Handy
Nicht nur im Keller kein Netz

Nach 17 Jahren Mobiltelefon-Technologie gibt es im Aargau noch immer Funklöcher. In gut einem Dutzend Aargauer Gemeinden haben Orange-Kunden keinen Natel-Empfang. Auch das Sunrise-Netz hat an abgelegenen Orten Schwächen.

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Natel-Empfang AG

Natel-Empfang AG

Aargauer Zeitung

Sabine Kuster

Am ruhigsten ist das Fricktal. Hier gibt es an den meisten Orten keine schnelle Verbindung mit dem Natel. Die schnelle, so genannte UMTS-Übertragung (bis zu 3,6 MB/s) ist nur in Rheinfelden (Sunrise und Orange) und Frick möglich (Orange). Auch das Swisscomnetz hat dort für die UMTS-Verbindung noch ziemlich grosse weisse Flecken.

Ohne Klingeln essen

Ein romantisches Nachtessen, ein lustiges Gespräch bei einem Bier - und dann klingelt das Natel. Der Chef ist dran oder die Mutter, wie auch immer: Der Anruf stört. Eines der letzten Restaurants, wo dies nicht geschehen kann, ist das «Steinenbüel» oberhalb Untersiggenthal. Dort auf dem Hügel im Wald ist eines der letzten Funklöcher im Kanton. Es gibt höchstens draussen schwach via Netz in Deutschland Empfang. «Wir sind zufrieden so», sagt Besitzer Rico Huber, «wenn jemand telefonieren will, kann er hier das Festnetz benutzen. Und in Untersiggental wissen die Leute, wer nicht erreichbar ist, sitzt wahrscheinlich bei mir oben.» (kus)

Im östlichen Fricktal haben Orange-Kunden gar keinen Empfang: In den Gemeinden Sulz, Ittental, Gansingen, Mönthal, Hottwil, Mandach und Wil. Auch Sunrise-Kunden haben mancherorts keinen (zum Beispiel in Sulz) oder nur schwachen Empfang. Das Swisscom-Netz ist im Aargau beinahe flächendeckend. Die meisten kleinen Funklöcher liegen ebenfalls in den Tälern rund um Frick wie zum Beispiel auf der Staffelegg oder weiter unten im Weiler Asp.

Mancherorts nur Swisscom

Die restlichen Funklöcher betreffen vor allem Orange und Sunrise. Sie sind über den ganzen Kanton verstreut und befinden sich meist in unbewohntem Gebiet. Ausnahmen sind Schmiedrued und andere Teile des Ruedertals, das Uerkental sowie Thalheim hinter dem Homberg. In Schmiedrued funktionieren nur Swisscom-Natels. Das störe hier kaum jemanden, heisst es auf der Verwaltung. In Thalheim hat die Gemeindeschreiberin kein eigenes Natel und kann deshalb nicht mit Sicherheit sagen, ob Kunden von Sunrise und Orange Empfang haben. «Nur sehr schwach», lautet der Befund von Schulhausabwart Karl Dietiker, hier müsse man wohl oder übel Swisscom benutzen.

In den letzten Jahren wurde im Aargau ein Funkloch nach dem anderen gestopft; jede Gemeinde hat ihre Mobilfunkantenne - oder mehrere. Selbst die Gemeinde Bottenwil im Uerkental, die sich lange gegen eine Antenne wehrte, bewilligte 2007 eine provisorische Antenne der Swisscom, die nun durch eine definitive ersetzt wird. Auch die Tunnels der Bahn sind meist keine Funklöcher mehr. Die SBB und die drei Schweizer Mobilfunkanbieter sorgen gemeinsam dafür, dass auch im Zug telefoniert werden kann.

Leistung wird ständig gesteigert

Wenn heute Baugesuche für Mobilfunk eingereicht werden, geht es meistens um ein schnelleres Netz: Die Mobilfunkanbieter wollen eine UMTS-Übertragung ermöglichen, damit die vielen Zusatzfunktionen der Natels und des iPhone genutzt werden können. Es geht längst nicht mehr nur um zwei entfernte Personen, die miteinander sprechen wollen, wie 1992, als das Natel-D-Netz in Betrieb genommen wurde. Es geht um Internet- und Videotelefonie. Die Nutzer möchten die neusten Podcasts per Mobiltelefon anhören bzw. ansehen können oder sich vom Navigationsgerät des iPhone lotsen lassen. Am schnellsten lassen sich Videofilme entlang der Aare, der Reuss und der Limmat aufs Natel herunterladen. Dort gibt es für alle Mobiltelefonnutzer vollen UMTS-Empfang.

Übrigens: Den Rhein entlang wechseln die Natels oft auf ein deutsches Netz, was teuer ist. Dies geschehe, weil Mobilfunkantennen in Deutschland stärker senden dürften, sagt Carsten Roetz, Mediensprecher der Swisscom. In der Schweiz sind die Grenzwerte tiefer angesetzt. Wenn das Natel auf «manuelle Netzwahl» gestellt werde, bleibe es jedoch im Schweizer Netz, rät Roetz.

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