Stadtmusik

«Nicht wie ein Geschäft führen»

Nach sechs Jahren als Präsident der Stadtmusik Dietikon tritt Stefan Werffeli zurück: Seit Ende März ist er wieder einfaches Mitglied der Stadtmusik Dietikon. Die Zeit an der Spitze habe ihm Spass gemacht, sagt er. Und: Das Korps stehe vor Herausforderungen.

Von Matthias Kessler

«Das kann ich gar nicht genau sagen», meint Stefan Werffeli auf die Frage, seit wann er mit der Stadtmusik Dietikon (SMD) verbunden sei. Das müsse wohl Anfang der 1970er-Jahre gewesen sein, «das ist auf jeden Fall schon sehr lange her», sagt der 44-Jährige mit einem Lachen. Zunächst sei er in die Stadtjugendmusik, irgendwann habe der Wechsel in die Stadtmusik stattgefunden, bald gefolgt von ersten Posten in der Musikkommission, im Vorstand - und schliesslich, vor sechs Jahren, die Wahl zum Präsidenten der Stadtmusik.

Und nun, am 25. März, die Übergabe des Amts an die bisherige Vizepräsidentin Mirjam Leitner. «Es war eine gute Zeit», so Werffeli resümierend, «es hat Spass gemacht». Gerade der Spassfaktor sei bei einem Hobby, das die Leute am Abend nach der Arbeit ausübten, von grosser Bedeutung. Und gerade darauf müsse man im Umgang mit den Vereinsmitgliedern auch immer wieder ganz besonders achten: «Die Stadtmusik kann man nicht wie ein Geschäft führen, die Leute machen alle freiwillig mit. Ein gewisses diplomatisches Geschick ist deshalb wichtig», so der Selbstständigerwerbende. Er selbst freue sich nun auf mehr Freizeit für sich, seine Frau und seine zwei Kinder, so Werffeli, der der SMD als Saxofonspieler erhalten bleibt.

In all seinen Jahren als Präsident sei es für die Vereinsmitglieder nie eine Frage gewesen, bei der Organisation und Durchführung von Festanlässen mitzuhelfen, wenn der Verein sie gebraucht habe, so Werffeli, «bei uns herrscht ein guter Teamgeist.» Dafür müsse die Basis stimmen, und die sei bei der Stadtmusik Dietikon mit ihrem Korps von rund 60 Personen trotz Fluktuation von gegen zehn Prozent gegeben - «sicher auch dank der kontinuierlichen Personalpolitik im Vorstand in den letzten Jahrzehnten». Das Know-how sei auf viele Schultern verteilt, und es sei sich auch niemand zu schade, zurück ins Glied zu gehen, um anderen, die ein Amt übernehmen wollten, Platz zu machen.

Doch die Kontinuität im Vorstand sei nur ein Teilaspekt des Erfolgsgeheimnisses der SMD, fährt Werffeli fort. Denn: An erster Stelle komme natürlich die Musik; man mache «zeitgemässe Musik, die die Leute hören wollen, und die für die Musizierenden schön zu spielen ist». Das Können des Korps und die gute Kameradschaft - ein Höhepunkt sei die Mittelmeer-Kreuzfahrt mit dem Verein vor zwei Jahren gewesen - führten dann wiederum zu Anfragen von musikbegeisterten Personen von ausserhalb, die sich für ein Engagement in der Stadtmusik interessierten. Deshalb stehe die SMD im Vergleich zu anderen Vereinen, die aufgrund eines zu geringen Mitgliederbestands um ihre Existenz fürchten müssten, sehr gut da.

Dass gerade im Erfolg aber auch die grössten Gefahren lauern, ist sich Werffeli absolut bewusst: «Wir stehen in den nächsten Jahren vor einigen Herausforderungen.» So gelte es, ältere Mitglieder der Stadtjugendmusik für den Übertritt in die Stadtmusik zu begeistern, den Übergang zu den «Grossen» zu gewährleisten. Der «harte Kern» der Musik sei im mittleren Alter - für die längerfristige Zukunftssicherung sei es wichtig, jedes Jahr einige Nachwuchskräfte zu integrieren.

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