Bruder Christian Homey
Nie wollte Bruder Christian als Pfarrer angestellt sein

Ein schwerer Verlust ist der Hinschied von Bruder Christian Homey für die Römisch-katholische Kirchgemeinde Ramiswil. Seine Art passte ins kirchliche Leben des Dorfes, wie es selten vorkommt.

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Bruder Christian

Bruder Christian

Solothurner Zeitung

Hanspeter Vögtli

Bruder Christian Homey ist nach schwerer Krankheit im Alter von 66 Jahren gestorben. Mehr als 20 Jahre lang prägte er die Pfarrgemeinde. Dabei wollte er seinerzeit gar nicht damit anfangen. «Kommt nicht infrage», antwortete er seinerzeit auf die Bitte, in Ramiswil einen Festgottesdienst zu halten. Nach dem Tode von Pfarrer Max Wyss im Jahr 1988 war nämlich die Pfarrstelle des kleineren Dorfes im Guldental verwaist. Man half sich mit Vertretungen aus und war als Pfarrgemeinde recht unglücklich. Als man wieder einmal in echten Schwierigkeiten war, machte sich der damalige Kirchenpräsident Adolf Lisser auf, im Kloster Beinwil auf der anderen Seite des Passwangs einen Priester für einen Festgottesdienst zu verpflichten. Christian Homey, der damaligen Leiter des Klosters (siehe auch Kontext), begründete die Absage, im Kloster sei viel zu tun und der Ort solle als Einkehr- und Aufenthaltsort blühen und gedeihen.

Streitbarer Leiter des Klosters Beinwil

Gar nicht gut zu sprechen ist man in Ramiswil auf das, was sich zwischen Bruder Christian Homey und der Stiftung Kloster Beinwil abgespielt hat. Diese hatte Bruder Christian per Gerichtsbeschluss gezwungen, das Kloster zu verlassen und somit einem langjährigen Streit ein Ende gesetzt. Bruder Christian kam 1984 nach Beinwil und packte zusammen mit zwei weiteren Mönchen den Wiederaufbau des abgebrannten Klosters an. Später gründete er die Ökumenisch-Benediktinische Gemeinschaft Beinwil und war deren Leiter. Ein grosser Freundeskreis unterstützte das Kloster, in dem mittlerweile 15 Brüder und Schwestern lebten und das nach dem Aufbau offen stand für alle, die Ruhe und Einkehr suchten. Gegen Ende 1990 zeichneten sich Differenzen ab zwischen Bruder Christian als Klosterleiter und der Stiftung, der das Kloster gehört, sowie dessen geistlichem Rat. Dieser liess verlauten, Homey sei nicht mehr tragbar, er bestimme selbstherrlich, lege nicht ordentlich Rechnung ab und wähle seine Organe nicht transparent. Homey wies alle Vorwürfe zurück und blieb zusammen mit einigen Getreuen im Kloster. Ende 2006 kündigte die Stiftung den Nutzungsvertrag mit Homey und setzte, nachdem dieser die Kündigung erfolglos angefochten hatte, per Gerichtsbeschluss durch, dass Bruder Christian per 20. Juli 2007 das Kloster verlassen müsse. Nicht bestritten war, dass das Kloster Beinwil ohne den ausserordentlichen Einsatz von Bruder Christian niemals zu dem geworden wäre, was es heute ist. Unbeirrt unterstützt wurde er jederzeit von Mitgliedern der Pfarrgemeinde Ramiswil. (wak)

Dann liess er sich erweichen

Doch Adolf Lisser gab nicht auf. Beim dritten Mal liess er sich erweichen und sagte zu, aber nur für einen Gottesdienst. Später erzählte Bruder Christian, dass er dem «kleinen, traurigen Mann» keine Absage mehr erteilen konnte. So kam es, dass Bruder Christian zuerst einmal pro Monat, dann alle vierzehn Tage an den Sonntagen in Ramiswil Gottesdienst hielt. Die Kirchgemeinde stellte ihm eine Wohnung im Pfarrhaus zur Verfügung, die ihm dann zur Heimat wurde. Zu den Gottesdiensten kamen dann Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen dazu. Die Gestaltung der Taufen wurde sogar berühmt, so dass von weitherum Anfragen kamen. Meist lehnte Bruder Christian ab.

Er liess sich nie als Pfarrer anstellen. Das hatte er 1999 in einem Gespräch mit dieser Zeitung erklärt. Seine Überzeugung sage ihm, dass ein Priester nicht veramtet sein soll. Wenn er hier Dienst leiste, dann freiwillig. Würde er einen festen Lohn erhalten, könne er seine Arbeit nicht mehr frei tun. Ständig hätte er das Gefühl, noch dies oder jenes tun zu müssen. Er sei kein Macher, er sei lediglich ein kleiner Teil, der einen kleinen Beitrag zum grossen Ganzen bringe. Dazu würden auch die Kinder, Eltern, Lehrer und Katecheten mindestens gleich viel beitragen. Dieses Verweigern «einer höheren Stellung im Kirchendienst» gab wohl Anstoss, sich nicht mit «Pfarrer Homey» ansprechen zu lassen, sondern mit «Bruder Christian». Er wollte seinem Gegenüber «gerade in die Augen schauen können». Das tat er übrigens auch beim Predigen, indem er nicht von der Kanzel herab sprach, sondern zu den Leuten hinging, mit ihnen sprach.

Akzeptierte die Gewohnheiten

Die Gläubigen liessen den Geistlichen spüren, dass er im Dorf willkommen war. Bruder Christians Art passte ins kirchliche Leben der kleinen Gemeinde, und er selbst nahm die Gewohnheiten der Ramiswiler an, ohne sie verändern zu wollen. Primär kümmerte er sich um die Kinder. Und er forderte die Leute auf, ihm zu melden, wenn ein Mitglied der Kirche krank war oder Probleme hatte. Die Bevölkerung, die Verantwortlichen der Kirchgemeinde, Siegrist, Ministranten und Chor und die Vereine machten mit. Die Kirche, die nach Aussagen von Homey in seiner Anfangszeit oft nur spärlich besetzt war, füllte sich mit wenigen Ausnahmen wieder regelmässig an.

Liturgiegruppe als Verbindung

Bruder Christian baute die von Pfarrer Wyss initiierte Liturgiegruppe weiter aus, damals ein Novum für Ramiswil. Imelda Bieli, Rita Ackermann und Vreni Disler waren dabei. Homey begründete dies nicht nur mit Arbeitserleichterung seinerseits; er wollte so die Verbindung von seinem Wirkungsort Beinwil zu Ramiswil aufrechterhalten. Als diese drei Frauen nach vielen Jahren altershalber Ende 2008 zurücktraten, konnte der Kirchenrat neue Leute gewinnen: Doris Nussbaumer, Christine Lisser, Daniela Probst, Elisabeth Thomann und Linda Saner. Obwohl Bruder Christian von seiner Krankheit schon arg gezeichnet war, liess er es sich nicht nehmen, die Neuen auf ihre Arbeit vorzubereiten. «Das hat er als seine letzte Lebensaufgabe angesehen», erzählt Cécile Allemann-Bitterli.

Die Kirchgemeinde Ramiswil macht sich Sorgen um die Zukunft der Pfarrei. Präsident Herbert Brunner hatdaher mit Dekan Anton Bucher Kontakt aufgenommen, um zu beraten, wie es mit der Pfarrei weitergehen soll. (Mitarbeit: wak)

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