Mathias Küng

Die Debatte über die Anti-Minarett-Initiative wurde nicht zuletzt über das bewusst polarisierende Abstimmungsplakat der SVP lanciert. Allein im Aargau steht oder hängt es an über 1000 Standorten. Oder hing. Die SVP beklagt, noch nie seien in so kurzer Zeit so viele ihrer Plakate ab- oder heruntergerissen worden. Parteisekretär Pascal Furer (Staufen) etwa hat aus dem Fenster den Blick auf einen Kandelaber, an dem bis letzten Samstag so ein Plakat hing. Davon zeugen laut Furer nur noch Brandspuren.

Der kantonale SVP-Kampagnenleiter Andreas A. Glarner schätzt, dass rund 70 Prozent der Plakate in irgendeiner Form demoliert worden sind. Im Bezirk Bremgarten seien Plakate «flächendeckend» weg. Auch in anderen Bezirken - vorab in Städten - gebe es Räume, in denen kein Plakat unbeschädigt sei. Er erhält jetzt Bestellungen für Nachplakatierungen. Glarner hat aber vorgesorgt: «Wir haben 2500 Exemplare gedruckt.»

Anzeige wegen Sachbeschädigung

Im Bezirk Aarau ist laut Glarner jemand «am helllichten Tag» beim Plakatdemolieren erwischt worden. Auch liege eine Meldung über mehrere Personen vor, die nächtens im Bezirk Bremgarten dabei beobachtet worden seien. Gegen solche Personen werde Strafanzeige wegen Sachbeschädigung eingereicht, kündigt er an.

Das kann für den Betreffenden teuer werden. Dies zeigt ein Fall von 2007. Damals machte Glarner mit seinen sehr umstrittenen Plakaten «Aarau oder Ankara?» und «Baden oder Bagdad?» im Nationalratswahlkampf auf sich aufmerksam und löste eine öffentliche Debatte aus. Damals wurde ein junger CVP-Politiker beim Herunterreissen von Plakaten erwischt. Er erhielt einen rechtskräftigen Strafbefehl über mehr als 1000 Franken wegen Sachbeschädigung.

Der Aarauer Bezirksamtmann Dieter Gautschi bestätigt gegenüber dieser Zeitung zum neusten Fall, dass die Kantonspolizei in Suhr von Drittpersonen gerufen wurde. Sie rückte aus und erwischte jemanden, so Gautschi. Der Fall ist also aktenkundig. Jetzt hat die SVP drei Monate Zeit für ihre Strafanzeige. Es ist aber nicht damit zu rechnen, dass sie so lange zuwartet.