Noch gehen die Emotionen hoch

Blick in die Zukunft: Kurator Manfred Statzer will in der jetztigen Phase noch keine Vergangenheitsbewältigung betreiben. (heh)

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Blick in die Zukunft: Kurator Manfred Statzer will in der jetztigen Phase noch keine Vergangenheitsbewältigung betreiben. (heh)

Mindestens zwei Jahre wird es dauern, bis in der Reformierten Kirchgemeinde Beinwil am See wieder normale Zustände herrschen. Dies sagte Kurator Manfred Statzer an der Kirchgemeindeversammlung.

Heinz Härdi

Wie ein Paukenschlag traf die Kirchgemeinde Beinwil am See die Meldung, dass die gesamte Kirchenpflege am 16. Mai zurückgetreten ist (die AZ berichtete). Konflikte zwischen der Kirchenpflege und dem umstrittenen Pfarrer Klaus W. Neugeboren einerseits und der IG Kirchgemeinde andererseits schaukelten sich immer weiter auf, zogen weitere Kreise bis es zur Eskalation kam. Seither führt Kurator Manfred Statzer die Geschäfte.

Nach dem Gottesdienst am Sonntag kam es zur ersten Kirchgemeindeversammlung während des Kuratoriums. 71 Stimmberechtigte nahmen daran teil. Manfred Statzer stellte sich als freischaffender Krisenmanager mit 16-jähriger Erfahrung auf diesem Gebiet vor. Was er in der Beinwiler Kirchgemeinde angetroffen hat, stimmt nicht gerade positiv: «Anfeindungen, Parteibildungen, man bezichtigt sich gegenseitig der Lüge, es gibt Leute, die an der Situation leiden.»

Manfred Statzer gab bekannt, dass er bereits einige Entscheide gefällt habe. Unter anderem soll Pfarrer Klaus W. Neugeboren bis zu seiner Pensionierung im Amt bleiben, das heisst bis Weihnachten. Die Suche nach einem neuen Pfarrer wird vorangetrieben, Statzer greift dafür auf die geleistete Vorarbeit der Pfarrwahlkommission zurück.

Was jetzt zu tun ist

«Wichtig ist jetzt, dass wir Leute finden, die integrierend wirken und bereit sind, vorwärts zu schauen», betonte Manfred Statzer. Er nehme zwar die Aufgaben der Kirchenpflege wahr, doch könne er längst nicht alle Arbeiten selbst erledigen. Bevor er das Wort frei gab, stellte er Regeln auf: «Keine Beschimpfungen, nur Voten, die zum Frieden beitragen und in die Zukunft weisen.» Bis wann das Kuratorium dauern wird, konnte Statzer nicht sagen. Die Erfahrung zeige, dass dies mindestens zwei Jahre gehen könne. «Was ist eigentlich die Situation in der Kirchgemeinde? Weshalb ist die Kirchenpflege gesamthaft zurückgetreten?», wollte eine Versammlungsteilnehmerin wissen. «Wenn ich darauf antworte, sind wir noch nach drei Stunden daran», antwortete Statzer. Es sei die Emotionalität, sagte er dann, ohne auf die Details, die ohnehin jeder anders sieht, einzugehen.

Rücktritt des Pfarrers verlangt

Aus der Versammlung wurde sodann das umstrittene Wirken von Pfarrer Klaus W. Neugeboren thematisiert. Der Wunsch wurde laut, man solle doch sofort einen Neuanfang ohne den Pfarrer machen. «Die Fronten verhärten sich bis Ende Jahr sonst weiter», wurde befürchtet. Ausserdem bestehe bei vielen Leuten eine grosse Unsicherheit. Man wisse nicht mehr, wem man trauen könne.

Einen konkreten Antrag stellte unter dem Traktandum «Verschiedenes» Ueli Galli von der IG Kirchgemeinde. «Pfarrer Klaus W. Neugeboren soll per 1. Juli frei gestellt werden», forderte er. Ausserdem verlangte er, dass das Feriensaldo des Pfarrers überprüft wird, weil der zu viele Tage bezogen habe. Pfarrer Neugeboren protestierte bei diesem Votum heftig, derweil nahm Manfred Statzer den Antrag «wertungslos» an. Die Arbeitszeitüberprüfung des Pfarrers gehöre zu seinen Aufgaben. Hingegen ging er nicht auf das Begehren «Freistellung des Pfarrers» ein. «Ich bin als Kurator für alles Operative zuständig und dazu gehört auch das Anstellungsverhältnis des Pfarrers.» Er hat entschieden, dass Pfarrer Neugeboren bis Ende Jahr bleibt. Eine vorzeitige Absetzung würde nur zu Improvisationen mit Stellvertretern führen. «Wir wollen zweigleisig fahren. Einerseits in aller Ruhe den Neuanfang vorbereiten, andererseits weiterhin mit Pfarrer Neugeboren zusammenarbeiten.» Eine Abstimmung darüber erübrige sich, weil dies nicht im Kompetenzbereich der Kirchgemeindeversammlung liege.

Kirchenpflege verabschiedet

Letztes Traktandum war die Verabschiedung der vollständig anwesenden Kirchenpflege. Pfarrer Neugeboren würdigte das Engagement der Mitglieder. «Mir ist es ein tiefes Bedürfnis, den Kirchenpflegern Dank für ihr Wirken auszusprechen», sagte er. Markus Steiner, der Amtsälteste, ergriff stellvertretend das Wort. Er gab seinem Unverständnis über das passive Verhalten der Landeskirche in der Sache Ausdruck. Auch verstehe er nicht, wie die IG gegen Pfarrer Neugeboren vorgegangen sei. Dies wäre natürlich nicht unwidersprochen geblieben. Doch hier brach Manfred Statzer die Diskussion ab. «Falls der Wunsch besteht, eine Aussprache über die Vergangenheit zu führen, können wir dies in ein paar Monaten an einer separaten Versammlung tun», bot er an.

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