was, wenn im Winter Bellinzona schon beinahe ausser Reichweite liegt? Studer: «Ein erneuter Trainerwechsel würde zum finanziellen Kollaps führen, hat man uns gesagt. Ausser der Neue würde fremdfinanziert. » Doch so weit ist es noch nicht. Trotz zwei Niederlagen kann man Martin Andermatt nicht wahnsinnig viel vorwerfen. Denn mit Orhan Mustafi und Aco Stojkov hat er im zweiten Spiel die richtige Zusammensetzung für den Sturm gefunden. Gegen Bellinzona hat einzig irritiert, dass Andermatt eine Viertelstunde vor Schluss beim Stand von 1:0, als die Tessiner ihr Abwehrdispositiv lockerten, den schnellen Mustafi gegen den langsamen Kioyo ausgetauscht hat. Immerhin ist noch Steigerungspotenzial auszumachen - auf allen Ebenen.